Im Briefkasten: Vorfahren und alte Freunde werden gesucht
Nicht nur Kommentare und Fragen, sondern auch Bitten um Hilfe bei der Personensuche hat Radio Prag International im vergangenen Monat erhalten.
Wie jeden Monat können Sie zum Auftakt Ihr Wissen über die Tschechische Republik testen. Die Preisfrage im September lautet:
2025 wird in Tschechien eine neue Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses gewählt. Wie viele Politiker sitzen in diesem Unterhaus des Parlaments?
Ihre Antworten schicken Sie bitte bis Ende dieses Monats an [email protected].
Die Quiz-Frage im August betraf die diesjährige Expo in Osaka. Tschechien präsentiert sich dort mit einem Pavillon, der das Beste aus Architektur, Design und Handwerk des Landes in sich vereint. Wir haben gefragt, welche traditionellen Materialien für den Bau verwendet wurden. Und die richtige Antwort ist Holz und Glas.
Aus Deutschland gibt es diesmal einen Gewinner und eine Gewinnerin, und zwar Otto Riedling und Anna Scheerer. Herzlichen Glückwunsch!
Und nun zu Ihren Briefen und Zuschriften, liebe Hörerinnen und Hörer. Martina Pohl aus Überlingen kommentiert das aktuelle Geschehen:
„Auch wenn der Friede in der Ukraine noch lange nicht einkehren wird, bleibt zumindest ein Hoffnungsschimmer nach den internationalen Bemühungen beim Ukraine-Gipfel in Alaska. Jedes Gespräch, das nicht gleich im Wortgefecht endet, lässt Raum für weitere denkbare Überlegungen. Auch innerhalb der Regierungskoalition in Prag zeigte man sich überwiegend erleichtert, dass sich beim Ukraine-Gipfel keine unvorhergesehenen Erwartungen bestätigt haben. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob als Nächstes ein Treffen der beiden Staatschefs Putin und Selenskyj tatsächlich stattfindet. Als neutraler Austragungsort wurden aus Regierungskreisen die Orte Wien, Genf oder Budapest ins Spiel gebracht. Auf der anderen Seite fragt man sich, was das Ganze bringen soll. Keine der Parteien kann und wird von ihrem Ziel abweichen. So wird weiter massiv angegriffen und ein Ende dieses schrecklichen Krieges rückt in immer weitere Ferne.“
Die letzten Worte von Tomáš Garrigue Masaryk
Eines sei auf jeden Fall sicher, die Menschen in der Ukraine wünschten sich nichts sehnlicher als Frieden in ihrem Heimatland. Unsere Hörerin spricht aber noch ein Thema an:
„Nun aber noch zu einem Ereignis, welches erst am 19. September diesen Jahres gelüftet wird. Ich spreche vom weißen, versiegelten Umschlag, welcher im Tresor des Nationalarchivs in Prag liegt und angeblich anvertraute Worte des ersten tschechischen Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryks enthalten soll. Was für ein Geheimnis werden seine Worte an die Öffentlichkeit preisgeben? Oder ist alles weit weniger spektakulär als angenommen? Ich bin mal gespannt! Vermutlich wird Ihre Redaktion von diesem Geschehnis berichten.“
Ganz sicher, Frau Pohl. Auch wir sind schon sehr gespannt! In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks wird die Öffnung des Umschlags sogar live übertragen. Auf der Website des Rundfunks läuft ein Countdown: Demzufolge verbleiben im Augenblick der Erstausstrahlung dieser Sendung noch 16 Tage, 21 Stunden und etwa 15 Minuten, bis das Geheimnis im Präsidentenschloss Lány enthüllt wird.
Astrid Starsonek hat uns eine Frage geschickt:
„Warum kann man den Text bei ‚Tschechisch gesagt‘ nicht mehr mitlesen? Ich lerne seit zwei Jahren Tschechisch und weil es eine nicht ganz so leicht zu lernende Sprache ist, hat es mir immer geholfen, den Text mit- oder nachzulesen. Es wäre prima, wenn ihr den Text wieder mitdrucken könntet!“
Der Sprachkurs „Tschechisch gesagt“ wird in den Sendungen von Radio Prag International wöchentlich ausgestrahlt. In dem Fall bekommen unsere Hörer und Leser den Inhalt sowohl als Ton als auch als Text zur Verfügung. In der Reihe haben wir nun zwei Monate Ferien gemacht, der Kurs geht aber am kommenden Freitag nach der Sommerpause wieder weiter. Sie können sich also wieder auf einen Text zum Mitlesen freuen. Wir senden „Tschechisch gesagt“ darüber hinaus aber auch noch als Podcast auf allen üblichen Plattformen. Die dafür verwendeten Folgen stammen größtenteils aus unserem Archiv und werden nicht um einen Text ergänzt. Über die Suchfunktion auf unserer Website können Sie diese Beiträge aber auffinden und nachlesen.
1968 in Bad Reichenhall: Jelena wird gesucht
Ab und zu wenden sich Menschen mit Anfragen bezüglich einer Personensuche an uns. Entweder sucht man nach Vorfahren, oder nach noch lebenden Personen, die man irgendwo einmal getroffen und später aus den Augen verloren hat. Wie etwa im folgenden Fall von Susanne von Belino:
ZUM THEMA
„Ich möchte mich mit einem vielleicht etwas außergewöhnlichen Anliegen an Sie wenden. Im Jahr 1968 hatte ich im damaligen Grandhotel Axelmannstein in Bad Reichenhall in Oberbayern – aufgrund der politischen Verhältnisse jenseits des Eisernen Vorhangs leider nur für kurze Zeit – eine sehr nette junge Kollegin aus Tschechien. Soweit ich mich entsinne, hieß sie Jelena (unter Vorbehalt eines Irrtums), stammte aus Hradec Králové, ehemals Königgrätz, und war in etwa so jung wie ich – damals 20 Jahre alt. Sie hatte blonde Haare und lebhafte dunkle Augen und war ein ausgesprochen freundlicher, fröhlicher Mensch. Leider hatten ihre Eltern sie eines Tages sehr plötzlich und völlig unerwartet aufgefordert, sofort nach Hause, also nach Tschechien, zurück zu kommen, da sich der so hoffnungsvolle Prager Frühling leider seinem plötzlichen Ende näherte. Ihre Eltern hatten große Angst, dass es für ihre Tochter auf lange Sicht kein Zurück mehr geben könnte, wenn sie nicht sofort wieder heim käme. Vermutlich hatten sie damit Recht. Also verließ sie Deutschland fast fluchtartig. Offenbar war eine totale Grenzschließung geplant. Wir waren beide sehr traurig, dass wir so unvermittelt Abschied voneinander nehmen mussten.“
Immer wieder habe sie an Jelena gedacht, schreibt Frau von Belino weiter. Sie bittet nun um Hilfe und Rat bei der Suche nach ihrer einstigen Freundin:
„An ihren Nachnamen erinnere ich mich leider gar nicht mehr. Ich habe nicht mehr als die wenigen genannten Details. Man müsste also eine etwa 77-jährige Tschechin finden, die einige Zeit im oben genannten Hotel tätig war und die, aufgrund der plötzlich umgeschlagenen politischen Verhältnisse, wieder nach Tschechien zurückreisen musste. Nicht viel, ich weiß, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“
Unser Programm ist für das deutschsprachige Publikum bestimmt, und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person in Tschechien es liest oder hört, ist gering. Jelena ist in Tschechien ein ziemlich seltener Name. Die von Ihnen gesuchte Frau muss kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren sein. Nach unseren Recherchen auf dem Portal www.kdejsme.cz sind von 1945 bis 1950 in Tschechien insgesamt 61 Mädchen namens Jelena zur Welt gekommen. Im Jahr 2018, in dem die Daten auf diesem Portal zum letzten Mal veröffentlicht wurden, lebten in Tschechien insgesamt 560 Jelenas, vier davon in Hradec Králové. Mehr lässt sich von unserer Seite nicht feststellen. Vielleicht können Sie sich, Frau von Belino, an das Hotel in Bad Reichenhall wenden und nach Dokumenten aus dem Jahr 1968 fragen. Wenn Sie Glück haben, würde sich da im Archiv etwa ein Arbeitsvertrag finden lassen, der einst mit der Tschechin geschlossen worden war und der Ihnen bei Ihrer Suche weiterhelfen könnte.
Neben der Schilderung der alten Freundschaft merkt Frau von Belino in ihrer E-Mail noch an:
„Ohnehin habe ich vor, im kommenden Frühjahr eine Reise nach Tschechien zu machen, da ich mir die vielen, schönen Orte und ebenso die zauberhaften Landschaften des Landes anschauen möchte. Leider ist Lucy dann nicht mehr zu Besuch in Prag, sondern längst wieder in den Fundus ihrer musealen Heimat in Addis Abeba zurückgekehrt. Es dürfte wohl sehr lange dauern, bis die kleine große alte Dame auf ihre nächste Reise geht. Falls sie jemals wieder verreisen wird... Schade, dass ein solch prominentes Exponat nur magere zwei Monate gezeigt wird. Die halbe Welt dürfte hochinteressiert sein und sich in den kommenden Wochen auf den Weg nach Prag machen. Was ist schon der jugendliche Ötzi gegen die hochbetagte Lucy!“
Nur zur Erläuterung: Im Prager Nationalmuseum läuft seit einer Woche eine Ausstellung, bei der über drei Millionen Jahre alte Fossilien von Vormenschen zu sehen sind. Die wertvollen Exponate Lucy und Selam wurden vom äthiopischen Nationalmuseum in Addis Abeba ausgeliehen. Sie sind in Europa zum ersten Mal zu sehen. Das Nationalmuseum zeigt die Objekte im Rahmen der Ausstellung „Lidé a jejich předci “ (Die Menschen und ihre Vorfahren). Sie kann bis 23. Oktober besucht werden.
Vorfahren in Jílové u Prahy
Zurück noch zur Personensuche. Auch bei der Ahnenforschung können wir nur mit allgemeinen Empfehlungen helfen. Fragen nach konkreten Vorfahren können wir kaum beantworten. Wie etwa die von Dr. Andreas Friedrich-Liebenberg:
„Ich suche Informationen über meine Vorfahren. Es handelt sich um meinen Ur-Ur-Großvater, über den ich nur folgende Information habe: Adalbert Johann Friedrich, verheiratet mit Anna von Wodruba, Eheschließung 26.10.1822, Pfarramt St. Adalbert, Eule (Jílové u Prahy), Böhmen, und meinen Ur-Groß-Onkel, Ernst Wilhelm (von) Friedrich, geb. 15.12.1872, Kadetten-Ausbildung in Großwardein. Falls Sie über die Personen und deren Vorfahren Informationen haben, bitte ich um Weitergabe an mich.“
In diesem Fall fällt mir ein, sich an das Regionalmuseum in Jílové u Prahy zu wenden; vielleicht werden Sie dort auf die Spur Ihrer Ahnen gebracht. Zweifelsohne muss auch das Archiv der Kadettenschule in Großwardein, heute Oradea, irgendwo aufbewahrt werden, in dem Sie Informationen zu Ihrem Ur-Groß-Onkel finden könnten. Die Frage ist aber, ob es sich in Rumänien befindet, oder im Kriegsarchiv in Wien. Haben Sie schon versucht, bei der Österreichischen Gesellschaft für Familien- und regionalgeschichtliche Forschung nachzufragen? Das wäre wohl die richtige Stelle.
Mit großer Freude haben wir die liebe Nachricht von Christopher Colditz gelesen:
„Ich wollte mich bei Ihnen einfach mal bedanken. Als Sachse bin ich schon seit meiner Kindheit immer wieder in unserem tschechischen Nachbarland, egal ob auf Urlaub oder als Wochenendtrip mit dem beliebten Speisewagen der České dráhy. Leider bekommt man in unserer Medienlandschaft generell nur wenig mit, was in unseren Nachbarländern so passiert. Dank Radio Prague International habe ich aber immer ein kleines Fenster, durch das ich immer wieder Spannendes erfahre, was hinter der Grenze so passiert.“
Schreiben Sie uns weiter an Radio Prag International, deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder per E-Mail an: [email protected].














