Tschechiens Städte sagen Zigarettenkippen den Kampf an

An jeder Bushaltestelle liegen Hunderte von Zigarettenstummeln

Das achtlose Wegwerfen einer Zigarette ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld bestraft werden. Doch trotzdem verschmutzen die Zigarettenkippen überall in Tschechien die Straßen. Die Städte und Gemeinden müssen jährlich Millionen Kronen für deren Entsorgung ausgeben.

Es dauert bis zu 15 Jahre, bis ein Zigarettenstummel in der Natur abgebaut wird. Er enthält Mikroplastik und Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch. Die Kippen sind aber der häufigste Müll auf den Straßen der Städte und Gemeinden.

Zigarettenstummel liegen auf jeder Straße | Foto: Jan Ptáček,  Tschechischer Rundfunk

„Am schlimmsten ist es nach dem Wochenende. Es gibt dann vor allem Zigarettenkippen, Plastikabfall und Papierstücke“, sagt Dušan Lacko. Er geht jeden Tag mit einem leistungsstarken Staubsauger durch die Straßen von Frýdek-Místek im Mährisch-Schlesischen Kreis. Manchmal füllt er an einem Tag einen ganzen 240-Liter-Container. Nur allein mit Müll, der auf den Boden geworfen wurde.

Zigarettenstummel gehören in den Restmüll, mahnt auch Richard Blahuta. Er ist Vorstandsvorsitzender der städtischen Firma Frýdecká Skládka:

„Wenn jemand eine Zigarettenkippe in eine Tonne für getrennten Müll wirft, wird dadurch der gesamte Inhalt entwertet. Wir müssen diese in den Restmüll tun.“

Foto: Pixabay / CC0 Public Domain

Die Stummel landen oft auch in der Kanalisation – entweder werden sie direkt von Rauchern hineingeworfen oder vom Regen in den Kanal gespült. Marek Síbrt ist Sprecher des Unternehmens Severomoravské vodovody a kanalizace. Am Eingang der Kläranlage in Sviadnov erläutert er:

„In den Kanälen gibt es Pumpen und andere Maschinen, die durch die Kippen beschädigt werden können. Die Zigarettenstummel, umhüllt mit weiterem Müll, können zu technischen Problemen an diesen Einrichtungen führen.“

In der Kläranlage werden Zigarettenkippen und andere kleine Abfälle auf Sieben aufgefangen. Von dort gelangen sie über Schneckenförderer in einen Container. Marek Síbrt fährt fort:

„Jährlich fallen hier etwa 75 Tonnen solcher Abfälle an. Wir müssen sie auf die Deponie bringen, wofür wir natürlich bezahlen müssen. Die Entsorgung kostet etwa 3000 Kronen pro Tonne.“

Das sind 122 Euro. Diese Kosten schlagen sich auch in der Abwassergebühr der Kunden nieder.

In Pardubice gibt es einen speziellen Mitarbeiter für die Beseitigung von Zigarettenkippen | Foto: Drahomíra Bačkorová,  Tschechischer Rundfunk

Tabakunternehmen in Tschechien sind gesetzlich verpflichtet, sich finanziell an der Entsorgung von Zigarettenstummeln zu beteiligen. Städte und Gemeinden können diese Beiträge über ein kollektives System beziehen, das in Tschechien von der Firma Nevajgluj verwaltet wird. Seit 2023 haben etwa 1500 Gemeinden und Städte Gelder daraus bezogen. Martina Vrbová leitet das Unternehmen:

„Die Höhe der Geldbeiträge liegt zwischen 7 und 13 Kronen pro Einwohner und Jahr. Je größer die Stadt ist, desto höher sind die Leistungen.“

Seit einem Jahr ist auch die ostböhmische Kreisstadt Pardubice am System beteiligt. Klára Sýkorová leitet die dortigen Stadtwerke:

„Problematisch ist zum Beispiel die Umgebung des Bahnhofs, die Bänke in den Parks oder auf dem Universitätsgelände. Überall dort findet man große Mengen Kippen. Angesichts der vielen Menschen mit E-Zigaretten habe ich gehofft, dass sich deren Verbreitung auf den Zustand der Gehwege positiv auswirkt. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.“

Rauchverbot an überdachten Bushaltestellen | Foto: Jan Ptáček,  Tschechischer Rundfunk

Selbst die drohende Geldstrafe, die in Pardubice bis zu 5000 Kronen (200 Euro) betragen kann, hält manche Menschen nicht davon ab, ihre Zigaretten auf den Boden zu werfen.

Die Stadt hat bisher 1,1 Millionen Kronen (knapp 45.000 Euro) aus dem Fonds der Firma Nevajgluj erhalten. Für die gesamte Straßenreinigung werden in Pardubice jährlich 30 Millionen Kronen (1,2 Millionen Euro) ausgegeben.

Autoren: Markéta Kachlíková , František Kuča
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