Wanderer, bring einen Stein nach Boží Dar!

Bei Boží Dar treffen Ausflügler seit Neuestem auf ein großes Herz, das im Boden eingelassen ist. Die neue Sehenswürdigkeit bekommt aber erst beim Wanderfest Eurorando ihre endgültige Form. Dann soll sie zu einem echt europäischen Denkmal werden.

Ach, das sei ja ein Herz, bemerkt Šarka im Vorbeigehen. Bei ihrer Wanderung im Erzgebirge kommt sie an einer neuen, noch nicht ganz fertigen Wegmarke vorbei. Bisher sei das Kunstwerk etwas unauffällig, meint Šarka. Aber wenn es bald komplett ist, könnte es schön aussehen.

Foto: Václav Malý,  Tschechischer Rundfunk

Was da in der Nähe von Boží Dar gerade am Entstehen ist, präsentiert seinen Namen gleich in mehreren Sprachen: „Kamenné srdce Evropy“, „Stone heart of Europe“ oder auch „Steinernes Herz Europas“. Diese Aufschriften trägt eine Art Pfeil, der schräg in einem großen Herzen steckt, das auf dem Boden formiert ist. Dazu wurde ein Metallrahmen in die Erde eingelassen. Noch vergangene Woche war auf der Wiese bei der ehemaligen Zollstation ein kleiner Bagger bei der Arbeit zu beobachten, die Aufsicht führte Antonín Jurica:

„Der Entwurf ist ziemlich einfach. Der Architekt hat uns die genaue Gestaltung aufgezeichnet, und wir haben das Ganze ins Gelände implementiert.“

Noch sieht das Kunstwerk aus wie eine überdimensionale Ausstechform für Plätzchen. Bei dem Vergleich geht Jurica mit...

„Sie wurde in die Wiese eingedrückt und dann mit Steinen ausgelegt. Bei den Steinbrocken handelt es sich um den erzgebirgischen Glimmerschiefer, der direkt von diesem Ort hier stammt.“

Das Herz liegt an einem leichten Abhang, sodass es gut von dem vorbeiführenden Radweg aus zu sehen ist. Dadurch könne es auch als schönes Fotomotiv dienen, meint Jurica.

3 Tonnen Steine

Die neue Sehenswürdigkeit entsteht anlässlich des Wanderfestes Eurorando. Es findet alle fünf Jahre in einer anderen Region Europas statt. Und vom 20. bis 27. September dieses Jahres lädt es in die tschechisch-deutsche Grenzregion des Erzgebirges ein. Angeboten werden zahlreiche geführte und individuelle Wandertouren, die zumeist an Aussichtstürmen, Lehrpfaden und interessanten Naturerscheinungen vorbeiführen – oder eben an Attraktionen wie dem neuen „Steinernen Herz Europas“.

Foto: Václav Malý,  Tschechischer Rundfunk

Dieses wird erst während der Veranstaltungswoche seine endgültige Form erhalten, wenn nämlich die Teilnehmer jeweils Steine aus ihrer Heimatregion mitbringen und sie in dem Herzrahmen ablegen. Weiter erläutert Jan Kerner, stellvertretender Leiter der Erzgebirgs-Tourismusagentur, die ihren Sitz in Karlovy Vary / Karlsbad hat:

Jan Kerner | Foto: Krušnohoří/Erzgebirge

„Die Inspiration für das Steine-Herz kam aus Spanien, wo bei einem früheren Eurorando Wasserproben aus ganz Europa zusammengegossen wurden. Wir sagten uns dann, dass zum Erzgebirge anstelle des Wassers eher Steine gehören. Denn es gibt hier eine sehr starke Tagebautradition.“

Bisher liegen in der Herzform bei Boží Dar also nur einheimische Gesteine. Dies solle sich aber zu einer Sammlung aus ganz Europa ausweiten, so Kerner:

„Wenn wir davon ausgehen, dass 3000 Menschen jeweils ein Exemplar von etwa einem Kilogramm mitbringen, dann wird es hier drei Tonnen Steine geben. Das ist die Ladung eines kleineren Tatra-Kippers. Ich glaube, dies wird das Herz gut ausfüllen.“

Auch wenn das internationale Wanderfest Eurorando Ende September endet, muss das „Steinerne Herz Europas“ noch lange nicht als fertig gelten. Laut Kerner darf es durchaus weiter wachsen:

„Das diesjährige Eurorando will die Leute unter anderem dazu motivieren, nach ein oder zwei Jahren wieder ins Erzgebirge zu kommen und ihre Freunde oder Familien mitzubringen. Sie sollen schöne Orte in der Welt entdecken und diese wiederholt besuchen. Dann können sie eben auch einen weiteren Stein in Boží Dar ablegen.“

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