Verpflichtende Prävention: Regelmäßige Arztbesuche sollen Fettleibigkeit bei Kindern vorbeugen
Etwa ein Viertel der Kinder in Tschechien ist übergewichtig. Das Gesundheitsministerium will das Problem nun systematisch angehen und ab kommendem Jahr verpflichtende präventive Kontrollen beim Hausarzt einführen.
„Am Anfang wog ich 103 Kilogramm, als ich in Behandlung gegangen bin. Der Impuls kam wegen des Sports. Ich habe Fußball gespielt, war aber immer außer Atem und langsamer als die anderen.“
So berichtete es Adam, der sich mit 18 Jahren zum Abnehmen entschied und in die Kinderklinik im südmährischen Křetín ging. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen in Tschechien, die ähnlich wie Adam mit Übergewicht kämpfen, steigt immer weiter an. Dem Staatlichen Gesundheitsinstitut (SZÚ) zufolge lag sie im vergangenen Jahr schon bei 25 Prozent. Der Kinderarzt Dalibor Pastucha sagte dazu in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Noch gefährlicher ist aber, dass es eine Zunahme der sogenannten krankhaft übergewichtigen Kinder gibt. Sie haben ein extremes Grad an Fettleibigkeit erreicht und wiegen zum Beispiel 140 oder 170 Kilogramm. Die Wahrscheinlichkeit auf eine vollständige Gesundung ist bei ihnen schon sehr gering, oder sie ist gar nicht mehr möglich.“
Krankhaftes Übergewicht heißt im Fachjargon Morbide Adipositas. Das tschechische Gesundheitsministerium will dieses nun auch in die Vorsorgebehandlung durch den Hausarzt integrieren. Einer neuen Verordnung zufolge sollen ab kommendem Januar regelmäßige Untersuchungen bei übergewichtigen Kindern verpflichtend sein – ähnlich den Vorsorgechecks, die bei anderen ernsthaften Krankheiten vorgeschrieben sind. Der Arzt Jan Boženský ist bei der Tschechischen Adipositas-Gesellschaft (Česká obezitologická společnost) für die Kinderheilkunde zuständig und lobt das Vorhaben:
„Jegliche Prävention und ein rechtzeitiges Erkennen, eben auch von Übergewicht, kann zu einer Verringerung von ernsthaften Problemen führen. Darum unterstützen wir das natürlich.“
Durch regelmäßige Kontrollen soll ein Kinderarzt dann also frühzeitig eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes erkennen können und entscheiden, wann ein Spezialist einbezogen wird. Mit dem neuen Präventionsprogramm sollen die jungen Patienten besser vor ernsthaften Folgeerkrankungen geschützt werden, so das Ziel des Gesundheitsministeriums. Zlatko Marinov ist ebenfalls vom Fach und erläutert:
„Wenn Übergewicht festgestellt wird, wird bei dem Kind heutzutage sofort eine Langzeitbehandlung aufgenommen. Je nach Krankheitsgrad wird es idealerweise alle halbe Jahre oder auch alle drei Monate zur Kontrolluntersuchung bestellt.“
Dabei werden auch die Eltern einbezogen. Sie würden überhaupt eine wichtige Rolle spielen, um eine beginnende Fettleibigkeit beim Kind zu erkennen, betont Jan Boženský:
„Ich denke, die meisten Eltern bekommen mit, wenn sich der Körperzustand ihrer Kinder verändert. Und das ist der Moment, an dem wir aufmerksam werden müssen. Wenn wir schon sehen, wie sich bei den Kindern einige Fettwülste bilden, dann sollten wir überprüfen, wie unser eigener Lebensstil aussieht. Denn das ist wichtig: Meist ist es unser Lebensstil, der bei den Kindern eine Gewichtszunahme verursacht. Oft wird gesagt, es sei die Schuld der Kinder. Es ist aber die Schuld der Eltern.“
Darum sollen auch sie demnächst mehr Tipps vom Kinderarzt etwa für eine Ernährungsumstellung bekommen oder aber auch Informationen über den Tagesablauf, Schlafrhythmus und Bewegungsbedarf des Kindes. Bei den regelmäßigen Arztbesuchen soll dann beobachtet werden, ob diese Maßnahmen helfen. Facharzt Dalibor Pastucha, der an der Uniklinik in Ostrava / Ostrau die Abteilung für Rehabilitation und Sportmedizin leitet, schildert seine Erfahrungen:
„Wir versuchen immer, mit der ganzen Familie zu arbeiten und insgesamt ihren Lebensstil zu ändern. So kann sie eine Unterstützung für das Kind sein und die besten Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine Gewichtsabnahme erreicht wird.“
Jan Boženský weist allerdings darauf hin, dass eine gesündere Ernährung nur beim Abnehmen helfe, sofern es sich noch um leichtes Übergewicht handle. Ist schon ein höherer Grad an Fettleibigkeit erreicht, würden Stoffwechselschäden auftreten, die nur mit Medikamenten oder aber – im äußersten Falle – durch operative Eingriffe behandelt werden müssten, so der Vertreter der Tschechischen Adipositas-Gesellschaft.
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