Nicht unumstritten: Grippeimpfungen sollen in Tschechien auch in Apotheken möglich werden
Im Herbst kann man sich in einigen Apotheken in Tschechien gegen Grippe impfen lassen. Das Pilotprojekt des hiesigen Gesundheitsministeriums ist nicht unumstritten.
Der Ablauf ist der gleiche wie in einer Arztpraxis. Man kommt in die Apotheke, unterschreibt die Einverständniserklärung und wird dann von einem Arzt empfangen. Dieser, und nicht der Apothekenangestellte, nimmt die Impfung vor. Mit diesem Konzept solle es den Menschen in Tschechien erleichtert werden, sich impfen zu lassen, sagt Ondřej Jakob, Sprecher des Gesundheitsministeriums:
„Der Sinn dieses Pilotprojektes ist vor allem zu testen, inwieweit der Impfprozess in Apotheken überhaupt realisierbar ist und in welcher Form. Außerdem wird herausgefunden, welches Interesse die Öffentlichkeit an diesem Angebot hat.“
Das Impfen in Apotheken könnte dem Ministerium zufolge eine Maßnahme sein, um den Anteil an immunisierten Menschen in der Bevölkerung zu erhöhen. Unterstützt wird das Projekt vom zentralen Gesundheitsamt. Der Testbetrieb wird im Herbst in vier Apotheken der Benu-Kette laufen. In zwei Prager Fialen sowie in je einer in Brno / Brünn und in Ostrava / Ostrau werden dann Grippeimpfungen angeboten. Dafür wird an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr jeweils ein Arzt anwesend sein. Angesprochen werden Selbstzahler zwischen 18 und 65 Jahren.
Kritik an diesem Konzept kommt aus der tschechischen Ärztekammer. Dabei wird auf die unterschiedliche berufliche Qualifikation von Pharmazeuten und von Ärzten hingewiesen. Kammerpräsident Milan Kubek betonte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Uns geht es um die Sicherheit des Patienten. Ich habe schon anaphylaktische Schocks bei Menschen erlebt. Einen solchen möchte ich wirklich nicht in einer Apotheke behandeln lassen von jemandem, der dies noch nie gesehen hat und nicht weiß, wie er vorgehen muss. Das ist nicht gut. Außerdem sind wir in keiner Notsituation.“
Nur eine solche, wie etwa während der Corona-Pandemie, würde besondere Impfmaßnahmen erfordern, fügt Kubek hinzu. Bei der aktuellen Idee gehe es den Apotheken vielmehr ums Geschäft, so der Vorwurf des Kammerchefs, da sie auf diese Weise neue Kunden gewinnen wollten.
Dagegen wehrt sich Irena Storová, die Leiterin des Verbands der Apothekenketten. Eines der drei Verbandsmitglieder ist eben das Unternehmen Benu, in deren Filialen die externen Grippeimpfungen getestet werden. Dadurch gehe man mit der Zeit, argumentiert Storová:
„Wir leben doch nicht mehr wie vor 200 Jahren. Wir können nicht aus reiner Rigidität den Fortschritt aufhalten oder die Bedürfnisse der Patienten. Die Tschechische Republik ist im Vergleich mit anderen europäischen Ländern schon eine Art Dinosaurier. Denn in 17 Staaten wird heute üblicherweise in Apotheken geimpft, und zwar durch die Angestellten. Das betrifft dort nicht nur Grippeimpfungen, und sie werden auch nicht nur der erwachsenen Bevölkerung angeboten.“
Milan Kubek glaubt hingegen nicht, dass das neue Angebot in Tschechien auf ein großes Interesse stoßen werde. Wenn wirklich eine höhere Impfrate im Land erreicht werden solle, dann sollten etwa Grippeimpfungen grundsätzlich kostenlos sein, so seine Forderung. Derzeit übernehmen die Krankenkassen hierzulande die Bezahlung aber nur für Menschen ab 65 Jahren.
Skeptisch äußert sich auch Jakub Šedivý von der Vereinigung der Hausärzte. Er sieht noch einen weiteren Grund, warum sich Menschen nicht immunisieren lassen:
„Das liegt an dem geringen Wissen darüber, wie nützlich Impfen ist und wie sinnvoll zum Beispiel gegen Grippe. Darum wollen es viele Menschen nicht. Wir versuchen ja, sie zu überreden. Ich glaube also, es gibt keinen Grund, neue Anlaufstellen zum Impfen zu eröffnen, wenn wir doch riesige Kapazitäten haben.“
Investiert werden sollte darum eher in die Aufklärung, so Šedivý.
Ein Termin für die Grippeimpfung in den vier betreffenden Apotheken kann ab September online reserviert werden. Die Testphase dauert einen Monat lang. Bis Mitte kommenden Jahres will das Gesundheitsministerium die gewonnenen Erfahrungen dann auswerten.








