Klimawandel und Öko-Systeme: Tschechische Wissenschaftler forschen in der Antarktis

Foto: Archivo de la Universidad Masaryk de Brno

Ein Team von Wissenschaftlern aus Tschechien ist am vergangenen Sonntag in die Antarktis aufgebrochen. Es ist bereits die zehnte Expedition dieser Art. Mehr als zwei Monate werden die Forscher auf der James-Ross-Insel verbringen.

Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brünn
Sechs Wissenschaftler von der Masaryk-Universität in Brno / Brünn werden bei günstigem Wetter von der argentinischen Armee auf die James-Ross-Insel gebracht, die am Rand des antarktischen Eismeers liegt. Schon vor zwei Monaten ließen die Forscher rund zwei Tonnen Material mit dem Schiff in die Antarktis transportieren. Das Material wird unter anderem für die Modernisierung der Forschungsstation gebraucht, die die Masaryk-Universität 2005 auf der James-Ross-Insel errichtet hat. Die Station ist nach dem Genetik-Forscher Johann Gregor Mendel benannt. Leiter der Expedition ist der Klimaforscher Pavel Kapler. Über die Ziele der Expedition sagt er:

Pavel Kapler  (Foto: ČT24)
„Die Aufgabe der Expedition ist es, genauso wie in den vergangenen Jahren den Klimawandel auf der Ross-Insel nahe des nördlichen Ausläufers der antarktischen Halbinsel zu erforschen. Zudem untersuchen wir die Auswirkungen des Klimawandels auf die Öko-Systeme, das heißt auf die Entwicklung der Vegetation von Flechten und Moosen. Zudem beobachten wir den Einfluss des Klimawandels bei den Veränderungen an Gletschern.“

Die Mendel-Station gewähre die wissenschaftliche Infrastruktur für bis zu 20 Personen, sagt Pavel Kapler.

Mendel-Station  (Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brünn)
„Die Ausstattung der Station ist auf hohem Niveau. Es handelt sich um eine sehr gut eingerichtete Forschungsstelle mit Labors und den notwendigen Geräten.“

Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind bei der aktuellen Expedition neun Mitglieder weniger vor Ort. Es sei lange unklar gewesen, ob die Forschungen auch weiterhin vom Staat unterstützt würden, erklärt dazu Kapler:

Foto: Archiv der Masaryk-Universität in Brünn
„Deshalb war es notwendig, nur ein kleineres Expeditionsteam zusammenzustellen. Der Regierungsrat für Wissenschaft und Forschung hat aber kurz vor Weihnachten die Unterstützung für die Fortsetzung des Projektes gebilligt. Uns wurden für die kommenden vier Jahre finanzielle Mittel zugesprochen. Wir können also die tschechische Mendel-Station in der Antarktis weiterhin betreiben und sie für die Entwicklung unserer Forschungsaktivitäten auf der südlichen Halbkugel aufrechterhalten.“

Die Forschungsstation dient gleichfalls dazu, in Tschechien entwickelte Technik zu testen. Das Team hat beispielsweise einen neuen Prototyp des Generators für Windkraftanlagen dabei. Der Generator soll imstande sein, auch bei schwachem oder aber sehr starkem Wind elektrische Energie zu produzieren. Die Expedition wird in der Antarktis zudem Anstrichmittel testen, die ansonsten zur Entfernung von Graffiti an Mauern genutzt werden. Die Wissenschaftler sollen feststellen, wie wetterfest diese Anstrichstoffe sind.

James-Ross-Insel  (Foto: Archiv NASA)
Die Kosten für die 2005 errichtete Mendelstation lagen bei rund 50 Millionen Kronen (1,85 Millionen Euro). Die Forscher bewohnen die Station immer nur während des antarktischen Sommers, wenn die Klimabedingungen im Süden der Erde am günstigsten sind.