Wie die Jesuiten das Antlitz von Kutná Hora veränderten: Ausstellung im Tschechischen Museum des Silbers

Die Direktorin des Silbermuseums, Lenka Mazačová, mit einem Gipsmodell eines Indianerkopfes

Im Tschechischen Museum des Silbers in Kutná Hora wurde vor Kurzem eine Ausstellung über den Jesuitenorden eröffnet.

Die Forschungs- und Bildungsarbeit der Jesuiten in der mittelböhmischen Stadt Kutná Hora steht im Fokus einer Ausstellung, die im dortigen Tschechischen Museum des Silbers zu sehen ist. Die Jesuiten hätten die Architektur der Stadt bedeutend beeinflusst, sagt Museumsleiterin Lenka Mazačová:

Foto: České muzeum stříbra

„Die Jesuiten sind 1626, also vor 400 Jahren, offiziell nach Kutná Hora gekommen. Nach einem Festgottesdienst wurden ihnen die Schlüssel von der St. Barbara-Kirche übergeben. Ihre Ankunft war recht feierlich. Die Situation in der Stadt war nach der Schlacht am Weißen Berg wirtschaftlich verhältnismäßig kompliziert. Zudem war die Gegend von Kutná Hora nicht katholisch. Es war damals notwendig, die Pfarreien wieder in Stand zu setzen und die Bevölkerung zum katholischen Glauben zurückzuführen.“

Der Titel der Ausstellung lautet „Wege der Wissenschaft, Grenzen des Glaubens – 400 Jahre seit der Ankunft der Jesuiten in Kutná Hora“. Der Hauptsitz des Jesuitenordens habe sich im Kolleg befunden, erzählt die Museumsleiterin:

Hrádek | Foto: České muzeum stříbra

„Heute hat die Galerie des Mittelböhmischen Kreises den Sitz im ehemaligen Jesuitenkolleg. Da sich der Orden stark im Bildungsbereich engagierte, befand sich direkt im Kolleg ein Gymnasium. Und hier in Hrádek, wo unser Museum untergebracht ist, wurde das Seminar eingerichtet, in dem vor allem musikalisch begabte Studenten wohnten.“

Mehr als 50 Exponate dokumentieren die Tätigkeit der Jesuiten in Kutná Hora. So wird etwa eine Reihe von Gemälden gezeigt.

„Darunter sind Bilder, die an verschiedene Wissenschaftler aus dem Jesuitenorden  erinnern. Zu ihnen gehörte Jiří Plachý (1606–1664). Er unterrichtete in Prag, Olmütz und auch in Kutná Hora. Mehrere Exponate dokumentieren die Forschungsbereiche, in denen sich die Jesuiten durchgesetzt hatten. Aus dem Prager Náprstek-Museum haben wir uns zudem einige exotische Gegenstände geliehen. Diese erinnern an die Missionsarbeit. Dazu gehören beispielsweise eine Halskette aus Affenzähnen und eine Mütze mit Papageienfedern, die aus Brasilien stammt.“

Außer dem großen Gebäude des Kollegs, das gleich neben der St.-Barbara-Kirche steht, haben die Jesuiten auch weitere architektonische Spuren in Kutná Hora hinterlassen. Die Museumsdirektorin:

Der Garten des Jesuitenkollegs,  im Hintergrund die St.-Barbara-Kirche | Foto: Klára Stejskalová,  Radio Prague International

„Der Bau des Jesuitenkollegs stellte damals einen großen Einschnitt in das Stadtbild dar. Das frühere Kolleg ist heute eine der historischen Dominanten der Stadt – neben der St.-Barbara-Kirche. Zudem entstanden damals zahlreiche Barockgebäude, wie die Nepomuk-Kirche. Die Jesuiten luden renommierte Künstler in die Stadt ein, diese beteiligten sich an der Gestaltung der Kirchen. Auch in unserem Museum werden einige Gemälde aus dieser Zeit aufbewahrt, die Ignác Viktorin Raab gemalt hat.“

Jesuiten kümmern sich um Pestkranke

1680 wurden mehrere Teile Europas und auch die Böhmischen Länder von einer Pestepidemie betroffen. Damals hätten sich die Jesuiten stark an der Pflege der Kranken in der Stadt beteiligt, wie die Museumsleiterin erklärt:

Ein Manuskript,  das auch einige kuriose Ratschläge und Heilmethoden gegen die Pest enthält | Foto: České muzeum stříbra

„Sie haben sich um die Kranken gekümmert, ihnen nicht nur einen geistlichen Trost gewährt und das Sakrament der Krankensalbung gespendet, sondern sie wirklich gepflegt. Die Jesuiten stellten auch Handbücher mit Ratschlägen zusammen, wie die Pestepidemie zu bekämpfen sei und wie man sich während der Epidemie verhalten solle. Da sie als Naturforscher vermutlich bessere Kenntnisse als die damalige Bevölkerung hatten, dachten sie sich auch ein Quarantänesystem aus und empfahlen bestimmte Medikamente gegen die Pest, wie beispielsweise Chinin.“

Äquatoriale Sonnenuhr aus dem Jahr 1724 | Foto: České muzeum stříbra

In der Ausstellung werden im Zusammenhang mit der Pestepidemie auch zeitgenössische Handbücher anderer Autoren gezeigt, die sehr kuriose Behandlungsmethoden enthalten – dazu gehörte beispielsweise der Rat, eine Taube auf die Pestbeule zu legen. Derartige obskure Methoden wurden jedoch von den Jesuiten abgelehnt.

Im Museum wird außerdem eine Reihe von Gegenständen gezeigt, die mit der wissenschaftlichen Tätigkeit der Jesuiten zusammenhängen. Dazu Eva Altová, die die Ausstellung mitkuratiert hat:

„Wir präsentieren vor allem eine Sonnenuhr mit einem astronomischen Gerät. Zudem finden sich hier mehrere wissenschaftliche Schriften. Wir wissen nicht genau, ob sie alle aus der Jesuitenbibliothek stammen. Aber wir vermuten das.“

Horizontale Sonnen- und Monduhr aus Messing aus dem Jahr 1630 | Foto: České muzeum stříbra

Besinnung beim Gedicht von Bedřich Bridel

Im historischen Saal befindet sich ein kleiner, zum Teil geschlossener Raum, aus dem eine Rezitation zu hören ist. Lenka Mazačová:

Bedřich Bridel | Quelle: Československé dějiny v obrazech,  public domain

„Hier können die Besucher über die Welt nachdenken und meditieren. Zu hören ist ein Gedicht vom Barockdichter Bedřich Bridel. Mit dieser geistlichen Dimension wollten wir die Atmosphäre der Ausstellung unterstreichen.“

Bridel schrieb nicht nur Gedichte, sondern auch philosophische und didaktische Werke. Während der Pestepidemie hat er ebenfalls die Kranken gepflegt, sich angesteckt und ist im Oktober 1680 in Kutná Hora gestorben.

Der Großteil der Exponate für die aktuelle Ausstellung stammt laut Mazačová aus den eigenen Sammlungen des Museums. Einige Gemälde wurden von den hiesigen Pfarreien ausgeliehen. Die Museumsleiterin macht zudem auf eine interaktive Landkarte aufmerksam, die für die Schau kreiert wurde:

„Die Besucher können sich anhand der Karte eine Vorstellung davon machen, wie die Jesuitenmissionare in exotische Länder gereist sind. Als Beispiel dient eine Reise von Prag nach Manila. Bei den damaligen Verkehrsmöglichkeiten war dies ein abenteuerliches Unterfangen.“

Auch direkt im Museum erinnern zwei Wandgemälde an die Jesuiten. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem ersten ist eine Inschrift mit dem Namen Josef erhalten, das andere stellt ein Medaillon mit dem Heiligen Wenzel dar.

1775 verließen die Jesuiten Hrádek wieder. Damals wurde der Orden vom Papst aufgelöst.

Wie ist die vorherige Geschichte von Hrádek, wo heute das Museum untergebracht ist? Die Museumsleiterin:

Lenka Mazačová | Foto: René Volfík,  České muzeum stříbra

„Hrádek wurde Anfang des 14. Jahrhunderts als eine Festung aus Holz erbaut. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg zum Sitz des Adels, der hier in der Nähe Silber förderte. Dank des Silbers waren die hiesigen adeligen Unternehmer in der Lage, ihren Sitz in eine Residenz auszubauen, die aus vier Flügeln besteht. Und diese ist bis heute erhalten.“

Nach dem Besuch der Ausstellung über den Jesuitenorden lädt die Museumsleiterin noch in die Dauerausstellung ein:

„Im Fokus der Dauerausstellung steht die Geschichte von Kutná Hora von den Anfängen, also der Entstehung der Stadt, über die Silberförderung bis zur Schließung der Silbergruben. Gezeigt werden archäologische Funde, die direkt aus Hrádek stammen.“

Foto: René Volfík,  České muzeum stříbra

Silber wurde laut Lenka Mazačová in Kutná Hora seit dem 13. Jahrhundert gefördert. Die Anfänge waren sehr spontan, und die Förderung wurde dann im 18. Jahrhundert beendet. Die Besucher können im Silbermuseum ein mittelalterliches Bergwerk besichtigen. Wie viele Menschen besuchen das Museum?

„Im vergangenen Jahr waren wir von der außerordentlich hohen Besucherzahl von mehr als 200.000 Menschen überrascht. Dies waren 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Ungefähr 18 Prozent davon kamen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, Polen, Großbritannien, Frankreich und Südkorea.“

Das Silbermuseum bietet Führungen auf Englisch an. Zudem stehen die Texte auch in anderen Fremdsprachen zur Verfügung. Außer dem Hauptsitz in Hrádek gehören noch das sogenannte „Steinhaus“ und das Tyl-Haus zum Museum. Das zuletzt genannte Gebäude wird derzeit in Stand gesetzt.

Die Ausstellung mit dem Titel „Wege der Wissenschaft, Grenzen des Glaubens – 400 Jahre seit der Ankunft der Jesuiten in Kutná Hora“ ist bis 10. Januar 2027 im Tschechischen Museum des Silbers zu sehen. Mehr über das Museum erfahren Sie unter https://www.cms-kh.cz/eng/hradek-exposition.

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