Gute Erträge bei diesjähriger Hopfenernte

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Sommerzeit, Hopfenzeit. Fleißige Pflücker ernten dieser Tage in Tschechien auf über 6000 Hektar Land den rauhblättrigen Hopfen von Stangen und Drähten. Das Hanfgewächs, das Bier Geschmack und Haltbarkeit verleiht, soll diese Saison bessere Erträge als im vergangenen Jahr liefern. Mehr zum Thema von Daniel Satra.

Mehrere Hitzeperioden und mangelnde Niederschläge ließen tschechische Hopfenbauern vergangenes Jahr die schwächste Ernte seit dem Zweiten Weltkrieg einfahren. Doch widriges Wetter ist nicht das einzige Problem mit dem Hopfen. Seit Änderung des Schul- und Hochschulgesetzes zu Beginn der 90er Jahre bleiben Schüler und Studenten der Ernte als so genannte brigadníci immer öfter fern. Längst vorbei die Zeit, in der billige Erntehelfer bis zu drei Wochen Hopfen pflückten anstatt die Schulbank zu drücken. Der Mangel an billigen Hilfsarbeitern stellt heute ein Problem dar, so Jirí Koren, Direktor des Hopfen-Instituts in Zatec. Er meint:

"Eine Woche freiwillige Arbeit zu leisten, sollte sich wieder durchsetzen. Ich glaube, dass dies zur Zufriedenheit sowohl der Hopfenbauern als auch der freiwilligen Erntehelfer beitragen würde. Besonders die Erntehelfer lernen wieder ein anders Leben und andere Verdienstmöglichkeiten kennen".

Die Situation auf dem tschechischen Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark gewandelt, auch was Aushilfsarbeiten betrifft, sagt Koren. Besonders hinsichtlich der Stundensätze, die in anderen Branchen für Aushilfskräfte gezahlt werden, gerät der Hopfen ins Hintertreffen. Immer mehr junge Tschechen nutzen ihre Ferienzeit, um auf Ibiza zu kellnern oder an der Costa Brava Flugblätter für Discos zu verteilen. Rauf auf die Insel, ran an den Strand - und nicht etwa im böhmischen Hinterland in den Hopfen, so das jugendliche Aushilfscredo. Auf diese Entwicklung werden auch die Hopfenbauern reagieren und ihre Sätze erhöhen müssen, betont Koren. Bisher, so berichtet die Tageszeitung Mf dnes, weiß man sich mit Arbeitskräften aus der Slowakei und der Ukraine zu behelfen. Bezahlt wird bei der Hopfenernte pro Stunde, zusätzlich erhalten die Erntehelfer einen Bonus je nach erbrachter Leistung. Fleißige Pflücker verdienen mehr.

"Noch bis vor einigen Jahren fußte die tschechische Hopfenwirtschaft allein auf dem Saazer rotem Hopfen. Seit 1996/97 gibt es Nebenarten, so genannte Hybride. Dabei handelt es sich um aromatische Hopfenarten, die im Geschmack bitterer sind".

Der weltweite Trend hat sich geändert, erklärt Koren. Es werden immer mehr bittere Hopfenarten nachgefragt. Auch bei tschechischen Brauereien ist die Nachfrage nach der billigeren Importware gestiegen. Und das obwohl der Tscheche vor allem Lagerbier gewohnt ist, den so genannten Lezák. Dieser hat einen hohen Anteil an tschechischem Hopfen, beim Budweiser Budvar heißt das sogar 100 Prozent. Das Pilsener Urquell bringt es auf immerhin 80 Prozent. Bei anderen tschechischen Bierbrauern liegt der Anteil des Importhopfens der bitteren Art im Schnitt bei 70 Prozent. Nur die verbleibenden 30 Prozent sind Hopfen aus Saaz. Je mehr Importhopfen, desto billiger auch das Bier, erklärt Koren diese einfache Rechnung.

"Unsere Aufgabe besteht heute daher darin, den Anbau der Nebenarten in Tschechien weiter zu forcieren, um den Bedarf der hiesigen Brauereien abzudecken und den heimischen Markt besser bedienen zu können".

18 Millionen Hektoliter Gerstensaft fließen pro Jahr tschechische Kehlen hinunter, weit weniger als bei den europäischen Nachbarn im Westen. Zwar ist die Tschechische Republik mit 159 Litern Bier-Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr Weltspitze. Dennoch: Trotz traditionell großem Bierdurst, das Land ist klein. Der tschechische Biertrinker sei einfach kein entscheidender Faktor auf dem Weltmarkt, sagt Koren.

Noch bis Mitte September dauert die Hopfenernte in Tschechien an. Und die Ergebnisse können sich nach den Defiziten im vergangenen Jahr wieder sehen lassen. Eine leicht überdurchschnittliche Ernte mit einem Ertrag von etwas über einer Tonne Hopfen pro Hektar, so Koren.

Bei 6000 Hektar bedeutet das mindestens 6000 Tonnen Hopfen, etwa 1100 Tonnen mehr als im Vorjahr.