Verfolgung von Schauspieler vor über 40 Jahren: Polizei ermittelt gegen vier einstige StB-Offiziere

Tomáš Töpfer

Die tschechische Polizei hat Ermittlungsverfahren gegen vier ehemalige Offiziere der kommunistischen Geheimpolizei StB eingeleitet. Sie sollen sich in den 1970er und 1980er Jahren an der Verfolgung des bekannten Schauspielers Tomáš Töpfer beteiligt haben.

Foto: Polizei der Tschechischen Republik

Wegen seiner Kritik am kommunistischen Regime in der Tschechoslowakei und seinem jüdischen Glauben soll der heute 75-jährige Schauspieler Tomáš Töpfer einst ins Visier der tschechoslowakischen Staatssicherheit (StB) geraten sein. Am Dienstag hat die Polizei deshalb bekanntgegeben, Ermittlungsverfahren gegen mehrere ehemalige Stasi-Angehörige einzuleiten. Jakub Vinčálek ist Sprecher des Polizeipräsidiums und sagte dem Tschechischen Rundfunk:

„Wir haben uns aus eigenem Antrieb mit dem Fall beschäftigt. Wir verdächtigen vier Personen einer schweren Straftat – und zwar des Amtsmissbrauches.“

Foto: Polizei der Tschechischen Republik

Laut den Ermittlern ist der Fall vor allem wegen der Dauer der Spitzeltätigkeit und des Ausmaßes der Folgen so besonders. Vinčálek schildert:

„Die StB-Angehörigen haben Töpfer sowohl sein Privat- aus auch sein kulturelles Leben verdorben.“

Bei der tschechischen Polizei beschäftigte sich das Amt für die Dokumentation und Untersuchung kommunistischer Verbrechen (ÚDV SKPV) mit dem Fall. Der Stelle war zuvor ein Ordner der einstigen Staatssicherheit über Töpfer in die Hände gekommen. Die Akte hatte 324 Seiten. Der Beginn der Aufzeichnungen lag im Jahr 1977. Damals unterzeichnete der Schauspieler zwar nicht die regimekritische Charta 77, er trug aber zu ihrer Verbreitung bei. Laut dem Polizeisprecher soll die kommunistische Staatssicherheit nicht nur Agenten auf Töpfer angesetzt, sondern ihn auch mehrfach verhört und zu einer Zusammenarbeit gedrängt haben. Insgesamt sollen sich 20 StB-Mitarbeiter an der Verfolgung des Schauspielers beteiligt haben. Während diese Zahl zunächst hoch erscheinen mag, merkt Libor Svoboda vom Institut für das Studium totalitärer Regime (ÚSTR) an:

Foto: Tschechisches Fernsehen

„Das Interesse der Stasi an Herrn Töpfer begann in Ostrau. Von dort gelangte die Akte nach Ústí nad Labem und dann nach Prag. Die Referatsleiter und Führungskräfte und ebenso die operativen Angestellten wechselten sich mit der Zeit ab. Und die Zeitspanne reichte von 1977 bis 1987. Deshalb halte ich die Zahl von 20 Mitarbeitern nicht für enorm.“

Foto: Polizei der Tschechischen Republik

Von den 20 einstigen StB-Mitarbeitern, die im Laufe der Jahre auf Töpfer angesetzt wurden, kam das Oberkommissariat bei zwölf Menschen zu dem Schluss, dass sie strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden müssen. Bei acht Personen wurden die Ermittlungen aber eingestellt, da sie bereits verstorben sind oder aus anderen Gründen keine Strafverfolgung möglich ist. Die vier Menschen, gegen die nun hingegen ermittelt wird, sind im Alter von 70 bis 80 Jahren. Im Falle einer Verurteilung würden ihnen Haftstrafen von einem bis zu zehn Jahren drohen.

Tomáš Töpfer | Foto: Jana Švecová,  Tschechischer Rundfunk

Tomáš Töpfer selbst ist heute einer der bekanntesten tschechischen Film- und Fernsehschauspieler. Er ist auch als Regisseur tätig und leitet das Prager Theater Divadlo na Vinohradech. Zudem ist Töpfer in der Politik aktiv, seit 2022 sitzt er für die bürgerdemokratische Partei ODS im Senat. Im Interview mit dem Tschechischen Rundfunk betonte Töpfer am Dienstag, dass er persönlich die aktuellen Polizeiermittlungen keinesfalls veranlasst habe. Zudem sagte er:

„Ich bin froh, dass jede Sünde an die Oberfläche kommt und sich die Täter auch nach 40 Jahren nicht verstecken können. Die Frage ist aber, ob das heute überhaupt noch jemanden interessiert.“

Mit Verweis auf Premier Andrej Babiš (Partei Ano) und Kulturminister Oto Klempíř (parteilos) merkte Töpfer zudem an, dass der Fall für ihn keine Genugtuung bedeute, da zwei ehemalige StB-Agenten derzeit Mitglied der tschechischen Regierung seien.

Autoren: Ferdinand Hauser , Jan Duchoslav | Quelle: Český rozhlas
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