Filmfestival Zlín blickt zurück auf die Anfänge des Kinos in der Baťa-Stadt

Foto: ČTK

Eine Rekordzahl an Ländern hat in diesem Jahr ihre Streifen für das Kinder- und Jugendfilmfestival in Zlín angemeldet. Beim 56. Jahrgang werden 360 Filme aus 56 Ländern aufgeführt. Zum ersten Mal sind unter ihnen zum Beispiel Äthiopien, Vietnam und Katar.

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Das internationale Filmfestival Zlín ist die wichtigste Plattform für Kinder- und Jugendfilme in Tschechien. Es wird seit 1961 in der ostmährischen Stadt veranstaltet. Ein Schwerpunkt im diesjährigen Programm ist der 80. Geburtstag des Filmateliers in Zlín. In dem Studio liegen die Anfänge des Animationsfilms in der Tschechoslowakei. Das Festival setzt außerdem einen besonderen Akzent auf französische Filme für Kinder und Jugendliche. Darauf beziehe sich auch eine Neuheit, sagt Programmdirektorin Markéta Pášmová:

Markéta Pášmová (Foto: Archiv von Markéta Pášmová)
„Es ist eine Sektion, die wir ‚Herzensangelegenheiten‘ genannt haben. Für diese Sektion konnten die Zuschauer selbst das Programm bestimmen. Wir haben eine Umfrage gemacht, in der von 22 Filmen zehn ausgewählt werden konnten. Und die werden wir zeigen. Dazu gehören klassische Streifen wie Fantômas, Der Gendarm von Saint Tropez oder Die schwarze Tulpe. Das Besondere ist aber, dass die Filme in der französischen Originalsprache aufgeführt werden.“

Um französische Kultur und Gastronomie geht es zudem bei einer Festivalsoiree mit dem Titel „Vive la France“.

Markéta Pášmová nennt noch einen weiteren Schwerpunkt des Festivals, nämlich den 80. Geburtstag des Filmateliers in Zlín:

Baron Münchhausen
„An dieses Jubiläum erinnern wir mit der Aufführung zahlreicher Filme, die in Zlín entstanden sind. Wir bringen eine Uraufführung der digitalisierten und restaurierten Version des berühmten Films ‚Baron Prášil‘ (auf Deutsch: Baron Münchhausen, Anm. d. R.) von Karel Zeman. Außerdem veranstalten wir Ausstellungen über die Filmschaffenden, die in Zlín beschäftigt waren. Und wir planen auch ein Treffen mit ehemaligen Kinderstars, die in den Filmen aus Zlín gespielt haben.“

Jiří Novotný (Foto: YouTube Kanal von Disk TV)
Das Filmstudio auf dem Hügel Kudlov in Zlín wurde von den Besitzern der Baťa-Schuhfabrik gegründet. Sie wollten dort Werbefilme drehen. Der Historiker Jiří Novotný beschreibt das erste Studiohaus:

„Im Hauptgebäude mit dem Atelier war im Souterrain das Filmlabor, in dem die Filme entwickelt wurden. Die Technik war hoch modern. In einem Nebengebäude befanden sich ein Schneideraum, ein Kopierraum und die Büros der Studioleitung.“

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde das Studio ausgebaut. Denn nach Zlín zog es zahlreiche Filmschaffende, die sich vor den Nazis aus Prag zurückgezogen hatten:

Filmstudio auf dem Hügel Kudlov in Zlín (Foto: Pavel Sedláček, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Fast eine ganze Klasse der Prager Kunstgewerbeschule kam nach Zlín. Denn hier wurde am Film ‚Fritz und Franz‘ für die Deutschen gearbeitet. Gleichzeitig wurde im Geheimen aber an einem tschechischen Zeichentrickfilm nach den Motiven von Karel Čapeks Pošťácká (Briefträgermärchen) gebastelt. Die Kunstgewerbeschüler haben hier vor allem das Handwerk der Zeichentrickanimation gelernt.“

Nach dem Krieg wurde das Studio verstaatlicht. Und man begann sich, auf Kinder- und Jugendfilme zu konzentrieren. Nach der Wende von 1989 ging der Ruhm des Zlíner Studios zu Ende, mehrere Male stand es vor der Schließung. Derzeit bemühen sich neue Besitzer um eine Wiederbelebung des Studios.