Leichtathletik: Auch Tschechen dopingverdächtig – Verband wiegelt ab

Illustrationsfoto: Sean Michael Ragan, CC BY 2.0

Der Skandal um schwere Dopingvorwürfe in der Leichtathletik hat Tschechien erreicht. Von den 800 Sportlern mit verdächtigen Blutwerten sollen sieben Prozent dem hiesigen Verband angehören. Doch der Verbandschef will sich erst einmal nicht damit beschäftigen.

Foto: The Sunday Times
Am Montag berichteten britische Medien, dass auch tschechische Leichtathleten in Verdacht stünden. Welche Namen das sind, ist bisher nicht bekannt. Journalisten von ARD und „Sunday Times“ haben eine Liste mit Bluttests von Läufern auswerten lassen aus den Jahren 2001 bis 2012 – über 12.000 Tests von 5000 Sportlern. Die beauftragten australischen Dopingexperten waren geschockt, wie viele der Blutwerte dabei verdächtig sind. Doch der internationale Leichtathletikverband IAAF hatte nichts unternommen in diesen Fällen.

Libor Varhaník (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Ganze 30 Prozent der verdächtigen Blutproben entfallen auf russische Athleten, ihre tschechischen Kollegen rangieren mit sieben Prozent eher unter „ferner liefen“. Die IAAF hat die Enthüllungen mittlerweile als „sensationslüstern“ und „konfus“ bezeichnet. Auch der Chef des tschechischen Verbandes, Libor Varhaník, ist dieser Meinung:

„Was die ARD und die Sunday Times zusammengetragen und veröffentlicht haben, beschädigt drastisch das Bild der Leichtathletik – und das nur auf Grundlage von Spekulationen.“

Varhaník verweist zudem darauf, dass die IAAF ja nicht eingeschritten sei. Das ist jedoch gerade einer der Vorwürfe: Der Weltverband soll die Werte in den meisten Fällen sogar geheim gehalten haben. Wenn dies so geschehen ist, wäre es nicht verwunderlich – auf der Mittelstrecke und in den Ausdauerdisziplinen soll schließlich jeder dritte Medaillengewinner von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften betroffen sein. Dies sind neben den Russen vor allem auch Kenianer. Libor Varhaník aber glaubt, dass sich aus den Blutwerten nicht wirklich etwas herauslesen lasse:

Illustrationsfoto: Sean Michael Ragan, CC BY 2.0
„Die Journalisten schreiben, dass sie an die Ergebnisse von 12.000 Blutproben herangekommen seien, aber von 5000 Athleten. Was heißt das? Dass sie eine Probe pro Athlet hatten oder zweieinhalb? Aus zwei Messungen lässt sich doch gar nichts erkennen.“

Zurückhaltend gibt man sich auch beim tschechischen Antidoping-Ausschuss. Jan Chlumský leitet dort die Kontrollen der Athleten:

„Ich würde nicht von Doping sprechen, bisher handelt es sich nur um verdächtige Blutwerte. Diese können nur dazu führen, dass die Sportler langfristig beobachtet werden. Nur dann lässt sich beurteilen, ob Doping dahintersteht oder nicht. Zwei bis drei Blutwerte können meist nichts klar beweisen, bis auf die ganz abnormalen Werte. Wenn ein paar tschechische Sportler betroffen sind, aber eine ganze Menge russischer, dann lässt sich daraus für uns nichts ableiten.“

Jan Chlumský (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Beim tschechischen Antidoping-Ausschuss wird daher nun erst einmal abgewartet.

„Wir kennen bisher nur einige Äußerungen aus den Medien. Wir warten auf die konkreten Daten, falls sie von der IAAF oder der Weltdopingagentur Wada freigegeben werden. Erst dann können wir uns weiter unterhalten und das bewerten. Die Medienberichte sind äußerst unklar“, so Jan Chlumský.