Tschechien nimmt US-amerikanischen Arzt mit Kontakt zu Ebola-Erkranktem auf

Vermutlich bereits seit mehreren Wochen breitet sich das Ebola-Virus in Zentral- und Ostafrika aus. Infektionen wurden bisher aus der Demokratischen Republik Kongo und aus Uganda gemeldet. Nun nimmt Tschechien einen Arzt auf, der Kontakt zu einem Ebola-Erkrankten gehabt haben soll.

Der Mann, der an Ebola erkrankt sein könnte und derzeit auf dem Weg von Uganda nach Prag ist, ist US-amerikanischer Staatsangehörigkeit. Er war in Zentralafrika als Mediziner im Einsatz. Derzeit weist er laut Aussage des tschechischen Gesundheitsministeriums keine Symptome auf. Ressortchef Adam Vojtěch (parteilos) schilderte am Mittwochmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Adam Vojtěch | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Wir wurden gestern von den Vereinigten Staaten über deren Botschaft in Prag um Hilfe angesucht. Wir wurden darüber informiert, dass eine Gruppe Ärzte möglicherweise infiziert ist, weil sie mit Ebola-Kranken im Kongo sowie in Uganda Kontakt hatten. Die Vereinigten Staaten evakuieren diese Personen derzeit. Der Großteil wird nach Deutschland gebracht, und als zweiter Staat wurden wir angefragt.“

Vojtěch betont, dass eine Ausbreitung des Virus in Tschechien ausgeschlossen sei. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit drohe also nicht. So erfolge auch der Transport des Patienten, für den die USA aufkommen, unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.

Foto: Uniklinik Bulovka

„Wir haben heute Morgen die Information bekommen, dass der Mann in einem Spezialflugzeug nach Prag gebracht wird, und – abgesehen von den Piloten – alleine an Bord sein wird. Es wird also keine Kontaktpersonen geben. Noch auf der Landebahn wird er von den Spezialisten des Prager Rettungsdienstes in Empfang genommen.“

Nach seiner Ankunft am Abend wird der Amerikaner in die Universitätsklinik Bulovka gebracht. Dort gibt es eine spezielle Abteilung für hochinfektiöse Patienten, die hermetisch vom Rest der Klinik abgeriegelt ist. Der möglicherweise erkrankte Mediziner werde dort mehrere Wochen verbringen, so Vojtěch.

„Die Inkubationszeit bei Ebola beträgt 21 Tage. Das heißt, dass die Person für rund drei Wochen im Krankenhaus unter strenger Beobachtung isoliert sein wird. Wenn die Krankheit während dieser Zeit nicht ausbricht, wird der Mann natürlich entlassen.“

Foto: Uniklinik Bulovka

Dass sich die USA mit ihrem Gesuch gerade an Tschechien gewandt haben, zeigt laut Gesundheitsminister Vojtěch den guten Ruf der tschechischen Infektionsmedizin in der Welt. Andere Anfragen würden zurzeit nicht vorliegen, und eine Aufnahme weiterer Ebola-Verdachtsfälle oder Patienten stehe derzeit auch nicht zur Debatte, so Vojtěch. Identisch äußerte sich am Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz auch Hana Roháčová, die Leiterin der Klinik für Infektionsmedizin des Prager Krankenhauses Bulovka:

Hana Roháčová | Foto: Karolína Němcová,  Tschechischer Rundfunk

„Wir rechnen nicht mit der Aufnahme weiterer Kontaktpersonen oder erkrankter Menschen. Unsere Kapazitäten sind zwar noch etwas größer. Wir müssen aber auch Plätze für tschechische Bürger vorhalten. Denn diese reisen selbstverständlich viel, und es kann ja alles Mögliche passieren. Wir müssen uns gegebenenfalls genauso gut um sie kümmern können wie nun um den Kollegen aus Amerika.“

Illustrationsfoto: bhossfeld,  Pixabay,  Pixabay License

Ebola ist eine Infektionskrankheit, die über Körperflüssigkeiten übertragen wird. Von 2014 bis 2016 gab es in Westafrika den weltweit bisher größten Ausbruch. Bei den aktuellen Erkrankungen handelt es sich um Infektionen mit der Virusvariante Bundibugyo, gegen die es keinen Impfstoff und auch keine Therapie gibt. Bisher wurden 513 Verdachtsfälle und 131 mutmaßliche Todesfälle gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rief deshalb am Sonntag eine Notlage internationaler Reichweite für ganz Afrika aus. Deutschland nahm in der Nacht zu Mittwoch einen ersten Ebola-Patienten auf. Es handelt sich ebenfalls um einen US-amerikanischen Arzt, der sich im Kongo angesteckt hat. Er wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in die Berliner Charité gebracht.

In Tschechien gab es bisher noch nie einen Ebola-Fall. Vor einem Jahr wurde ein Mann mit Anzeichen auf die Krankheit in der Bulovka-Klinik behandelt. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht. Auch bei den 26 Kontaktpersonen, die in Quarantäne geschickt wurden, konnte das Ebola-Virus nicht nachgewiesen werden.

Foto: Uniklinik Bulovka
Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
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