Kirchenrestitution: zwei Fälle, zwei unterschiedliche Reaktionen

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag

Der tschechische Staat hat in dieser Woche in zwei Fällen die Rückgabe von enteignetem Kircheneigentum bekanntgegeben. Einmal handelt es sich um Grundstücke am Rand von Prag, die an den Malteser-Ritterorden zurückgehen. Im zweiten Fall aber handelt es sich um eines der wichtigsten Touristenziele des Landes: das Schloss in Kroměříž / Kremsier. Ein Vergleich beider Fälle.

Innenstadt und der Schlossturm (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
Kroměříž ist ein Kleinod in Mähren. Die malerische Innenstadt gipfelt im prunkvollen erzbischöflichen Schloss. Sowohl das Barockgebäude selbst, als auch der Schlosspark sowie der Blumengarten gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Seit kommunistischer Zeit ist die Anlage in staatlichem Besitz. Die katholische Kirche hat aber um die Rückgabe ersucht, das staatliche Denkmalschutzamt hat dem zu einem großen Teil entsprochen. Nur der Blumengarten bleibt in der Hand des Staates, und zwar weil dort mittlerweile Neubauten stehen. Ob das Erzbistum dagegen Einspruch erhebt, war bis zum Mittwoch noch nicht klar. Bei der Stadt Kroměříž sieht man dem Eigentümerwechsel gelassen entgegen. Bürgermeister Jaroslav Němec (Partei Ano):

„Da die Kirche und ihre Geschichte so eng mit der Stadt verknüpft sind, gibt es keine Spannungen und keine negativen Reaktionen. Das Schloss und die Gärten drumherum haben früher immer der Kirche oder dem Erzbistum gehört. Wir haben damit gerechnet, dass es zur Rückgabe kommt.“

Schlossgarten in Kroměříž (Foto: CzechTourism)
Dennoch besteht den Medienberichten nach eine gewisse Unsicherheit darüber, ob die Eintrittspreise nicht erhöht würden. Schließlich ist Schloss Kroměříž ein ausgesprochener Besuchermagnet. Im vergangenen Jahr wollten sich in der Hauptsaison insgesamt 125.000 Menschen die Anlage ansehen. Doch das Olmützer Erzbistum versucht die Bedenken zu zerstreuen. Bistumssprecher Jiří Gračka sagte gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Wir planen keine Änderungen der Besuchsbedingungen oder des öffentlichen Zugangs zu den Objekten. Die Öffentlichkeit wird gar nicht merken, dass der Eigentümer gewechselt hat.“

Prag-Březiněves (Foto: Packa, CC BY-SA 2.5)
Ganz anders hingegen bei den Grundstücken, die einst dem Malteser-Ritterorden gehört haben. Das Prager Liegenschaftsamt, das in diesem Fall zuständig ist, hat dem Antrag des Ordens ebenfalls nicht in vollem Umfang entsprochen. Ursprünglich hatte der Malteser-Ritterorden insgesamt 180 Hektar Grundstücke in den Prager Gemeinden Březiněves und Ďáblice zurückgefordert. Ein Teil der Flächen ist aber entweder in Privatbesitz und bebaut oder wird für den Prager Autobahnring gebraucht. Deswegen hat das Liegenschaftsamt diese Flächen ausgenommen von der Restitution. Doch in Březiněves herrscht Verdruss. Denn auf einem Teil des restituierten Geländes wollte man eine Schule und einen Kindergarten errichten. Das Liegenschaftsamt hat aber gemäß dem Wortlaut des Vertrags über die Kirchenrestitution entschieden. Demnach können nur Verkehrswege und technische Bauten die Rückgabe an die Glaubensgemeinschaften verhindern. Jiří Haramul ist Bürgermeister von Březiněves:

Jiří Haramul (Foto: Archiv des Magistrats der Haupstadt Prag)
„In unserem Fall hat es sich um Eigentum des Priesterkonvents des Malteser-Ritterordens gehandelt, und jetzt plötzlich wird das Eigentum an einen Souveränen Malteser-Ritterorden herausgegeben, der erst 1994 registriert wurde. Da die Rechtsnachfolge nie nachgewiesen wurde, ist dies zumindest merkwürdig.“

Haramul beruft sich dabei auf zwei frühere Gerichtsverfahren um die Grundstücke, die die Malteser verloren haben. Doch das Restitutionsgesetz von 2012 hat augenscheinlich eine neue Rechtslage geschaffen. Ein Vertreter des Ordens deutete im Übrigen an, dass man mit der Gemeinde Březiněves eine Einigung finden wolle.