Tschechische Wirtschaft wächst unverhofft stärker – trotz geringerer Nachfrage aus Deutschland
Die Konjunktur in Tschechien brummt. Das zeigt das nach oben korrigierte Wirtschaftsergebnis für das dritte Quartal dieses Jahres. Was steht dahinter?
Während in Deutschland die Wirtschaftsbosse von einer tiefen Krise der Industrie sprechen, haben ihre Kollegen in Tschechien derzeit Grund zur Freude. Denn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zuletzt hierzulande stärker gewachsen als erwartet. Vladimír Kermiet vom Statistikamt (ČSÚ) fasste in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks zusammen:
„Die präzisierte Schätzung für das dritte Quartal dieses Jahres zeigt ein steigendes Wachstum der tschechischen Wirtschaft. Das BIP, bereinigt von saisonalen Einflüssen und Preisschwankungen, stieg im Vergleich zum vorigen Quartal um 0,8 Prozent und im Jahresvergleich um 2,8 Prozent.“
Schon die erste Schätzung von vor einem Monat sei für die Analysten eine positive Überraschung gewesen, sagt Petr Bartoň. Er ist Hauptökonom der Investmentgruppe Natland. Nun hätten die Statistiker das Quartalsergebnis noch einmal um einen Zehntelpunkt erhöht, so der Experte.
Das Wachstum wird sowohl von der Nachfrage im Inland als auch im Ausland getragen. Bartoň erläutert:
„Fast die Hälfte des Wachstums geht darauf zurück, dass die tschechischen Privathaushalte wieder mehr Dinge einkaufen und verbrauchen. Dazu war es zuvor nicht gekommen, und das war der Hauptgrund, warum die Wirtschaft hierzulande seit der Corona-Pandemie lange Zeit stagnierte.“
Auch im Vergleich zu den weiteren EU-Staaten kämpfte Tschechien schwer mit den Folgen von Pandemie, Inflation und Energiepreisschock. Und die Verbraucher hierzulande begannen zu sparen. Doch in den vergangenen Monaten ist die Zuversicht in viele Privathaushalte zurückgekehrt...
„Seit mehr als einem Jahr steigen die Reallöhne an. Das heißt, die Einkommen der Haushalte steigen stärker an als die Preise. Und schon vor langem haben wir bei den Reallöhnen das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie überschritten“, so Petr Bartoň.
Der zweite Faktor seien die Investitionen des privaten Sektors, die auch erneut nach oben zeigen würden, sagt der Analyst. Das führt insgesamt zu einer Leistung, die sich durchaus sehen lassen kann:
„Wir wachsen schneller als der Rest der Europäischen Union. Und wir gehören auch im Vergleich mit dem ganzen Rest der Welt zum oberen Drittel. Das ist eher erstaunlich, denn ansonsten hinken die europäischen Länder den anderen hinterher.“
Unter den Industriestaaten, die zur OECD gehören, kann sich Tschechien derzeit des sechsthöchsten Wirtschaftswachstums rühmen.
Auch der Export trägt zu dieser Entwicklung bei. Die Aussichten gehen dahin, dass in diesem Jahr Waren und Dienstleistungen im Rekordumfang aus Tschechien ausgeführt werden. Ihr Gesamtwert soll bei 6,25 Billionen Kronen (260 Milliarden Euro) liegen. Dies bedeutet einen Anstieg um 2,3 Prozent. Allerdings verlangsamt sich damit der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, als plus 7,6 Prozent zu Buche standen. Die Gründe kennt Otto Daněk, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes tschechischer Exporteure:
„Es gibt eine ganze Reihe an Faktoren. Vor allem ist die Nachfrage aus Deutschland immer noch gering. Zudem bestehen weiter Unklarheiten über den Handel mit den USA. Was aber wohl einen großen Einfluss hat, ist das Erstarken der tschechischen Währung, sodass ein Euro im Vergleich zum vergangenen Jahr eine Krone weniger kostet.“
Die tschechischen Exportfirmen haben seinen Aussagen nach wegen der starken Krone in den ersten drei Quartalen dieses Jahres rund 70 Milliarden Kronen (2,9 Milliarden Euro) an Gewinn verloren.
Etwa ein Drittel der Ausfuhren von hier gehen nach Deutschland. Deswegen sorgt man sich bei den tschechischen Firmen auch weiterhin.
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„Die Bundesrepublik durchlebt seit einigen Jahren eine Krise, die immer noch nicht abklingt. Das ist die erste Sache. Die zweite ist das Erstarken der Krone, was die Konkurrenzfähigkeit unserer Waren auf allen Märkten und damit auch auf dem deutschen mindert“, so Daněk.
Und nun müssen sich die Exporteure laut dem Verbandsvize auch noch darum Sorgen machen, ob Deutschland seine Energiepreise radikal senkt. Das würde die Position tschechischer Produkte auf dem dortigen Markt noch weiter schwächen, so der Fachmann.








