Mozarts Geburtstag im Ständetheater, Rigoletto in der Staatsoper

Illustrationsfoto: frosoanders, Pixabay / CC0

Das Prager Ständetheater ist das einzige erhaltene Operngebäude, in dem Wolfgang Amadeus Mozart arbeitete und auftrat. Anlässlich des bevorstehenden 265. Geburtstags des Komponisten findet dort ein Konzert zu seinen Ehren statt. Die Aufführung ohne Publikum wird vom Tschechischen Fernsehen live übertragen. Das Gebäude der Prager Staatsoper wiederum wurde vor  einem Jahr nach einer gründlichen Restaurierung feierlich wiedereröffnet. Die erste Premiere findet dort aber erst am kommenden Samstag statt. Auch Verdis Rigoletto wird vom Fernsehen nur live übertragen. Die beiden Kulturereignisse sowie die derzeitige Lage in der Prager Staatsoper sind das Thema des folgenden Gesprächs mit deren Musikdirektor Karl-Heinz Steffens.

Karl-Heinz Steffens  (Foto: YouTube Kanal des Nationaltheaters in Prag)

Herr Steffens, es ist schon zur Tradition geworden, jedes Jahr am 27. Januar im Ständetheater ein Konzert zu Mozarts Ehren zu veranstalten. Was steht diesmal auf dem Programm des Konzertabends?

„Das Programm wurde aus zwei Werken zusammengestellt. Einmal aus einem eher frühen Werk, aus der Oper Idomeneo, die Mozart in jungen Jahren in und für München geschrieben hat. Und zum anderen aus jener Oper, die für Prag geschrieben worden ist – La Clemenza di Tito. Aus diesen beiden Opern werden Orchesterstücke beziehungsweise Arien gespielt.“

Staatsoper Prag  (Foto: Archiv des Nationaltheaters in Prag)

Sie sind vor zwei Jahren nach Prag gekommen. Was war damals ausschlaggebend für Ihre Entscheidung, den Posten des Musikdirektors in der Staatsoper Prag zu übernehmen?

„Jan Burian (Direktor des Prager Nationaltheaters, Anm. d. Red.) hat mich damals gefragt, ob ich Interesse hätte, hier in Prag mitzumachen und das Theater grundsätzlich auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu bringen. Das fand ich interessant, denn Prag ist eine tolle Stadt, und die Opernhäuser sind fantastisch. Und die Staatsoper mit ihrer ganzen Geschichte ist für jemanden wie mich schon auch prädestiniert. Darum habe ich mich darauf wahnsinnig gefreut. Wir wollten ein Repertoire aufführen, das wirklich zur Staatsoper passt: die Meistersinger von Nürnberg, Tristan und Isolde und mehr. Wegen der Corona-Pandemie ist aber alles ausgefallen, was uns alle traurig macht. Wir hoffen, dass es eine bessere Zukunft gibt, als es die letzten anderthalb Jahre gewesen sind.“

Am kommenden Samstag findet im restaurierten Gebäude der Staatsoper trotzdem die erste Premiere nach der Wiedereröffnung des Opernhauses statt. Es handelt sich um eine Neuinszenierung von Verdis Rigoletto. Wer studiert die Oper ein?

„Ich freue mich ganz besonders, dass wir die junge tschechische Regisseurin Barbora Horáková gewinnen konnten, die ich schon persönlich kennengelernt habe. Wir haben vor einigen Jahren zusammen Pelléas et Mélisande von Claude Debussy in Oslo einstudiert. Sie ist eine der interessantesten und vielleicht auch erfolgreichsten Opernregisseurinnen in ganz Europa. Sie hat die Regie, und der junge feurige italienische Dirigent Vincenzo Milletari, ein Schüler von Riccardo Muti, leitet die musikalische Einstudierung.“

Wer singt die Hauptpartien? Nicht nur hierzulande bekannt, sondern vor allem auch im deutschsprachigen Raum, ist die Koloratursopranistin Olga Jelínková…

Olga Jelínková  (Foto: Archiv des Nationaltheaters in Prag)

„Sie ist eine hervorragende Gilda. Ich habe sie bei den Proben gehört und finde sie wirklich großartig. Die Titelrolle von Rigoletto wird von einem jungen spanischen Sänger gesungen: Daniel Luis de Vicente ist für uns eine große Entdeckung.“

Herr Steffens, wegen der Corona-Pandemie wurden einige der Premieren verlegt und andere mussten vollständig abgesagt werden. Woran wird zurzeit außer am Rigoletto gearbeitet, was wird geprobt?

Franz Schreker  (Quelle: Wikimedia Commons,  CC0)

„Im Moment wird bei uns im Haus der Rigoletto geprobt und zur Premiere gebracht, wenn auch leider nur online. Anschließend beginnt die Arbeit am Fernen Klang von Franz Schreker. Das ist eine Oper, die wir schon lange im Rahmen des Projektes Musica non grata geplant haben. Das Projekt, das sich auf Musik von den von den Nationalsozialisten verfolgten Komponisten konzentriert, wird vom deutschen Außenministerium unterstützt. Die Arbeit soll im Februar beginnen. Regisseur Timofei Kuljabin aus Sankt Petersburg arbeitet schon daran. Wir hoffen, dass Corona uns diesmal keinen Strich durch die Rechnung macht. Denn wir mussten schon die Meistersinger, den Tristan, den König Roger von Szymanowski absagen oder weit in die Zukunft verlegen. Wir hoffen sehr, dass wenigstens der Ferne Klang realisierbar sein wird.“

Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir bald wieder eine Oper unmittelbar im Theater erleben dürfen!

„Das hoffen wir alle. Man muss sich ja vorstellen, wie viele Menschen da mitinvolviert sind, die sich nichts Größeres herbeisehnen, als wieder arbeiten zu dürfen. Wir hoffen sehr, dass man mit Impfung und sonstigen Dingen die Pandemie in den Griff kriegen kann und wir wieder ein normales kulturelles Leben haben werden.“


Illustrationsfoto: photosforyou,  Pixabay / CC0

Das Konzert mit dem Titel „Mozarts Geburtstag“ wird am Mittwoch, 27. Januar, im Ständetheater aufgeführt, und zwar ab 20.15 Uhr. Die Premiere von Verdis Rigoletto findet um 20 Uhr in der Staatsoper statt. Beide Veranstaltungen werden live vom Tschechischen Fernsehen übertragen und danach noch einen Monat lang im Fernseharchiv abrufbar sein.