Polizei gelingt Fahndungserfolg im Kampf gegen Neonazis

Foto: Štěpánka Budková

Die Rechtsradikalen in Tschechien treten öffentlich nicht sehr häufig in Erscheinung. Vor einer breiteren Öffentlichkeit machten sie sich im Sommer letzten Jahres lautstark bemerkbar. Damals versuchten sie die Unruhen im Schluckenauer Zipfel in Nordböhmen für ihre Ziele zu nutzen. Am Dienstag weckte jedoch eine neue Information über das tschechische Neonazi-Milieu die Aufmerksamkeit der Medien.

Ende März führte die tschechische Polizei an einigen Orten der Republik Razzien gegen Rechtsradikale durch. Der Sprecher der Abteilung zur Aufdeckung des organisierten Verbrechens, Pavel Hanták:

„Wir haben neun Personen festgenommen. Die Mehrheit davon sind Anhänger von Combat 18, dem militanten Flügel der in Tschechien wieder gegründeten Zweigstelle des rechtsradikalen Netzwerks Blood and Honour. Sie wurden beschuldigt, für eine gegen die Unterdrückung der Menschenrechte und Freiheiten gerichtete Bewegung Propaganda zu machen. Weitere Beschuldigungen stehen zudem noch aus.“

Pavel Hanták (Foto: ČT 24)
Zwei der Beschuldigten verdächtigt die Polizei zudem, Ende Februar einen Brandanschlag auf ein Wohnheim im westböhmischen Aš / Asch durchgeführt zu haben, in dem überwiegend Roma leben. Als Polizisten die beschuldigten Mitglieder der Neonazi-Gruppierung auf eine eventuelle Straftätigkeit hin untersuchten, haben sie neue, höchst wichtige Informationen gefunden. Pavel Hanták:

„Uns steht Material zur Verfügung, aus dem eindeutig hervorgeht, dass diese Gruppierung mit dem Gedanken spielte, Angriffe gegen konkrete Personen und konkrete Ziele in Tschechien durchzuführen. Bei den Fahndungen haben wir zahlreiche Werbegegenstände mit Nazi-Symbolik und Neonazi-Thematik gefunden. Bei den Razzien wurden neben Stichwaffen auch illegal im Besitz gehabte Schusswaffen beschlagnahmt. Alle gefundenen Waffen werden noch von Experten untersucht. Es interessiert uns auch, ob mit ihnen in der Vergangenheit nicht die eine oder andere Straftat begangen wurde.“

Der Politologe Miroslav Mareš von der Brünner Masaryk-Universität ist Experte für Extremismus. Seinen Worten zufolge spielt für die Motivation von Leuten, mit den Neonazis zu sympathisieren, auch die Atmosphäre in der Gesellschaft eine Rolle:

„Es geht oft um eine Kombination von persönlichen Motiven mit der allgemein herrschenden Stimmung in der Gesellschaft. Ein Teil der Anhänger der Rechtsradikalen bemüht sich, in einer Extremisten-Gruppierung ihre Kraft und Autorität zu demonstrieren, die sie anderswo nicht zur Geltung bringen würde. Die Atmosphäre in der Gesellschaft, die Überzeugung, dass die Demokratie schlecht sei, sowie die zahlreichen Korruptionsaffären, die es gibt, spielen eine wesentliche Rolle. Einige der jungen Menschen schließen sich den Rechtsradikalen an, nachdem sie in ihrer Kindheit eine negative Erfahrung mit jungen Roma gemacht hatten. Dies alles sind Gründe dafür, warum sich jemand einer rechtsradikalen Gruppierung anschließt.“

Die Polizei nimmt an, dass die festgenommenen Neonazis auch in weitere Straftaten verwickelt waren. Den Beschuldigten drohen drei bis zu zehn Jahre Haft.