Gesund oder lecker? Gute Ernährung wird den Tschechen immer wichtiger

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Die steigende Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln motiviert die Hersteller, die Zusammensetzung ihrer Produkte entsprechend zu ändern.

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Fit und in Form sein. Das ist ein Motto, nach dem sich immer mehr Tschechinnen und Tschechen richten wollen. Sie geben gesundem Essen den Vorzug vor den schmackhaften Gerichten. Die Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln steigt, also jenen mit einem geringeren Inhalt von Salz, Zucker oder Fett. Einige große Firmen haben auf den Wunsch ihrer Kunden bereits reagiert und die Zusammensetzung ihrer Produkte verändert. So hat etwa das Unternehmen Emco den Zuckeranteil in seinem Müsli reduziert, sagt Produktmanager Jaromír Urbanec:

„Wir waren mit viel Kritik an dem Zuckergehalt konfrontiert und haben eine ziemlich radikale Lösung getroffen. Wir brachten ein Produkt, das überhaupt keinen Zucker enthält. Er wurde durch Ballaststoff aus der Wurzelzichorie ersetzt.“

Einen ähnlichen Weg ist auch die Firma Nestlé gegangen. Vít Klofát ist für das Marketing verantwortlich:

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„In den Frühstückscerealien gibt es nun 50 Prozent weniger Zucker. Für mich ist aber noch wichtiger, dass sie 91 Prozent Vollkornhafermehl enthalten. Dabei ist es nicht einfach, den entsprechenden Geschmack beizubehalten.“

Dem Trend zum gesunden Lebensstil folgen aber nicht alle Verbraucher. Tomáš Maier von der Technischen Agraruniversität in Prag verweist darauf, dass für einen großen Teil der Kunden der Preis an erster Stelle stehe:

„Die oberen 10.000 Kunden fragen nach gesunden Lebensmitteln, aber für die untere eine Million Menschen ist der Preis entscheidend. Allgemein gesagt, und ich meine es positiv: Die großen Lebensmittelfirmen ändern heutzutage die Zusammensetzung, um vor den Verbrauchern einen besseren Eindruck zu machen. Sie tun es natürlich vor allem aus Marketinggründen.“

Miroslav Koberna (Foto: Archiv der Lebensmittelkammer)

Viele Inhaltsstoffe – wie Zucker, Salz und Fett – dienen gleichzeitig auch als Konservierungsmittel. Miroslav Koberna von der Lebensmittelkammer verweist auf eine Tücke des Trends. Durch die Reduzierung ihres Inhalts werde die Qualität der Lebensmittel gefährdet:

„Für die Lebensmittelproduzenten ist es kein Problem, einen Artikel ohne alle Zusatzstoffe herzustellen. Das Problem beruht aber darin, was damit zu Hause passiert. Es ist ein Produkt ohne Konservierungsmittel. Was passiert damit, wenn es eine Woche lang im Kühlschrank gelagert wird? Bleibt es sicher zum Verzehr? Das macht auch den Hygienikern Sorgen.“

Die EU-Gesetze ermöglichen eine Änderung der Information auf der Verpackung erst dann, wenn es zu einer markanten Reduzierung einer Komponente kommt, meistens um 30 Prozent. Solche Veränderungen wirken sich aber auch im Geschmack aus. Die Produzenten modifizieren daher die Zusammensetzung lieber schrittweise – damit sich die Verbraucher an den neuen Geschmack gewöhnen.