Zum Tod von Zdena Salivarová: Tschechoslowakische Literatur im kanadischen Exil belebt
Am Montag ist Zdena Salivarová gestorben. Wie zahlreiche andere Intellektuelle war sie nach der Niederschlagung des Prager Frühlings ins Exil gegangen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem namhaften Schriftsteller Josef Škvorecký, gab sie in Kanada Werke tschechoslowakischer Dissidenten, aber auch aus eigener Feder heraus.
Literatur war nicht die einzige Kunstform, der sich Zdena Salivarová in ihrem Leben widmete. In jungen Jahren war sie nämlich eine recht erfolgreiche Sängerin und Schauspielerin. Am 21. Oktober 1933 in Prag geboren, lernte Salivarová früh Geige spielen und sang als Kind im Rundfunkchor. Ihre Ausbildung bekam sie beim Tschechoslowakischen Staatsensemble für Lied und Tanz sowie an der Filmakademie in Prag. Begleitend war die junge Künstlerin an der Laterna Magika engagiert, und auf der Kammerbühne Paravan war sie mit dem weiblichen Vokalensemble Inkognito kvartet zu sehen und zu hören.
Bekannt ist Zdena Salivarová bis heute aber vor allem als Verlegerin, Übersetzerin und Literatin. Damit führte sie eine Familientradition fort, denn ihr Vater war der Buchhändler und Verleger Jaroslav Salivar. Und seit 1958 war sie mit dem Schriftsteller Josef Škvorecký verheiratet, dessen Namen sie zwar annahm, aber nicht nutzte.
Kennengelernt hatten sie sich im Theater Paravan. Und es dauerte nur drei Monate, bis beide die Ehe eingingen. In einem Rundfunkinterview sagte Salivarová später, dass es damals keinen Raum für Zweifel gegeben habe. Die Beziehung zu ihrem baldigen Mann hätte sie auf Ehrlichkeit aufgebaut:
„Bevor wir heirateten, haben wir uns alles erzählt, auch die schlimmsten Dinge. Wenn man 24 Jahre jung ist, dann hat man ja schon eine Vergangenheit in Liebesdingen, mit allen möglichen kleinen Sünden. Ich sagte mir, dass Josef alles von mir wissen könne – und sich dann entscheiden sollte, ob er mich wirklich will. Und das ging gut.“
Zdena Salivarová war nicht nur Škvoreckýs Lebenspartnerin, sondern wurde bald auch seine engste Mitarbeiterin. Das Paar verließ im Januar 1969 die besetzte Tschechoslowakei, wanderte nach Kanada aus und gründete in Toronto den Exilverlag ´68 Publishers – mit Verweis auf das Jahr 1968, in dem die Warschauer-Pakt-Truppen in ihre Heimat einmarschiert waren. In den 1970er und 1980er Jahren gaben Škvorecký und Salivarová mehr als 200 Titel heraus – sowohl ihre eigenen Bücher, als auch jene von Autoren gleicher Herkunft, die in der Tschechoslowakei aber nicht veröffentlichen durften.
Während dieser Zeit habe sie immer den Kontakt in die Heimat gehalten, berichtete Salivarová später:
„Ich habe die ganzen 20 Jahre mit dem dortigen Volk gelebt. Wir hatten die Zeitungen aus der Tschechoslowakei, meine Schwiegermutter schickte sie uns. Mir war es egal, ob es Rudé právo oder die Literarische Monatszeitung war. Ich habe alles gelesen, um zu wissen, was dort passiert.“
Und auch mit der Dissidentenszene seien sie und ihr Mann eng verbunden gewesen, schilderte Salivarová weiter:
„Wir hatten unsere Kanäle und bekamen viele Briefe von den Leuten. Dadurch waren wir auch mit der Charta 77 in Verbindung. Jene Chartisten, die aus dem Land geschmissen wurden, kamen oft nach Toronto. Von ihnen erfuhr ich viel, und durch sie habe ich alles von Nahem mitbeobachtet.“
Ihre ersten eigenen schriftstellerischen Arbeiten hatte Zdena Salivarová noch in der Tschechoslowakei veröffentlicht. Einige Prosastücke erschienen damals in den Literaturzeitschriften „Host do domu“ (zu Deutsch etwa: Gast des Hauses) sowie „Plamen“ (Flamme). Ihre Bücher „Honzlová“ („Summer in Prague“), „Nebe, peklo, ráj“ (zu Deutsch: Himmel, Hölle, Paradies) und „Hnůj země“ (zu Deutsch etwa: Der Mist der Erde) gab sie im eigenen Verlag ´68 Publishers heraus. Ab Ende der 1990er Jahre verfasste Salivarová zudem gemeinsam mit ihrem Ehemann einige Krimis, die in Prag verlegt wurden.
1990 bekamen beide Eheleute den Orden des Weißen Löwen, die höchste staatliche Auszeichnung der damaligen Tschechoslowakischen und heutigen Tschechischen Republik. Zdena Salivarová starb am Montag im Alter von 91 Jahren in ihrer Wahlheimat Toronto.
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