Minister Kuzvart erteilt Ausnahmegenehmigung für Bau der Autobahn D 8

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Die Fertigstellung der Autobahn D 8 von Prag nach Dresden war lange Zeit nicht in Sicht. Streitpunkt war und ist der 16 Kilometer lange Abschnitt durch das Böhmische Mittelgebirge. Doch seit Donnerstag kam wieder Licht ins Dunkel. Denn da gab Umweltminister Milos Kuzvart in Prag bekannt, dass sein Ressort die zum Bau durch das Landschaftsschutzgebiet erforderliche Ausnahmegenehmigung erteilt habe. Näheres dazu von Lothar Martin.

Die wichtigste Entscheidung für den Bau der D 8 von Prag bis zur deutschen Grenze und in deren Fortsetzung als A 17 bis nach Dresden ist also gefallen. Wie der Minister auf der Prager Pressekonferenz verkündete, sei diese Entscheidung jedoch an die Erfüllung einer Reihe von Auflagen geknüpft. Was ihn und seine Mitarbeiter letztendlich mit dazu bewogen haben könnte, sich für den Bau durch das Böhmische Mittelgebirge zu entscheiden, dazu äußerte sich Milos Kuzvart bereits im Vorfeld der Entscheidung gegenüber Radio Prag:

"Das, was mir sehr große Freude bereitet hat, war die Verhandlung auf der Ebene des Vizepremiers, bei der am 18. Februar dieses Jahres zwei wesentliche Gesichtspunkte konstatiert wurden. Der erste war, dass der Antragsteller für die Ausnahmegenehmigung wieder vorstellig wurde, nachdem er ein Jahr lang alles, was mit Umweltfragen zu tun hat, ignoriert hatte. Die Autobahndirektion erklärte sich dabei bereit, mit den Organen zum Schutz der Natur und Landschaft über die Bedingungen beim Bau der Trasse zu verhandeln, damit eine Erteilung der Ausnahmegenehmigung überhaupt erst möglich wird. Und zufrieden stimmte mich auch der zweite Punkt der Verhandlung vom 18. Februar. Darin verpflichtete sich das Verkehrsministerium eine Konzeption zu erarbeiten, wie man den Schwerlastverkehr von der neuen Autobahn in Nordböhmen weg auf andere Transportträger wie die Eisenbahn, die RoLa, den Container- und den Schiffsverkehr verlagern könnte. Dieses konzeptionelle Herangehen hat bei mir die Hoffnung geweckt, man ist endlich dahinter gekommen, dass es mit einem Autobahnbau und ein bißchen Umweltschutz allein in dieser Frage nicht getan ist."

Gut möglich, dass diese konstruktiven Verhandlungen mit dazu beigetragen haben, das Umweltressort umzustimmen. Umstimmen lassen wollen sich allerdings nicht die Umweltaktivisten, von denen Miroslav Patrik von der Organisation "Deti Zemì" (Kinder der Erde) bereits angekündigt hat, nach dem Erhalt der Begründung für die Erteilung der Ausnahmegenehmigung sofort Berufung gegen diese Entscheidung einzulegen. Damit wolle man - so Patrik - den Autobahnbau zumindest noch drei, vier Jahre hinauszögern.

Die Straßen- und Autobahndirektion des Landes geht jedoch nun davon aus, dass aufgrund dieser Entscheidung Mitte 2001 mit dem Bau des Teilstücks Böhmisches Mittelgebirge begonnen werden kann. Die Autobahn D 8, zur Zeit zu rund 60 Prozent auf ihrer 92 Kilometer langen Trasse in Betrieb bzw. im Bau befindlich, soll dann bis zum Jahr 2005 vollständig fertiggestellt sein.