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1) Prager Rattler: Vom Nagerjäger zum beliebten Schoßhund

Prager Rattler
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Der Prager Rattler (Pražský krysařík) ist die älteste und kleinste hiesige Hunderasse. Er ist zwar so klein wie ein Plüschtier, dank seiner guten Gesundheit, Findigkeit und Abenteuerlust ist er aber das Gegenteil eines faulen Stubenhockers.

Prager Rattler | Foto: Kingskunky,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

Der Prager Rattler zählt zu den kleinsten Hunden der Welt. Seine Widerristhöhe liegt zwischen 21 und 23 Zentimetern bei einem optimalen Gewicht von rund zweieinhalb Kilo. Seine typische Farbe ist schwarz beziehungsweise schwarz-braun. Das Fell ist kurz und glänzend. Der Kopf ist birnenförmig mit spitzen, aufrechtstehenden Ohren.

Der Prager Rattler ist eine Hunderasse vom Pinschertyp. Laien verwechseln ihn häufig mit dem etwas größeren Zwergpinscher und dem bekannteren Chihuahua. Die Ahnen des Prager Rattlers stammen aus Tschechien und waren sowohl beim Adel als auch bei ärmeren Menschen beliebt.

Vladimíra Tichá | Foto:  Archiv von Vladimíra Tichá

Die Geschichte der Hunderasse sei sehr interessant, sagt die Züchterin Vladimíra Tichá von der Böhmisch-mährischen kynologischen Gesellschaft:

„Sein Name deutet darauf hin, dass er nicht bloß als Schoßhund gezüchtet wurde, sondern um Haushalte von unliebsamen Nagetieren frei zu halten. Er hat einfach Ratten gejagt.“

Und niemand sollte denken, dass der Prager Rattler dies heute nicht mehr schaffen würde, mahnt Tichá:

„Es hängt davon ab, wer ihn besitzt. Wenn man den Hund, und das gilt nicht nur für den Rattler, den ganzen Tag beaufsichtigt, ihn am liebsten im Kinderwagen herumfährt, dann wird er zu einem Accessoire, in dem nicht mehr viel vom Hund übrig bleibt. Wenn man den Rattler wie einen Hund behandelt, hat man einen lebhaften und fröhlichen Begleiter, der nur aufgrund seiner geringen Größe in gewisser Weise eingeschränkt. Aber ansonsten ist er ein Hund wie jeder andere."

Prager Rattler | Foto: Pavla Čiháková

Mit der Zeit geriet der Prager Rattler in Vergessenheit. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde erfolgreich begonnen, aus wenigen Exemplaren die Rasse neu aufzubauen. Heute gibt es weltweit viele Prager Rattler, in zahlreichen Ländern ist die Rasse offiziell eingetragen. 2019 wurde der Rattler vom internationalen kynologischen Dachverband FCI offiziell als Rasse anerkannt.

„Eine große Rolle bei der Erneuerung des Rattlers, wie auch anderer tschechischer Rassen, hat Jan Findejs gespielt. Dieser Mann hat sein ganzes Leben den Hunden gewidmet. Aus einem Pinscher mit rundem Kopf, wulstigen Augen und geschrumpftem Po entwickelte sich der schöne Prager Rattler, der ein langes Gesicht, spitze Ohren, normale Augen und einen geraden Rücken hat und recht temperamentvoll ist.“

Prager Rattler | Foto: Pavla Čiháková

Heute sind die Rattler beliebte Begleithunde. Sie zeichnen sich durch Schnelligkeit und einen hervorragenden Geruchssinn aus. Ihr Können zeigen sie auf dem Hunde-Parcours und bei Coursing-Wettbewerben, sie können tanzen und Frisbee fangen. Nicht zuletzt kommen die Rattler als Helfer bei der Hundetherapie zum Einsatz.

Prager Rattler | Foto: Pavla Čiháková