Förderverein St. Maurenzen: Eine Brücke zwischen Bayern und Böhmen feiert Geburtstag

Kirche Sankt Maurenzen (Foto: Martina Schneibergová)

Die ursprünglich romanische Kirche St. Maurenzen auf einem Hügel oberhalb der Gemeinde Annín / Anatal steht im Böhmerwald. Während des Kommunismus waren der Sakralbau und der angrenzende Friedhof ihrem Schicksal überlassen. Sein Zustand zur Wende von 1989 war demnach sehr schlecht. Gerettet wurde die Kirche dank dem Förderkreis zur Erhaltung von St. Maurenzen, den ehemalige deutsche Bewohner des Böhmerwalds gegründet haben. Der Förderkreis besteht nun schon seit 25 Jahren. Aus diesem Anlass wurde vor kurzem ein Festgottesdienst in der Kirche zelebriert. Bei dieser Gelegenheit sprach Martina Schneibergová mit dem Begründer des Förderkreises, Architekt Karl Suchy, und mit Margrit und Hans-Hermann Kaiser, den Leitern des Förderkreises.

Kirche St. Maurenzen (Foto: Martina Schneibergová)
Herr Suchy, der Förderkreis zur Erhaltung von St. Maurenzen besteht seit 25 Jahren. Sie waren der Initiator des Fördervereins. Wie ist er entstanden?

„Wir waren zwei, drei Leute, die sich zusammengesetzt und gesagt haben: ‚Wir müssen etwas machen‘. Die ersten Besprechungen gab es kurz nach der Wende – schon im Dezember 1990. Dann ging es allmählich los.“

Mit wem haben Sie damals auf tschechischer Seite zusammengearbeitet?

„Bevor wir mit den Tschechen gesprochen haben, haben wir uns überlegt, wie es überhaupt losgehen soll. Wir berieten darüber, wie wir das Geld für die Instandsetzung der Kirche zusammenbringen. Ich hatte in Tschechien keine Bekannten, keine Freunde, so habe ich den Förderkreis zunächst auf deutscher Seite aufgebaut. Erst dann haben wir uns mit der tschechischen Seite in Verbindung gesetzt, mit den Fachleuten und vor allem mit den Denkmalschutzbehörden. Dann ging es Schritt für Schritt. Auf der einen Seite waren wir stark überrascht von der sehr guten Resonanz. Auf der anderen Seite aber waren damals mehrere unsere Schulfreunde böse auf uns. Sie haben uns die freundschaftlichen Beziehungen zu den Tschechen vorgeworfen. Wir haben ihnen jedoch klar gesagt: ‚Nach so viel Leid muss mit einer solchen Haltungen Schluss sein‘. Wir haben im Geiste von Adalbert Stifter gehandelt. Ich habe damals gesagt, würde er noch leben, würde er das Ganze mit uns aufbauen. In diesem Sinne haben wir dann weiter gearbeitet.“

Karl Suchy (Foto: Martina Schneibergová)
Stammen Sie direkt von hier, aus der Umgebung von St. Maurenzen?

„Ich stamme direkt von hier. Ich habe diesmal eine Kopie eines Matrikelauszuges von 1681 mitgebracht: 33 Jahren nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten meine Urahnen hier schon.“

Sie haben vor ein paar Jahren auch einen Bildband über St. Maurenzen herausgegeben. Hat dieses Buch auch dazu beigetragen, dass die Kirche bekannter geworden ist?

„Ja, schon. Wir haben damals nur 200 Stück gedruckt und haben zuvor sehr viel Arbeit investiert. An der Entstehung des Bildbands beteiligten sich die besten Fotografen, die wir auftreiben konnten. Wir haben gesagt, dass wir den Band nachdrucken müssen. Aber ich bin schon 86 Jahre alt und kann es nicht mehr machen.“

Hans-Hermann Kaiser (Foto: Martina Schneibergová)
Herr Kaiser, Sie nehmen mit Ihrer Frau an diesem Treffen und dem Festgottesdienst teil, die anlässlich des 25. Gründungstags des Fördervereins stattfinden. Seit wann sind Sie mit dabei?

„Wir haben 2014 den Förderkreis von Karl Suchy übernommen und sind jetzt das dritte Jahr dabei. Wir sind mit der Arbeit im Verein sehr zufrieden. Man könnte sagen, dass es der schönste ‚Nebenjob‘ ist, den man haben kann. Es macht uns wirklich Spaß. Man sieht es heute an der Resonanz, wie voll die Kirche war, wie alle mitgehen, wie alle nicht still, sondern fröhlich dabei sitzen. Der hiesige Pater Tomas van Zavrel trägt viel dazu bei, dass sich die Menschen öffnen. Wir sind ein tolles Team, und das macht sehr viel aus. Wir verstehen uns untereinander recht gut und ergänzen uns gegenseitig.“

Wir oft kommen Sie nach St. Maurenzen?

Kirche St. Maurenzen (Foto: Martina Schneibergová)
„Wir kommen mindestens einmal im Monat. Ansonsten kommen unsere tschechischen Freunde zu uns. Wir wohnen in Bodenmais, was nicht so weit liegt. Wir sind ständig in Verbindung.“

Planen Sie die Veranstaltungen gemeinsam mit den tschechischen Freunden von St. Maurenzen?

„Ja, jedenfalls die gemeinsamen Gottesdienste. Der heutige Gottesdienst wurde mehr von deutscher Seite geplant und getragen, auch was die Musik betrifft. Sonst gibt es verschiedene moderne Veranstaltungen, die Lukáš Milota mit einer Gruppe tschechischer Freunde von St. Maurenzen organisiert. Aber es ist immer ein Miteinander, und das ist das Schöne daran. Der Titel des Buchs von Herrn Suchy lautet ‚St. Maurenzen. Brücke Bayern – Böhmen‘. Und genauso sehen wir das.“

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