Amtsübernahme in schwierigen Zeiten: Tschechien hat neuen Generalstabschef

Miroslav Hlaváč

Die tschechische Armee hat einen neuen Chef. Miroslav Hlaváč wurde am Dienstagvormittag von Staatspräsident Petr Pavel zum Leiter des Generalstabs ernannt.

Punkt neun Uhr kamen auf der Prager Burg die drei wichtigsten Männer der tschechischen Armee zusammen: Staatspräsident Petr Pavel, der formell Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, Karel Řehka, der als Generalstabschef ausscheidet, und Miroslav Hlaváč, der diese Funktion nun übernimmt. In einer knapp zehnminütigen Zeremonie, bei der auch Verteidigungsminister Jaromír Zůna (parteilos) anwesend war, bekam Řehka seine Entlassungsurkunde und Hlaváč das Dokument seiner Ernennung.

Miroslav Hlaváč und Petr Pavel | Foto: Prager Burg / Büro des Präsidenten der Republik

„Ihn erwartet keine leichte Zeit. Nicht nur wegen der Modernisierung der Armee, die langsamer vonstattengeht, als wir es uns wünschen würden. Wir müssen zudem auch Veränderungen implementieren, die hinsichtlich der Entwicklung der Konflikte nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Nahen Osten nötig sind. Und wir müssen uns der neuen Realität in der Nato anpassen.“

Diesen Ausblick gab Präsident Pavel dem neuen Generalstabschef mit auf den Weg und wünschte ihm viel Kraft und Glück.

Hlaváč war bisher Generalleutnant. Nachdem er von der Regierung als Řehkas Nachfolger vorgeschlagen worden war, wurde er Anfang Juni vom Staatspräsidenten zum Gespräch empfangen. Nach diesem Treffen legte Hlaváč der Presse seine Prioritäten im neuen Amt dar:

„Ich will mich auf zwei Bereiche konzentrieren. Einmal sind das die Beziehungen zur Nato und zur Europäischen Union. Und dann geht es um den Ausbau der Fähigkeiten sowie die Modernisierung der Armee Tschechiens. Die Prioritäten liegen grundsätzlich auf den Brigaden der Schweren und der Mittleren Kräfte sowie auf der Vollendung der bereits laufenden Projekte.“

Zudem wolle er die Luft- und Drohnenabwehr der Armee verstärken, kündigte Hlaváč an.

Petr Pavel,  Karel Řehka und Miroslav Hlaváč | Foto: Prager Burg / Büro des Präsidenten der Republik

Ein Leben für die Armee

Der heute 61-Jährige hat sein Leben lang der Armee gedient. Er ging auf ein Militärgymnasium und besuchte anschließend die Militärakademie in Vyškov. Mit den Landstreitkräften absolvierte Hlaváč Auslandseinsätze in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Afghanistan. Seit acht Jahren ist er Mitglied des Generalstabs, die letzten knapp drei Jahre davon als erster Stellvertreter des obersten Leiters Karel Řehka. Das Führungsduo hat gemeinsam ein neues Konzept zum Umbau der tschechischen Armee erarbeitet. Darum sah Řehka der Amtsübergabe kurz zuvor optimistisch entgegen:

Miroslav Hlaváč | Foto: Jan Handrejch,  Právo / Profimedia

„Miroslav Hlaváč war die ganze Zeit bei allen wichtigen Entscheidungen dabei, darum besteht der Vorteil der Kontinuität. Die Amtsübergabe wird verhältnismäßig einfach sein, denn wir arbeiten im Prinzip tagtäglich zusammen an verschiedenen Projekten.“

Der Generalstabschef wird in Tschechien von der Regierung vorgeschlagen. Über die Personalie herrschte im Kabinett zunächst keine Einigkeit. Es war sogar Verteidigungsminister Jaromír Zůna, der gegen Hlaváč stimmte. Mit seinen eigenen Kenntnissen des Armeeumfelds in Tschechien könne er sich geeignetere Kandidaten vorstellen, argumentierte Zůna damals. Premier Andrej Babiš (Partei Ano) setzte sich jedoch durch und begründete:

„Im Rahmen der Kaderordnung ist der erste Stellvertreter des derzeitigen Generalstabschefs für mich die natürliche Wahl.“

Karel Řehka,  Miroslav Hlaváč und Petr Pavel | Foto: Prager Burg / Büro des Präsidenten der Republik

Hohe Erwartungen

Der zweite Teil der Zeremonie zur Amtsübergabe fand am Dienstagvormittag auf dem Prager Vítkov-Hügel statt. Dort kamen Soldaten und Armeeführungskräfte zum Ehrentag der Streitkräfte zusammen, der in Tschechien immer am 30. Juni begangen wird. In seiner Rede wandte sich dann auch Verteidigungsminister Zůna an Miroslav Hlaváč – mit Glückwünschen und einem klaren Auftrag:

Miroslav Hlaváč und Jaromír Zůna | Foto: Roman  Vondrouš,  ČTK

„Ich möchte betonen, dass die personelle Stabilität der Armee meine absolute Priorität bleibt. Von dem neuen Generalstabschef erwarte ich Maßnahmen, die sicherstellen, dass die Soldaten ihren Dienst am Heimatland als vielversprechendes und sicheres Umfeld wahrnehmen.“

Dazu müssten Hlaváč die besten Bedingungen geboten werden, sagte Zůna und fügte hinzu, er sei überzeugt, dass man die anstehenden Aufgaben gemeinsam bewältigen werde.

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