Museum des Böhmischen Karstes in Beroun

Höhlen von Koneprusy (Foto: Petr Zajíček, ČRo)

Das "Museum des Böhmischen Karstes" befindet sich in der mittelböhmischen Stadt Beroun, die ein Zentrum des Landschaftsschutzgebiets "Böhmischer Karst" ist. Zu einer Besichtigung lädt Sie Markéta Kachlíková ein.

Höhlen von Koneprusy (Foto: Petr Zajíček, ČRo)
Die Stadt Beroun liegt am Zusammenfluss der Flüsse Berounka und Litavka, etwa 25 Kilometer südwestlich von Prag entfernt. Sie lockt zu Besuch dank ihren historischen Denkmälern, gilt aber auch als Ausgangspunkt in das Landschaftsschutzgebiet "Ceský kras" ("Böhmischer Karst"). Dieses einzigartige geologische Gebiet gab auch dem Museum in Beroun seinen Namen, das Museum des Böhmischen Karstes heißt. Das Museum im Jenstein-Haus auf dem Hauptplatz in Beroun wollen wir heute besuchen, wir werden aber nur einige seiner Ausstellungen besichtigen: die geologische, die dem "Böhmischen Karst" und der Landschaftseinheit Barrandien gilt, und die historische, die vor allem die Geschichte der Berouner Handwerker dokumentiert. Zunächst wenden wir uns also dem Karstgebiet und seinen mit Tropfsteinen geschmückten Höhlen zu. Unsere Begleiterin ist die Geologin des Museums, Irena Jancaríková:

"Die Ausstellung 'Höhlen des Böhmischen Karstes' wurde im Jahre 1997 installiert. Sie informiert uns über Höhlen, die sich zwischen Beroun und Prag, im Landschaftsschutzgebiet 'Böhmischer Karst' befinden. Auf diesem Gebiet sind über 600 Höhlen registriert."

Wenn wir von 600 Höhlen hören, müssen wir uns vergegenwärtigen, was genau man sich unter diesem Begriff vorstellen soll. Wie uns Frau Jancaríková erklärte, ist eine Höhle ein Loch, in das der ganze Höhlenforscher auch mit Schuhen hineinpasst. Die Schuhe dürfen also nicht herauslugen, sonst handelt es sich nur um eine Nische. Die bekanntesten Höhlen im "Böhmischen Karst" sind die Höhlen von Koneprusy, die nicht nur von Höhlenforschern, sondern auch von Touristen besucht werden können:

 Svaty Jan pod Skalou (Foto: Archiv ČRo7)
"Dieses Höhlensystem wurde im Jahre 1950 während der Bruchförderung entdeckt. Es ist etwa zwei Kilometer lang, wovon 600 Meter für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Es handelt sich um das größte Höhlensystem in der Tschechischen Republik, es hat aber auch in anderen Bereichen eine Vorrangstellung: es befindet sich dort der tiefste Abgrund im Böhmischen Karst, die "Kluft Arnoldka" mit einer Tiefe von 117 Metern. Und noch ein Superlativ: Es ist die größte Höhle im Quellenkalkstein und die jüngste tschechische Höhle in Svatý Jan pod Skalou."

Die Koneprusy-Höhlen sind die einzigen zugänglichen Höhlen im Böhmischen Karst. Es gibt dort auch weitere Höhlen, die etwa 300-400 Meter lang sind, man plant es aber nicht, diese zugänglich zu machen.

"Es wurde erwogen, einige davon zur Klimatherapie zu nutzen, auch dies ist aber abgekommen. Denn die Höhlen im Böhmischen Karst sind fast hundertprozentig mit Lehm gefüllt, und der Lehm würde den Allergikern wahrscheinlich nicht gut tun. Die wichtigste Tätigkeit der Höhlenforscher ist eigentlich diesen Lehm aus der Höhle rauszufördern, was pompös als Prolongierung der Höhle bezeichnet wird."

An die Ausstellung über die Höhlen knüpft im Museum in Beroun eine geologisch-paläontologische Ausstellung an:

"Sie zeigt uns die Geologie der sog. regionalen geologischen Einheit Barrandien, die sich in Mittel- und Südwestböhmen erstreckt. Das Zentrum dieses Gebiets liegt eben in Beroun und seiner Umgebung. Barrandien bekam seinen Namen zu Ehren des bekannten französischen Wissenschaftlers Joachim Barrande, der hier Forschungen durchführte. In den Vitrinen kann man vor allem Fossilien sehen, dank denen dieses Gebiet Barrandien weltbekannt ist und von Wissenschaftlern und Forschern aus der ganzen Welt besucht wird. In keiner paläontologischen Sammlung sollten Trilobiten aus dem Barrandien fehlen."

Die Vitrinen sind chronologisch gereiht, vom Proterozoikum über das ältere Paläozoikum bis zu jüngeren Zeiten, Mesozoikum, Tertiär und Quartär. Die bekanntesten Fossilien, die es dort gibt, sind die sog. Trilobiten. Diesen Begriff kennt zwar jeder, nur wenige wissen aber genau, was ein Trilobit ist:

"Es ist ein Gliederfüßer. Unter Gliederfüßer gehören heute zum Beispiel Krebse und Krabben. Genauso wie die heutigen Gliederfüßer, zogen auch die Trilobiten ihre Panzer aus. Als sie groß geworden sind, zogen sie sich aus, und bekamen einen neuen Panzer. Sie lebten ausschließlich im Meer, und zwar nur im Paläozoikum. Später starben sie aus, in heutigen Meeren existieren sie nicht mehr."

Soweit die Geologin des Museums des Böhmischen Karstes, Irena Jancaríková. Machen wir jetzt einen riesigen Sprung in der Zeit und besuchen die Geschichtsausstellung über die Stadt Beroun. Diese gilt besonders den dortigen Handwerkern. Die Historikerin Kamila Garkischová erklärt warum:

"Die Handwerke werden hier präsentiert, weil sie ein wichtiges und sehr typisches Phänomen in mittelalterlichen Städten waren. Die meisten Einwohner der Stadt lebten entweder von der Landwirtschaft oder vom Handwerk. Die wichtigste Gilde waren die Töpfer, wir stellen aber auch andere Handwerker vor: Sie sehen z. B. die Bäcker. In diesem Zusammenhang ist diese Schürze sehr interessant aus dem Jahr 1604. Sie wurde von Rudolf II. den Berouner Bäckern für ihre ordentliche Arbeit geschenkt."

Die Ausstellung präsentiert auch einige Rituale, die das Leben der Handwerkergilden geprägt haben. An ein solches Ritual erinnert auch eine schwarze Truhe in der Ecke:

"Zum Beispiel wenn eine Gilde tagte, meistens in einem Gasthaus, wurde am Anfang die Gilde-Mutter geöffnet, dass heißt ihre Kasse. Darin wurden nicht nur das Geld, sondern auch Gilderegeln und weitere Dokumente aufbewahrt."

Eines der wichtigsten Handwerke war das Töpferhandwerk. In Beroun wurden nach der Gründung der Stadt im 14. und im 15. Jahrhundert übliche Sachen wie in anderen Städten produziert. Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts erscheint aber auch eine spezifische Produktion, die sog. 'Berouner Ware'. An den Ausgrabungen, bei welchen wertvolle Keramikstücke gefunden wurden, beteiligte sich die Archäologin Irena Benkova:

"Diese Keramik unterscheidet sich von der zu jener Zeit gewöhnlichen Keramik. Charakteristisch für sie sind die ziegelrote Farbe und die weiße Bemalung, die mit einer Glasur überstrichen wurde. Diese 'Berouner Ware' ist sehr bedeutend, weil sie nur hier hergestellt wurde. Archäologische Funde bestätigen ihre Anwesenheit auf der Prager Burg, wo diese Keramik während der Krönungsfeier von König Matthias gebraucht wurde. Es ist ein spezifisches Erzeugnis für Beroun im 16. und 17. Jahrhundert"

Unser Besuch im "Museum des Böhmischen Karstes" in Beroun ist am Ende angelangt. Bevor wir uns verabschieden, möchten wir aber noch den letzten Gewinner unseres Quizwettbewerbs auslosen. Der Wettbewerb wurde im Rahmen der Serie "Musikland Tschechien" ausgeschrieben, deren 10 Folgen wir in dieser Sendereihe während des Jahres 2004 gesendet haben. Also: Unsere Quizfrage vor einem Monat lautete: Wie hieß die erste Oper von Bedrich Smetana. Und die richtige Antwort lautet: "Branibori v Cechách", auf Deutsch "Die Brandenburger in Böhmen". Eine CD mit den Slawischen Tänzen von Antonín Dvorák geht als Gewinnpreis an Ralf Urbanczyk aus Eisleben. Herzlichen Glückwunsch!

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