Mögliche Kontaktstelle für Drogenabhänge in Prager Metrostation Můstek sorgt für Diskussionen

Vestibül unter dem Wenzelsplatz

Der Prager Magistrat hat über die Einrichtung einer Beratungsstelle für suchtkranke Menschen in der Metrostation Můstek im Zentrum der Metropole entschieden. Die Führung des ersten Stadtbezirks ist damit allerdings nicht einverstanden.

Eingang zur U-Bahn-Linie B am Jungmann-Platz | Foto: Paul-Henri Perrain,  Radio Prague International

„Emotional verstehe ich, dass diese Menschen vermutlich in keiner leichten Lage sind. Auf der anderen Seite habe ich mitunter Angst, dass mir etwas zustößt“, sagt die Pragerin Tereza in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Drogenabhängige in der Moldaumetropole können Hilfe bei Kontaktstellen finden. Dort erhalten sie nicht nur Beratung, sondern etwa auch sauberes Injektionsmaterial, damit sich keine Infektionskrankheiten verbreiten. Zudem können gebrauchte Spritzen an den Orten sicher entsorgt werden. Dass eine solche Einrichtung nun auch mitten in der Prager Innenstadt, in der Eingangshalle der Metrostation Můstek, eingerichtet werden könnte, findet Tereza gut.

„Ich denke, dass das die Lage verbessern könnte. Denn ich gehe davon aus, dass dort Leute anwesend sein werden, die sich mit solchen Fällen auskennen. Wenn die betroffenen Menschen Hilfe erhalten, ist das nur gut.“

Terezie Radoměřská | Foto: Klára Škodová,  Tschechischer Rundfunk

Nicht alle sind jedoch mit der Einrichtung des neuen Drogenzentrums einverstanden, die der Prager Magistrat bereits im Januar beschlossen hat. Aus dem ersten Stadtbezirk kommt deutlicher Widerstand. Stadtteilbürgermeisterin Terezie Radoměřská (Top 09) sagt:

„Das Stadtzentrum darf nicht derart belastet werden. Der konkrete Ort, über den gesprochen wird, befindet sich unterhalb des Platzes Jungmannovo náměstí beim Eingang zur Metro. Diese Unterführung ist sehr stark frequentiert.“

Radoměřská stößt sich auch daran, dass viele Kinder und Jugendliche an dem Ort vorbeikommen.

„In der Gegend gibt es zahlreiche Bildungseinrichtungen: ein Kindergarten und Schulen. Das heißt, es sind dort viele junge Menschen unterwegs.“

Bisher gibt es im ersten Prager Stadtbezirk bereits eine Kontaktstelle der Organisation Drop In. Sie befindet sich in der Straße Karolíny Světlé zwischen der Karlsbrücke und dem Nationaltheater. Den obersten Stadtvätern zufolge reicht diese eine Einrichtung aber nicht aus. So sagt Alexandra Udženija (Bürgerdemokraten), stellvertretende Oberbürgermeisterin für Sozialpolitik:

Alexandra Udženija | Foto: Tereza Čistotová,  Tschechischer Rundfunk

„Der erste Stadtbezirk ist am stärksten von der Problematik betroffen. Deshalb denke ich, dass ein Zentrum dort nicht genug ist. Über die konkreten Standorte müssen wir wirklich mit Fachleuten verhandeln, die die hilfsbedürftigen Menschen kennen und tagtäglich mit ihnen in Kontakt kommen. Wir Politiker können das nicht vom Schreibtisch aus entscheiden, wir brauchen den Dialog mit den Experten.“

Die neue mögliche Drogenberatungsstelle im Zentrum von Prag ist mittlerweile allerdings auch in höchsten politischen Kreisen ein Thema. Als Tschechiens Präsident Petr Pavel im Februar einen offiziellen Besuch in der Hauptstadt absolvierte, äußerte auch er sich zu dem Thema – und sprach sich gegen den Standort in der Innenstadt aus. Er wolle über die Angelegenheit deshalb auch mit dem nationalen Koordinator für Drogenbekämpfung sprechen, so der Präsident:

„Ich werde mit Pavel Bém darüber reden. Denn es darf nicht passieren, dass man einigen Menschen hilft, dadurch aber einer anderen, wesentlich größeren Gruppe Probleme bereitet. Das würde eher für Aversion sorgen, als das Problem zu lösen.“

Auch Präsident Petr Pavel hat sich in die Diskussion über die Ansiedlung eines Zentrums für Drogenabhängige in Prag 1 eingeschaltet | Foto: Petr Kastner,  Tschechischer Rundfunk

Die Einrichtung neuer Kontaktstellen für Drogenkonsumenten in Prag wurde in einem Strategiepapier vorgeschlagen, das bereits 2022 vorgestellt wurde. Darin heißt es, dass insgesamt neun Beratungszentren neu eröffnet werden sollen. Außer über das in der Prager Innenstadt entschied der Magistrat im Januar dieses Jahres auch über zwei weitere Standorte. Der eine befindet sich im neunten Stadtbezirk, der andere beim Bahnhof Holešovice. Auch die politischen Vertreter dieses Stadtteils stellen sich aber gegen die Pläne.

Neben den Kontaktstellen soll es in Prag künftig zudem einen speziellen Krankenwagen geben, der in der Stadt unterwegs sein wird. Im Inneren werden sich Drogenabhängige dann selbst ihre Substanzen verabreichen können – im Sinne der Safer-Use-Strategie. Die Hauptstadt lässt sich dabei von Brno / Brünn inspirieren. Dort ist bereits seit dem Herbst eine mobile Fixerstube unterwegs.

Autoren: Ferdinand Hauser , Petr Kastner | Quelle: Český rozhlas
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