Regierungsvorschlag für neues Schulgesetz

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Von Silja Schultheis.

Nach beinahe elf Jahren Vorbereitungszeit und drei Änderungen hat die Regierung gestern den Entwurf für ein neues Schulgesetz verabschiedet, der eine generelle Umstrukturierung des tschechischen Schulwesens vorsieht. So soll den Schulen beispielsweise künftig der Status von juristischen Personen zufallen. Dies würde gleichzeitig auch die Frage nach ihrer Finanzierung neu aufwerfen und ist daher im Parlament, dem der Entwurf nun vorgelegt wird, umstritten.

Einhergehen sollen die strukturellen Änderungen im Schulwesen mit einer inhaltlichen wie methodischen Umorientierung im Unterricht. Hier beinhaltet der Vorschlag des Schulministers u.a. eine Neuegelung für die Abiturprüfung , die Einführung zweier Fremdsprachen ab der 3. Klasse sowie die Anerkennung von ausländischen Schulabschlüssen. Ferner soll künftig neben der Notenvergabe schriftlichen Beurteilungen ein größeres Gewicht zufallen.

Der am meisten diskutierte und umstrittene Punkt des von der Regierung vorgelegten Gesetzesentwurfes ist zweifelsohne die stufenweise Abschaffung der sogenannten mehrjährigen Gymnasien, die nach Ansicht des Schulministers eine frühzeitige Ungleichbehandlung begabter und weniger begabter Schüler fördern und somit einen zu elitären Charakter haben.

Als Eduard Zeman vergangenen Sommer die Aufhebung der Gymnasien ankündigte, löste er damit eine heftige öffentliche Diskussion über den Sinn und die Zukunft der gymnasialen Ausbildung in Tschechien aus, die inzwischen konkrete Folgen nach sich gezogen hat: Aus Angst davor, dass der Typ der mehrjährigen Gymnasien innerhalb des tschechischen Bildungswesens keine Zukunft mehr hat, ist bereits jetzt an den tschechischen Gymnasien die Zahl der Anmeldungen für das kommende Schuljahr deutlich geringer ausgefallen als in den vergangenen Jahren. Und dies, obwohl der Regierungsentwurf selbst nach Ansicht von Schulminister Zeman, der ihn eingebracht hat, keine Aussicht auf Billigung durch das Parlament hat. Denn auch Abgeordnete aus den eigenen Reihen haben bereits unmissverständlich ihre Kritik daran laut werden lassen. Und so dürfte es in den kommenden Monaten noch einiger Diskussionen bedürfen, bevor endgültig ein neues Schulgesetz verabschiedet wird.