„Kein Tag ist diesem Tage gleich, in Olmütz ist heut‘ Österreich“ – Ausstellung über Franz Joseph I.

Kaiser Franz Joseph I. (Foto: Martina Schneibergová)

Olomouc / Olmütz war bis zum 17. Jahrhundert das historische Zentrum Mährens. In den Revolutionsjahren 1848 und 1849 verwandelte sich die Stadt für ein halbes Jahr auch in den Sitz der kaiserlichen Familie. Diese Zeit sowie die Beziehung von Kaiser Franz Joseph I. zu Olmütz sind das Thema einer Ausstellung, die im dortigen Landeskundlichen Museum zu sehen ist. In der ersten Ausgabe des Reiselands Tschechien in diesem Jahr haben wir Sie in das Museum eingeladen und versprochen, die Führung durch die Schau fortzusetzen.

Markéta Doláková (Foto: Martina Schneibergová))
Die Ausstellung im Landeskundlichen Museum wurde Ende des vergangenen Jahres anlässlich des 100. Todestags von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Der Kaiser hat Olmütz mehrmals besucht. Bis auf die ersten zwei Male sei der Herrscher immer im Erzbischöflichen Palais untergebracht worden, erzählt Markéta Doláková. Sie ist Kuratorin der Ausstellung.

„Es sind die Gästelisten der Stadt erhalten, in denen verzeichnet ist, wo der Kaiser und seine Begleiter genau wohnten. Das Verzeichnis, das wir hier ausstellen, stammt von 1851. Erwähnt wird dort auch der russische Zar, der damals in der Stadt weilte. Am häufigsten war der Kaiser zu Gast bei Erzbischof Fürstenberg, dessen Portrait ebenfalls zu den Exponaten gehört.“

Foto: Martina Schneibergová
Franz Joseph I. ging während seiner Aufenthalte gerne in das Olmützer Stadttheater. Doch beim ersten Besuch konnte der damals 14-jährige künftige Thronfolger noch kein Gefallen an den Bühnendarstellungen finden. Die Kuratorin:

„Wenn der Kaiser bedeutenden Besuch in der Stadt empfing, dann brachte er Schauspieler und Sänger vom Wiener Hoftheater und von der Wiener Hofoper nach Olmütz. Aus den Dokumenten wissen wir, dass die Proben einen Tag vor der Vorstellung kostenlos zugänglich waren.“

Der Kaiser als begabter Zeichner

Foto: Martina Schneibergová
Ein Teil der Ausstellung trägt den Titel „Matura vor dem Kaiser“. Im August 1872 hielt sich der Herrscher erneut einige Tage lang in Olmütz auf. Er besuchte damals mehrere Institutionen, darunter auch das Slawische Gymnasium, an dem erstmals Abiturprüfungen stattfanden.

„Gemeinsam mit dem Gymnasium in Brünn war es die älteste Mittelschule mit tschechischer Unterrichtssprache in Mähren. Gegründet wurde sie 1866. Vier Schüler des Gymnasiums mussten damals ihre Kenntnisse bei der Reifeprüfung nicht nur vor der Kommission, sondern auch vor dem Kaiser beweisen. Wir zeigen hier das Zeugnis von Jan Vařeka, einem der vier Schüler. Auf dem Zeugnis steht, dass er eine eins in der Geschichte sowie der Geographie bekam. Es gibt da eine Bemerkung, dass das Abitur in Anwesenheit des Kaisers abgelegt wurde.

Kinderzeichnung von Franz Joseph I. (Foto: Martina Schneibergová)
Die Ausstellung zeigt auch, wie Franz Joseph I. erzogen und ausgebildet wurde. Dabei wird an seine Erzieherin Baronin Louise von Sturmfelder erinnert. Sie brachte ihm bis zu dessen sechsten Lebensjahr Lesen und Schreiben bei. Ab dem sechsten Lebensjahr übernahmen Männer die Bildung und Erziehung des jungen Erzherzogs. Der Unterricht umfasste zu dem Zeitpunkt 13 bis 18 Stunden wöchentlich. Mit zwölf Jahren lag der Unterricht bereits bei 45 bis 50 Wochenstunden. Zu den Exponaten gehören auch Kinderzeichnungen des künftigen Kaisers. Die Kuratorin:

„Sie stammen aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Über Franz Joseph I. wird erzählt, dass er angeblich keine sonderliche Beziehung zur Kunst hatte. Die Bilder beweisen jedoch, dass er ein sehr begabter Zeichner war. Viele seiner Zeichnungen befinden sich in der Nationalbibliothek in Wien. Die Zeichnungen von seiner Dalmatien-Reise wurden sogar als Lithographien herausgegeben.“

Olmütz festlich beleuchtet

Foto: Martina Schneibergová
1880 kam Kaiser Franz Joseph I. nach Olmütz, um vor allem an den Festungsmanövern teilzunehmen. Damals begrüßte Bürgermeister Joseph von Engel den Monarchen auf dem Bahnhof mit den Worten: „Kein Tag ist diesem Tage gleich, in Olmütz ist heut‘ Österreich“. Markéta Doláková:

„So lautet auch der Untertitel unserer Ausstellung, denn die Worte beschreiben sehr genau die damalige Atmosphäre. An der Begrüßung nahmen viele hoch gestellte Persönlichkeiten der Stadt teil. Aus der Tagespresse wissen wir, wie sich Olmütz auf die Visite des Kaisers vorbereitete. Auf den Fotos sind drei große festliche Bögen zu sehen, die auf dem Weg vom Bahnhof ins Stadtzentrum errichtet wurden. Auf einer der Fotografien ist zu sehen, wie das Haus der Bürgerlichen Darlehenskasse geschmückt war. Interessant ist die festliche Beleuchtung der Stadt, die während des Besuchs des Kaisers üblich war.“

Foto: Martina Schneibergová
Die Besucher der Ausstellung können sich von dieser Beleuchtung in einer Dunkelkammer eine Vorstellung machen. An Säulen entlang der Straße leuchteten Gasflammen in Kreuz- und Sternenform. Ein außergewöhnlicher Blick bot sich dem Kaiser vor dem Rathaus auf dem Oberring. Dort kletterten 80 Feuerwehrmänner auf Leitern und Feuerspritzen und schufen ein lebendiges, von bengalischem Feuer beleuchtetes Bild.

Foto mit Kaiser gefällig?

Das Landeskundliche Museum besitzt selbst keine Gegenstände, die dem Kaiser gehört haben. Es werden aber zwei Schreibfedern von ihm gezeigt. Mit der einen trug sich Franz Joseph im Jahr 1880 ins Stammbuch der Stadt ein.

Foto: Martina Schneibergová
„Das Buch mit der Unterschrift ist erhalten. Es wird im Rathaus aufbewahrt. Bis heute setzen namhafte Besucher der Stadt ihre Unterschrift in das Buch. Mit der zweiten Feder trug sich der Kaiser ins Stammbuch des Olmützer Schützenvereins ein.“

Wer Lust hat, kann in der Ausstellung sogar eines der historischen Kostüme aus der Kaiserzeit selbst ausprobieren. Zur Verfügung stehen Damenkleider, Männeranzüge sowie einige Kleider für Kinder. Als Gag kann man sich entsprechend gekleidet mit den Figuren des Kaisers und der Kaiserin fotografieren lassen.


Foto: Martina Schneibergová
Die Ausstellung mit dem Titel „Franz Joseph I. in Olmütz“ läuft noch bis 17. Februar im Landeskundlichen Museum der Stadt. Das Museum ist täglich außer montags und dienstags geöffnet. Die Texte in der Exposition sind zweisprachig: tschechisch und deutsch.

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