Im Briefkasten: „Die Weltlage macht das Hören der Auslandsstationen interessanter“
Unter anderem um die tschechische Sprache, aber auch um die Nachkriegsgeschichte in der Tschechoslowakei geht es im heutigen Hörerforum.
Testen Sie zunächst mit unserer Quiz-Frage Ihr Wissen über die Tschechische Republik:
Der Prager Flughafen erlebt derzeit einen Boom. Von dem Airport gibt es Direktverbindung zu über 170 Zielen in der Welt. Nach welchem Politiker ist der Flughafen im Stadtteil Ruzyně benannt?
ZUM THEMA
Ihre Antworten schicken Sie bitte bis Ende dieses Monats an wettbewerb@radio.cz.
Die richtige Antwort aus dem Vormonat lautet: 80 Jahre. Vor so vielen Jahren ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen.
Unter den Gewinnern eines Sachpreises ist auch Bernhard Kecht aus Deutschland. Herzlichen Glückwunsch!
Und nun zitieren wir aus Ihren Zuschriften, liebe Hörerinnen und Hörer.
Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus bedankt sich für die Sendungen von Radio Prag International und fügt hinzu, die Weltlage mit ihren seltsamen Nachrichten mache das Hören der Auslandsstationen interessanter. Er ist aber nicht nur unser Hörer, sondern auch einer unserer Facebook-Fans:
„Vielen Dank auch für Ihre Nachrichten, die Sie auf Facebook einstellen. Das ist sehr unterhaltsam und regt mich an, öfters in die Sendungen herein zu hören oder die Webseite zu besuchen. Besonders schön finde ich die Wochenzusammenfassung mit den drei wichtigsten Beiträgen. Ich weiß, dass solche Facebook-Nachrichten eine Menge Arbeit machen. Vielen Dank für Ihre Mühe.“
Neben der täglichen Informationsflut über die sozialen Netzwerke sei für ihn das Radio eine ausreichende Informationsquelle, schreibt unser Hörer weiter:
„Gerade, wenn diese noch über die analoge und lineare Weise zu mir kommt. Wohltuend sind da die Sendungen vom Tschechischen Rundfunk. Eine schöne Mischung aus Politik, Kultur und Gesellschaft.“
Aus dem Programm von Radio Prag International hebt Lutz Winkler diesmal den Beitrag über den Alkoholkonsum in Tschechien hervor. Er finde die Informationen erschreckend, merkt er an:
„Ich möchte nicht behaupten, dass es in Deutschland so wesentlich anders aussieht. Ich sehe aber, dass die jungen Menschen immer weniger Alkohol trinken. Immer noch ist dies ein Makel, es gibt aber mittlerweile viele Alternativen: von alkoholfreiem Wein und Bier bis zu alkoholfreiem Gin. Wir organisieren in der Familie ein großes Ostertreffen mit allen Kindern und Enkelkindern. Dieses Jahr treffen wir uns in der fränkischen Schweiz. Traditionell wird am Ostersonntag Essen gegangen. Dieses Jahr haben wir uns ein Gasthaus ausgesucht, welches nur alkoholfreie Getränke ausschenkt und vegetarisches und veganes Essen anbietet. Ich bin wirklich gespannt, wie das schmeckt, die Speisekarte sah schon sehr verführerisch aus.“
Červánky und červánek
Kai Weber aus Kirchentellinsfurt ist für Fremdsprachenlernen begeistert:
„Ihr Sprachkurs ‚Tschechisch gesagt‘ ist immer ein Höhepunkt meiner Radiowoche. Die Folge vom 28.03. hat mich ganz besonders erfreut, denn es kam darin mein tschechisches Lieblingswort červánky vor. Ich hoffe, dass ich mich nicht irre und man dieses Wort auch als červánek im Singular verwenden kann, wobei es dann eine einzelne rot gefärbte Wolke bezeichnet. Jedenfalls verwende ich dieses Wort immer gerne, wenn ich Leute mit einem anschaulichen Beispiel vom generellen Nutzen des Lernens von Fremdsprachen überzeugen möchte. Als deutscher Muttersprachler sah ich immer nur Abend- und Morgenrot im ganzen Himmel. Seit ich červánek gelernt habe, nehme ich nun beim Betrachten der entsprechenden Dämmerungsphänomene auch einzelne Wolken wahr. Da andere Sprachen die Welt anders einteilen als die eigene Muttersprache, bringt das Erlernen fremder Sprachen stets echte Bewusstseinserweiterungen mit sich. Den červánek-Effekt konnte ich übrigens später auch noch einmal beim Chinesischlernen verstärken, denn dort gibt es ebenfalls ein Wort für rosarote Wolken.“
Vielen Dank für Ihren Beitrag, Herr Weber, und für den Enthusiasmus, mit dem Sie sich für die tschechische Sprache interessieren. Ich hoffe, dass ich Sie mit der Antwort nun nicht enttäusche. Denn nach den Regelwerken und Lexika des Instituts für die tschechische Sprache kommt das Wort červánky im Tschechischen nur als das sogenannte Pluraletantum vor. Das heißt, es handelt sich um ein Substantiv, das ausschließlich im Plural gebräuchlich ist, auch wenn es ein Einzelstück bezeichnet. So gibt es etwa sowohl für eine Hose als auch für mehrere Hosen nur eine einzige Form: kalhoty. In manchen älteren Lexika wird červánek im Singular aufgeführt, der Eintrag ist allerdings mit einem Sternchen versehen, das ein veraltetes Wort kennzeichnet. In der Fachzeitschrift Naše řeč aus dem Jahr 2011 steht in einem Artikel zur Problematik von Pluraliatantum:
„Bei einigen Nomen dieses Typs wurde der Singular früher in demselben Sinne verwendet wie bei der Bezeichnung der Mehrzahl, aber im Laufe der Zeit ist seine Verwendung spärlich geworden und heute verschwunden (červánek, memoár, ovace).“
Herr Weber, versuchen Sie also, das Singularwort červánek möglichst oft zu verwenden! Möglicherweise erzielen Sie, dass es einmal in die Standardsprache zurückgebracht wird.
Bei Dieter Feltes aus Pyrbaum haben wir mit unserem Bericht über die Leberverpflanzung im Ikem-Klinikum in Prag Interesse geweckt:
ZUM THEMA
„Ja, ich kann mir vorstellen, dass eine solche Operation nicht einfach ist und dass von den Ärzten viel Wissen und Geschick abverlangt wird. Leider gibt es auch bei uns immer weniger Personen, die bereit sind, zu Lebzeiten Organe zu spenden.“
Martina Pohl aus Überlingen erwähnt in ihrer Zuschrift unter anderem die Serie „Das Kriegsende in der Tschechoslowakei“.
„Es zeigt ein grauenvolles Stück Geschichte mit allen dadurch resultierenden Folgen auf. Vielleicht werde ich jetzt anfangen, ein Buch zu lesen, das bei uns schon länger im Regal steht. Es trägt den Titel ‚Winter in Prag. Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg‘ von Madeleine Albright, die als Madlenka Korbelová in Prag geboren wurde. Dieses Buch wurde auch schon vor über zwei Jahren in einem Beitrag von Eurer Redaktion abgebildet. Interessant fand ich unter anderem auch den Beitrag über den Streifzug durch die Wappen tschechischer Städte.“
Wer ist Deutscher und wer ist Tscheche?
Ronald Fruß wohnt in Dresden und liest regelmäßig Artikel von Radio Prag International zur Geschichte.
„Mein Vater und mein Großvater wurden in Schluckenau geboren, mein Urgroßvater in dem kleinen Dorf Březinka bei Bělá pod Bezdězem. Seit ca. 20 Jahren erforsche ich die Geschichte meiner Familie und habe dabei auch sehr liebe entfernte Verwandte in Tschechien gefunden. Leider gibt es in meiner Familie niemanden mehr, der persönlich berichten kann. In Gesprächen in Deutschland hört man auch heute dazu noch oft die Aussage, ‚das war ja mal alles deutsch‘ (also deutsches Gebiet), was ja so definitiv falsch ist. Ein Teil derer mit unserem Familienamen, die aus dem gleichen Haus in Březinka stammen, wurden ausgewiesen und wohnen heute in Deutschland, der andere Teil wohnt heute noch in Tschechien. Diejenigen, die heute noch in Tschechien wohnen, haben auch nicht berichtet, dass die Vorfahren 1945 bleiben mussten, weil sie gebraucht wurden. In den Geburtsbüchern, in denen ich recherchiert habe, habe ich keine Einträge zur Nationalität gefunden. Wo und wann wurde festgelegt wer Deutscher und wer Tscheche ist? Haben die Bewohner damals sich selbst entscheiden können/müssen oder von wem wurde es festgelegt?“
Die Nationalität wurde und wird bis heute bei Volkszählungen erhoben, die ungefähr alle zehn Jahre organisiert werden. Demzufolge bekannten sich 1921 insgesamt 3.123.568 Bürgerinnen und Bürger in der Tschechoslowakei zur deutschen Volkszugehörigkeit. 1930 waren es dann 3.231.688 Bürgerinnen und Bürger. Bei der Befragung gab es damals eine Anweisung, dass die Volkszugehörigkeit in der Regel entsprechend der Muttersprache erfasst werden sollte. Die deutsche Bevölkerung lebte hauptsächlich in den Grenzgebieten, die 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen wurden. Ihre Einwohner erhielten somit automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach der Wiederentstehung der Tschechoslowakei 1945 erhielten jene Sudetendeutschen, die sich bei der Volkszählung von 1930 zur deutschen Nationalität bekannt hatten, beziehungsweise auch deren Nachkommen, die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft nicht mehr zurück. Es gab auch Ausnahmen, was Deutsche betraf, die belegen konnten, sich aktiv am Kampf gegen den Nationalsozialismus beteiligt zu haben, die in gemischten Ehen lebten, beziehungsweise – wie sie schreiben – „gebraucht wurden“. Insgesamt rund 300.000 Menschen deutscher Nationalität konnten in der Tschechoslowakei bleiben.
Helmut Matt aus Herbolzheim hört die Sendungen von Radio Prag International nicht nur Online, sondern oft auch über Astra 3B. Er machte uns auf einen Tippfehler in den Angaben zu dieser Empfangsmöglichkeit auf unserer Internetseite aufmerksam. Wir bedanken uns dafür. Die Internetredaktion wird diesen Fehler alsbald beheben. Helmut Matt schreibt weiter:
„Eure Sendungen sind weiterhin sehr professionell und spannend gemacht und es macht Spaß, regelmäßig zuzuhören. Ich freue mich sehr, dass Radio Prag in deutscher Sprache weiterhin täglich zu empfangen ist. Ich habe übrigens im vergangenen Jahr ein weiteres Buch veröffentlicht, in dem meinen beiden Besuchen in der tschechischen Hauptstadt und bei Radio Prag ein langes Kapitel gewidmet ist. Es ist mein 16. Buch (inzwischen sind es bereits 17): ‚Radio - Klang der Welt‘ mit Untertitel ‚Wellen, die verbinden‘. Gern schicke ich Ihnen, falls Sie das lesen möchten, das Kapitel über Prag zu.“
Und das war’s für heute. Schreiben Sie uns bitte weiter an Radio Prag International, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Oder per E-Mail an deutsch@radio.cz.