„Gute Wissenschaftler wandern über Grenzen“ – zweite Runde der Prager Gespräche

Václav Pačes

Den Dialog in Mitteleuropa zu beleben – das ist das Ziel der Prager Gespräche, einer Reihe des Österreichischen Kulturforums in Prag. Nach der Auftaktveranstaltung mit Philosoph Konrad Paul Liessmann stand die zweite Runde im Zeichen der Naturwissenschaft. Eingeladen waren die Biochemiker Gottfried Schatz und Václav Pačes. Corinna Anton hat mit ihnen über den wissenschaftlichen Austausch in Mitteleuropa gesprochen.

Václav Pačes
Tschechische Forscher arbeiteten heute zwar mit Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zusammen, sagt der Biochemiker Václav Pačes. Am engsten jedoch sei die Zusammenarbeit mit den direkten Nachbarn.

„Mit den Kollegen aus der Slowakei, aber auch mit unseren Kollegen aus Österreich arbeiten wir ausgezeichnet zusammen. Es gibt in Österreich zum Beispiel das Institut für Molekularbiologie oder das biotechnologische Institut, wo im Moment die Besten auf diesen Gebieten arbeiten. Zu ihnen pflegen wir sehr enge Beziehungen.“

Dies gelte auch für die Max Planck-Institute in Deutschland, so Pačes weiter. Er ist der Vorsitzende der tschechischen Gelehrtengesellschaft. Bis 2009 war er als Vorsitzender der Akademie der Wissenschaften unter anderem für die internationale Kooperation zuständig:

Max-Planck-Institut in Berlin  (Foto: Institutsarchiv)
„Die Zusammenarbeit mit Österreich und Deutschland entwickelt sich wunderbar. Wenn wir zum Beispiel über etwas diskutieren wollen, oder aber wenn wir ein spezielles Material brauchen, setzen wir uns heute einfach ins Auto und fahren noch am selben Tag nach Wien, München oder Heidelberg.“

Zum wissenschaftlichen Dialog gehört aber nicht nur der Austausch von Materialien, Erfahrungen und Wissen – sondern auch der konkrete Austausch von jungen Wissenschaftlern. Dazu Gottfried Schatz:

„Was wir tun sollten ist, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, möglichst früh irgendwo anders hinzugehen, um eine breite Sicht der Wissenschaft aber auch der Welt zu gewinnen.“

Gottfried Schatz  (Foto: Creative Commons 3.0)
Schatz selbst ist das beste Beispiel dafür: 1936 in Österreich geboren, studierte und forschte er unter anderem in Graz und Wien sowie in den USA und an der Universität in Basel.

„Wenn Wissenschaftler gut sind – das heißt, dass sie mutig sind – dann wandern sie über die Grenzen dorthin, wo es die beste Wissenschaft gibt, um zu arbeiten, auch wenn die Bezahlung miserabel sein sollte.“

Auch sein Kollege Pačes hat im Ausland geforscht. Er war in den USA, in Kanada, Spanien, Japan und Italien. Die Bedingungen für die Wissenschaft in Tschechien kann er deswegen im internationalen Vergleich beurteilen:

„Tschechien gehört immer noch zum ärmeren Teil Europas und das wirkt sich auch auf die Wissenschaft aus. Es wird nicht so viel Geld investiert wie zum Beispiel in Deutschland oder Österreich.“

Die finanziellen Mittel, die zur Verfügung stehen, würden deshalb auf die Disziplinen konzentriert, in denen es die besten Perspektiven gebe und eine erfolgreiche Tradition. Dazu gehört laut Pačes vor allem seine eigene Disziplin, die Chemie:

„Zum Beispiel der Erfinder der modernen Kontaktlinsen, Otto Wichterle, ist der Vater der tschechischen Polymerchemie und auch einer der Begründer der Polymerchemie weltweit. Unser einziger Nobelpreisträger für Wissenschaft, Jaroslav Heyrovský, war Physikochemiker. Ich meine also schon, dass Tschechien im Bereich der Chemie weltweit von Bedeutung ist.“