In der Böhmerwaldkirche St. Maurenzen fand tschechisch-deutsches Wallfahrtsfest statt

St. Maurenzen Kirche

Die Kirche St. Maurenzen gilt als die zweitälteste Kirche im Böhmerwald. Sie steht auf einem Hügel oberhalb der Gemeinde Annín / Annatal. Am Samstag fand in der Kirche St. Maurenzen ein tschechisch-deutsches Wallfahrtsfest statt.

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Die ursprünglich romanische Kirche war am Samstagnachmittag voll von Pilgern aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Der Sakralbau mit dem angrenzenden Friedhof wurde während der kommunistischen Zeit seinem Schicksal überlassen und war sehr heruntergekommen. Nach der Wende von 1989 wurde das Baudenkmal dank der Initiative ehemaliger deutscher Bewohner aus der Region gerettet. Um die Kirche kümmern sich in der Gegenwart zwei Vereine von beiden Seiten der Grenze: der Förderkreis zur Rettung von St. Maurenzen und  der tschechische Verein „Přátelé Mouřence“ (Freunde von St. Maurenzen). Dank dem tschechischen Verband wurde der Ort wieder belebt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es werden dort regelmäßig Führungen sowie Konzerte und Vorträge organisiert.

„Es sei eine große Freude, so viele Menschen im St. Maurenzen begrüßen zu können, darunter auch zahlreiche tschechische Freunde,“ sagte zu Beginn des Gottesdienstes einer der Vereinsmitglieder. Auch die Vorsitzende des Förderkreises, Margrit Kaiser, zeigte sich über die vielen Besucher der Wallfahrtsmesse erfreut. Priester Jan Kulhánek sagte einleitend:

Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

„Als ich in die Kirche kam, hatte ich anfangs den Eindruck, dass alle allzu ernst sind. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass bei einer Feier Freude nicht fehlen darf, ganz gleich ob es sich um ein profanes Fest oder ein Kirchenfest handelt.“

Für die musikalische Begleitung sorgte die Familienmusik Maurer aus Arnetsried. Zum Abschluss des Gottesdienstes stellte Pfarrer Kulhánek fest:

„Es ist immer etwas Neues bei den gemeinsamen Wallfahrtsfesten. Ich bin sehr froh, dass Sie in einer so großen Zahl hierhergekommen sind, um zusammen zu feiern. Und nicht zuletzt danke ich all denjenigen, die das Fest vorbereitet haben und sich um diese Kirche kümmern.“

Renate Roither | Foto: Martina Schneibergová,  Radio Prague International

Zum Wallfahrtsfest ist auch Renate Roither gekommen. Sie ist die Tochter des letzten Gutsbesitzers vom naheliegenden Palvínov. Heute lebt sie in Österreich, kommt aber immer wieder in den Böhmerwald zu Besuch.

Frau Roither, nach wie langer Zeit sind Sie wieder nach St. Maurenzen gekommen?

„In St. Maurenzen war ich schon lange nicht mehr. Aber in der Zwischenzeit habe ich Vatětice (naheliegender Ort, der auch zum Gut des Vaters von Renate Roither gehörte, Anm. d. Red.) besucht. Herr Vinčálek hat dort eine wunderschöne Kapelle erbaut. Er hat mich (zur dortigen Wallfahrt, Anm. d. Red.) eingeladen, also bin ich wieder hingefahren. Es ist schade, dass zwischen den beiden Veranstaltungen eine Woche liegt. Ich kann aus familiären Gründen nicht eine Woche im Böhmerwald bleiben, was ich sehr gern täte.“

Zur Kirche St. Maurenzen haben Sie aber eine besondere Beziehung, wie Sie Mal erzählten…

„Wir hatten das Gut in Palvínov und hatten das Patronat über St. Maurenzen. Hinten haben wir unsere Familiengruft.“

Wie alt waren Sie damals, als Ihre Familie vertrieben wurde?

„Ich war damals zwei Jahre alt. Meine Eltern haben jedoch ihr ganzes Leben darüber gesprochen. Es gab keinen Tag, an dem nicht über den Böhmerwald gesprochen wurde. Ich kenne hier jeden Stein. Das hat mich einfach geprägt. Die Heimatliebe ist da.“

16
49.17210583056699
13.507808228999153
default
49.17210583056699
13.507808228999153