Festival gegen Totalitarismus „Mene Tekel“ spricht junge Menschen an

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In diesen Tagen findet in Prag bereits zum siebten Mal das internationale Festival gegen Totalitarismus „Mene Tekel“ statt. Auf dem Programm stehen Ausstellungen, Filmvorstellungen, Diskussionen mit Zeitzeugen sowie Rockkonzerte.

Das Festival „Mene Tekel“ entstand als Reaktion darauf, dass sich die tschechische Gesellschaft immer weniger für das Schicksal politischer Gefangener interessierte. Eröffnet wurde das Festival auch dieses Jahr wie üblich am 25. Februar. Das Datum hat eine symbolische Bedeutung, denn am 25. Februar 1948 ergriffen die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei. Die Veranstalter wollen vor allem junge Menschen ansprechen. Jan Řeřicha ist Gründer und Leiter des Festivals:

„Es freut uns sehr, dass die meisten Festivalzuschauer junge Menschen sind. Wir bauen damit eine Art Brücke zwischen ihnen und den politischen Gefangenen, mit denen wir zusammenarbeiten. Diese sind heute alle über 80 Jahre. Aber als sie in den 1950er Jahren verurteilt wurden, waren sie oft knapp 20 Jahre alt. In diesem Jahr haben wir die Studenten der Akademie der bildenden Künste angesprochen. Sie stellen ein Gemälde zum Thema Macht, Manipulation, Opfer, Symbol und Gedächtnis im Prager Karolinum aus. Zudem sind dort Arbeiten von Schülern aus ganz Tschechien zum Thema ‚Mein Land und die Freiheit’ zu sehen.“

Karel Pecka (Foto: Archiv Mene Tekel)
Zum fünften Mal arbeiten die Festivalveranstalter zudem mit Jura-Studenten der Prager Karlsuniversität zusammen. Diese inszenieren jedes Jahr die Nachstellung eines politischen Prozesses aus den 1950er Jahren. Dieses Prozess-Schauspiel findet im berüchtigten Gerichtssaal des Prager Stadtteils Pankrác statt.

„Wir bemühen uns darum, Prozesse gegen solche Menschen nachzuspielen, die damals ungefähr im selben Alter wie die heutigen Studenten waren. Am kommenden Samstag wird der Prozess gegen den Schriftsteller Karel Pecka inszeniert. Er war 20 Jahre alt, als er verurteilt wurde. Karel Pecka wurde damals der Zugang zur Hochschule verweigert, er entschied sich daher zu emigrieren. Gemeinsam mit einigen Mitarbeitern der Filmstudios Barrandov hatte er zuvor eine Zeitschrift mit dem Titel ´Za pravdu´ (Für die Wahrheit) herausgegeben. Als er sich auf die Reise begab, nahm er Exemplare dieser Zeitschrift mit, um im Ausland Beispiele seiner literarischen Arbeit vorlegen zu können. Pecka wurde jedoch auf dem Bahnhof verhaftet. Es folgte ein großer politischer Prozess, in dem noch weitere Menschen verurteilt wurden. Pecka war beim Prozess sehr tapfer. Er wurde zu elf Jahren Haft verurteilt und als einziger der Verurteilten nicht früher freigelassen.“

Dzintra Geka (Foto: Martina Schneibergová)
Beim Festival steht nicht nur die Geschichte der Tschechoslowakei im Mittelpunkt, sondern jedes Jahr wird die Aufmerksamkeit auch auf ein weiteres Land mit kommunistischer Vergangenheit gelenkt. Diesmal ist es Lettland. Jan Řeřicha:

„Wir haben die lettische Filmregisseurin Dzintra Geka eingeladen. Als sie ein Jahr alt war, wurde ihr Vater in den Gulag nach Sibirien geschickt. Erst als sie 16 war, wurde ihr erlaubt, ihren Vater in Sibirien zu besuchen. Der Vater durfte aber nicht mehr nach Lettland zurückkehren. Geka befasst sich in ihrer Regiearbeit mit dem Schicksal der Letten, die nach Sibirien verschleppt wurden.“

In Prag wird Dzintra Gekas Dokumentarfilm „Eine sibirische Bilanz“ gezeigt. Darin beschreibt sie die Reise von Letten, die in Sibirien nach den Spuren ihrer Vorfahren suchen.

Das Prager Festival Mene Tekel dauert bis zum 3. März. Mehr über das Programm finden Sie unter www.menetekel.cz.