Im Briefkasten: „Im Alter von 82 Jahren hörte ich auf Radio Prag erstmals die Stimme meines Vaters“
Das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren war ein wichtiges Thema in unseren Sendungen im Mai. Aus vielen Blickwinkeln wurde an die Ereignisse von 1945 erinnert. Und auch in der Hörerpost wurde das Thema häufig angesprochen.
Jeden Monat stellen wir Ihnen eine neue Preisfrage und losen aus den uns zugesandten richtigen Antworten sechs Gewinner aus, die interessante Sachpreise erhalten. Dies ist auch im Juni der Fall. Die Quizfrage lautet:
ZUM THEMA
Von Brot können die Tschechen gar nicht genug bekommen. Tschechisches Sauerteigbrot ist zwar gewöhnlich, aber auch ein Klassiker. Und es sind zahlreiche Rituale mit ihm verbunden. Bis heute werden etwa bei offiziellen feierlichen Anlässen Gäste mit Brot begrüßt. Bei der Zubereitung darf eine ganz bestimmte Zutat nicht fehlen. Welche? Einen Hinweis auf die Antwort finden Sie in unserer Serie „Mahlzeit, Tschechien!“.
Ihre Antworten schicken Sie bitte bis Ende dieses Monats an [email protected].
Die richtige Antwort aus dem Vormonat lautet: Vrtba-Garten. Einen Sachpreis bekommt unter anderem Volker Scharf aus Deutschland. Herzlichen Glückwunsch!
Und nun zitieren wir aus den E-Mails und Briefen, die wir von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, bekommen haben. Beginnen möchten wir heute mit einer recht bewegenden Zuschrift, die wir von Rainer Maras erhalten haben. Er wolle uns darüber informieren, wie eine der Sendungen von Radio Prag International eine besondere individuelle Bedeutung erhalten habe, schreibt er. Rainer Maras ist der Sohn von Walter Maras, der in den 1930er Jahren Mitarbeiter des Tschechoslowakischen Rundfunks in Prag war. Im Mai 1943 wurde Rainer in Prag geboren und lebt seit 1946 in Deutschland; sein Vater ist im Oktober 1944 im Krieg gefallen. Und weiter – Zitat:
„Auf meiner derzeitigen Suche nach Hinweisen auf meine Vorfahren entdeckte ich im Internet die Sendung des Radio Prague International ‚Vor 85 Jahren: Abschied von Präsident Tomáš Garrigue Masaryk‘, ausgesendet am 21.09.2022. Die entsprechende Internetseite enthält dabei einen Beitrag, der am 24.09.1937 von Walter Maras in Erinnerung an Herrn Präsident T. G. Masaryk würdigend gesprochen wurde. Auf diese Weise ergab sich das Ereignis für mich, dass ich im Alter von nun bald 82 Jahren gesprochene Worte meines Vaters zum ersten Male wahrnehmen konnte. Ich vermute, es ist auch für außenstehende Personen gut nachzuempfinden, welch bedeutsames und bewegendes Erlebnis das erstmalige Hören der Stimme meines Vaters für mich war.“
Der Inhalt des Nachruf-Textes war für ihn Anlass, sich mit der Gedankenwelt von Präsident Tomáš Garrigue Masaryk ausführlich zu beschäftigen, schreibt Rainer Maras weiter. Und er hebt hervor:
„Herr Masaryk versucht, Humanität, Demokratie und Nationalgedanken zu verbinden, indem er dies alles auf den gemeinsamen Grund der Liebe zurückführt. Eine überaus aktuelle Thematik und welch beglückender Denkansatz für mich. Damit verbinde ich auch die Aussage von Papst Leo XIV., es gäbe keine Abstufung von Nächstenliebe.“
In zahlreichen Briefen wurde diesmal das Thema des Zweiten Weltkriegs erwähnt. Viele von unseren Hörerinnen und Hörern ziehen Vergleiche mit der heutigen Weltlage. So schreibt Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus:
„In den letzten Tagen brachten Sie eine Menge Sendungen und Informationen über das Ende des Zweiten Weltkrieges gerade in Tschechien. Das waren sehr interessante und sehr gut recherchierte Beispiele. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Details, die mir bisher noch nicht bekannt waren, vom Kriegsende berichtet werden. Da ist zum Beispiel der Prager Aufstand, von dem in der Schule nie berichtet wurde. Ich bin dieses Jahr zu der Erkenntnis erlangt, dass vor 80 Jahren der Weltkrieg endete, der Faschismus aber immer noch lodert. Vielen Dank für die Beiträge zu diesem Thema.“
Auch Bernd Wachsmuth aus Berlin hat die Sendebeiträge zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus verfolgt. Er erwähnt die Auseinandersetzungen in Prag und die Ereignisse, die sich im Radiofunkhaus abgespielt hatten. So etwas dürfe und solle sich nie wieder ereignen, mahnt unser Hörer.
Zu dem Aufstand der Tschechen am Ende des Weltkriegs hat uns Gerhard Wallbrecht eine Frage geschickt:
„Ich habe gerade Ihren Bericht über den Prager Aufstand gelesen. Warum wurde denn gar nicht erwähnt, dass Einheiten der Wlassow-Armee aus Beroun kommend gegen die SS in Prag gekämpft hatten und somit viele Tschechen gerettet wurden?“
Der Autor des Beitrags, Till Janzer, beantwortet die Frage wie folgt:
„Die Bedeutung der Wlassow-Armee für den Erfolg des Prager Aufstands wird von den tschechischen Historikern unterschiedlich bewertet. Eindeutig scheint nur, dass sie am Anfang den Aufständischen sehr geholfen hat. Offen ist hingegen, ob sie auch etwas zur Kapitulation der Deutschen in Prag beigetragen hat. Da ich fast überhaupt nicht das Hin und Her der Kampfhandlungen schildere und zudem der Platz knapp war, wäre es also auf eine bloße Erwähnung herausgelaufen. Das wollte ich aber nicht, weil die Wlassow-Armee eine komplizierte Geschichte hat.“
Übrigens, im Archiv unserer Sendungen lässt sich ein älterer Beitrag eben zur Rolle der Wlassow-Armee bei den Kämpfen am Kriegsende in der Tschechoslowakei finden (https://deutsch.radio.cz/erst-hitler-treu-dann-auf-den-barrikaden-des-prager-aufstands-die-wlassow-armee-8573794).
Ende des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren
Ralf Urbanczyk aus Eisleben lobt, dass Radio Prag International in seinen Sendungen so umfangreich an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Tschechien erinnert.
„Es gibt inzwischen schon fast keine echten Zeitzeugen mehr, doch wurden in den vergangenen Jahrzehnten viele Erinnerungen aufgezeichnet oder anderweitig dokumentiert, sodass es glücklicherweise genügend davon gibt. Die schwierige Aufgabe heute ist es, diese ganzen Erinnerungen vollständig und in den Zusammenhängen nicht verblassen zu lassen. Nur dann helfen diese ganzen Aufzeichnungen bei der Verhinderung der Neuauflage der Verbrechen der Vergangenheit. Das ist die Verantwortung der heutigen Generationen, also von uns allen. Gerade der anständige Umgang mit den russischen Opfern der Befreiung vor 80 Jahren und dem aktuellen Kriegstreiber Russland, dies nicht zu vermischen, ist eine Herausforderung, der sich jeder stellen sollte.“
Achim Kissel aus Duisburg habe seinen Brief in einer Zeit geschrieben, in der – wie er anmerkt – vielerorts an das Ende des 2. Weltkriegs erinnert werde:
„Auch in Ihren Sendungen gibt es Beiträge zu diesem Thema. Ich bin 1952 geboren, habe diese Ereignisse also nicht mehr selber erleben müssen. Umso wichtiger ist es für mich, durch Hörfunk- oder Fernsehbeiträge, durch Bücher oder Gespräche mit älteren Menschen darüber zu erfahren. Bei einem Besuch in der damaligen Tschechoslowakei 1946 hatte ich Gelegenheit, die Gedenkstätten Theresienstadt und Lidice zu besuchen. Dass es trotz des Leids, das Nazi-Deutschland über seine Nachbarländer gebracht hat, heute zu allen europäischen Nachbarn gute und freundschaftliche Beziehungen gibt, sehe ich nicht als Selbstverständlichkeit. Vielmehr fühle ich als Deutscher die Verpflichtung, dabei mitzuhelfen, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt.“
Leider erstarkten in den letzten Jahren Kräfte in seinem Land, die Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung von Minderheiten propagierten. Dagegen werde er, wo immer es gehe, seine Stimme erheben, betont Achim Kissel.
Indirekt hängt auch der folgende Kommentar mit dem Krieg sowie mit der nachfolgenden Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei zusammen. Martina Pohl aus Überlingen begrüßt die Nachricht, dass die tschechische Regierung ein Förderprogramm errichtet und in den nächsten Jahren Millionen Kronen in die Sanierung deutscher Gräber auf dem Gebiet Tschechiens stecken will:
„Ich finde es eine erfreuliche Nachricht, dass die tschechische Regierung in den Erhalt deutscher Gräber investieren will und dass in dieser Richtung endlich etwas getan wird. Es ist schon lange unwürdig, dass diese Orte der Erinnerung sich in so einem desolaten Zustand befinden.“
Und das war’s für heute. Schreiben Sie uns bitte weiter! Unsere Adresse lautet: Radio Prag International – Deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik. Oder Sie schicken eine E-Mail an: [email protected]. Weitere Themen, die Sie in ihren Zuschriften angesprochen haben, werden wir im Hörerforum im Juli erwähnen.











