Bis zu 80 Jahre Gesamtlaufzeit: Tschechien will das Atomkraftwerk Dukovany deutlich länger betreiben

Laut einer Analyse des tschechischen Energiekonzerns ČEZ könnten die bestehenden Reaktorblöcke im Atomkraftwerk Dukovany viel länger am Netz bleiben als ursprünglich geplant. Die entsprechenden Pläne hat Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (Partei Ano) am Donnerstag vorgestellt. Während dies auch von der parlamentarischen Opposition in Tschechien mit großer Zustimmung aufgenommen wurde, sorgen sich die Atomkraftgegner hierzulande und auch in Österreich.

Im südmährischen Atomkraftwerk Dukovany stehen vier Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart. Sie wurden einst für eine Laufzeit von 30 Jahren konzipiert. Die Laufzeit ist allerdings bereits auf 60 Jahre verlängert worden. Nun hat der Betreiber, der halbstaatliche Energiekonzern ČEZ, eine weitere Studie zu diesem Thema ausarbeiten lassen. Dazu ČEZ-Generaldirektor Daniel Beneš am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Prag:

Daniel Beneš | Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

„Unsere aktuellen Analysen zeigen, dass wir die Reaktoren länger betreiben können – nämlich bis zu einer Gesamtlaufzeit von 80 Jahren. Das ist sowohl aus dem Blickwinkel der Sicherheit als auch der Lebenszeit des Atommeilers möglich. Außerdem ist es wirtschaftlich vorteilhaft und daher logisch.“

Die derzeitigen Reaktorblöcke in Dukovany gingen zwischen 1985 und 1987 ans Netz. Sie sollen nun bis in die Jahre 2065 bis 2067 betrieben werden. Außerdem plant die tschechische Regierung, an dem Standort zwei weitere Blöcke zu errichten. Mit dem Bau ist das koreanische Unternehmen KHNP beauftragt.

Akw Dukovany | Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Dass nun auch die bestehenden Blöcke über 2045 hinaus am Netz bleiben können, bezeichnete Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček als „hervorragende Nachricht“. Er hatte die Pressekonferenz dazu einberufen und sagte, man könne die Verlängerung der Laufzeit als feststehende Tatsache betrachten…

„Dies ist eine wichtige Nachricht für die Stabilität im Bereich der Energieversorgung Tschechiens. Es ist auch eine bedeutende Nachricht für die tschechische Industrie, denn natürlich muss in den Erhalt der Reaktorblöcke investiert werden. Das werden ab dem Jahr 2034 oder 2035 jährlich wohl fünf bis sechs Milliarden Kronen sein“, so Havlíček.

Diese Summe entspricht umgerechnet 205 bis 246 Millionen Euro. Auch die parlamentarische Opposition begrüßte die Laufzeitverlängerung. In diesem Sinn äußerten sich etwa der frühere Industrie- und Handelsminister Lukáš Vlček von der Bürgermeisterpartei Stan und der Vorsitzende der Piratenpartei, Zdeněk Hřib, gegenüber der Presseagentur ČTK.

Das Staatliche Amt für Reaktorsicherheit (SÚJB) hat prinzipiell nichts gegen die Pläne mit den Druckwasserreaktorblöcken in Dukovany einzuwenden. Amtsleiter Štěpán Kochánek merkte an:

Štěpán Kochánek | Foto: Michaela Danelová,  iROZHLAS.cz

„Wir als Regulierungsbehörde für die Kernkraft können mit voller Verantwortung verkünden, dass das Atomkraftwerk Dukovany derzeit zu den am besten betriebenen und gewarteten Einrichtungen dieses Typs auf der Welt gehört.“

Kochánek betonte aber auch, dass der Betreiber ČEZ eine Reihe von Bedingungen für den Weiterbetrieb erfüllen müsse. Damit meinte er vor allem regelmäßige Kontrollen des Materials und eine Modernisierung aller Teile, bei denen dies möglich ist. Allerdings erwähnte er auch, dass bei diesem Reaktortyp bestimmte Teile eben nicht ausgetauscht werden könnten.

Herbert Stoiber | Foto: Atomstopp

Genau das ist aber ein Problem, das Atomkraftgegner mit Dukovany haben: dass es sich um einen Reaktor mit veralteter sowjetischer Technik handelt. Herbert Stoiber ist Obmann des Vereins „Atomstopp – atomkraftfrei leben“ in Oberösterreich. Gegenüber Radio Prag International sagte er, dass zum Beispiel der Reaktordruckbehälter nicht ausgetauscht werden könne. Und weiter:

„Der Reaktor in Dukovany muss im Wesentlichen ohne ein Containment auskommen. Das hat Ähnlichkeiten mit dem Reaktor in Tschernobyl. Und wenn es dort zu einer gefährlichen Reaktion käme, wäre das eine große Katastrophe, die weite Regionen verstrahlen würde. Die Laufzeitverlängerung über eine so lange Zeit ist einfach ein Sicherheitsrisiko.“

Jaroslav Bican | Foto: Jana Přinosilová,  Tschechischer Rundfunk

Stoiber appelliert zudem an die österreichische Bundesregierung, auch in der EU mehr Druck zu machen gegen eine solche Technologie.

Tschechische Umweltverbände äußerten sich ebenfalls kritisch zu den Plänen, die Laufzeit der Dukovany-Blöcke zu verlängern. So sagte Jaroslav Bican von Greenpeace der Presseagentur ČTK, dass stattdessen die Bedingungen geschaffen werden sollten für einen starken Ausbau der erneuerbaren Energien.

Autor: Till Janzer | Quelle: ČTK
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