Restaurierung deutscher Gräber: Tschechien schreibt Förderprogramm aus
Es gibt wohl mehrere hunderttausend Gräber mit deutschen Inschriften in Tschechien. Zum Großteil sind sie dem Verfall überlassen. Jetzt legt der tschechische Staat ein Förderprogramm für ihre Restaurierung und Pflege auf.
Hana Galambová hält eine Harke in ihrer Hand und steht auf dem Friedhof im Ort Lipová (Hainspach), westlich von Šluknov (Schluckenau):
„Die Leute sprechen viel über die deutschen Gräber, dass sie gepflegt werden sollten. Ich habe die Oberflächen gerade alle sauber gemacht, zwei bleiben jetzt noch. Unsere Gemeinde kümmert sich um all diese Gräber.“
Das Rathaus dort hat auch ohne staatliche Hilfe damit begonnen, sich um vernachlässigte Gräber der früheren deutschen Bewohner zu kümmern. Doch Lipová möchte zusätzlich gerne ein neues Förderprogramm für diese letzten Ruhestätten nutzen, das im kommenden Jahr anläuft.
„Die deutschen Gräber haben schöne schmiedeeiserne Umzäunungen, und die wollen wir nach und nach restaurieren. Wir haben bereits mit einem Kunstschmied gesprochen und wissen, dass die Erneuerung von einem Meter Zaun zwischen 15.000 und 25.000 Kronen kostet“, sagt Lipovás Bürgermeister Pavel Svoboda (Stan). 15.000 bis 25.000 Kronen entsprechen etwa 620 bis 1035 Euro.
Das Förderprogramm, um das es geht, wurde vom Ministerium für Regionalentwicklung ausgearbeitet. Es soll bis 2029 laufen. Roman Chrenčík ist Sprecher des Ministeriums:
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„Für 2026 ist das Programm mit insgesamt zehn Millionen Kronen ausgeschrieben. In den folgenden Jahren rechnen wir mit jeweils 20 Millionen Kronen. Die Anträge können von 5. Januar bis 30. April kommenden Jahres gestellt werden.“
Zehn Millionen Kronen sind umgerechnet 410.000 Euro. Die Gelder stehen ausschließlich für die Sanierung deutscher Gräber zur Verfügung. Damit kommt die tschechische Regierung erstmals ihren Pflichten nach, die sich aus dem Deutsch-Tschechoslowakischen Nachbarschaftsvertrag von 1992 ergeben.
Allerdings lässt sich mit der bereitgestellten Summe nur ein kleiner Teil der historischen Grabstätten sanieren. Für alle nötigen Arbeiten bräuchte es laut dem Ministerium mehrere Milliarden Kronen. Die Antragsteller können bis zu 70 Prozent ihrer jeweiligen Kosten durch die Subventionen decken. Und Chrenčík fügt hinzu:
„Berechtigte Antragsteller sind beispielsweise Kreise und Gemeinden sowie ihre Verbunde und gemeinnützigen Organisationen. Des Weiteren sind es Bildungs- und öffentliche Forschungsinstitutionen oder Aktiengesellschaften, deren Mehrheit jeweils von einer Gemeinde gehalten wird.“
Bis zur Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in den tschechischen Sudetengebieten über drei Millionen Menschen, deren Muttersprache Deutsch war. Wer auf die Friedhöfe in kleineren oder größeren Gemeinden dort geht, trifft sicher auch auf Gräber mit deutschen Inschriften und Namen.












