Slavia Prag krönt erfolgreiche Saison mit drei Einzeltrophäen

Slavia Prag (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)

Die tschechische Fußballsaison wird immer mit den Auszeichnungen für die besten Spieler und Trainer beendet. In diesem Jahr wurden die Preise – aufgrund der Anti-Corona-Auflagen – nicht wie gewohnt bei einem Gala-Abend, sondern etwas schmucklos während einer Sportsendung in einem Fernsehstudio übergeben. Was sich aber im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert hat, war die Herkunft der Sieger, denn auch diesmal dominierten die Protagonisten von Meister Slavia Prag die Umfrage.

Tomáš Souček (rechts). Foto: ČTK / AP / Richard Heathcote

Tomáš Souček und Jindřich Trpišovský – das waren der beste Spieler und der beste Trainer des tschechischen Vereinsfußballs in der vorangegangenen Saison 2018/19. Beide waren die tragenden Säulen von Meister Slavia Prag. Der Club aus der Hauptstadt konnte seinen Titel in dieser Saison verteidigen. Das war auch das Verdienst dieser beiden, doch nur der Trainer bekam erneut die Einzeltrophäe. Souček aber musste in der Umfrage unter Mannschaftskapitänen, Trainern und Journalisten einem Teamkollegen den Vortritt lassen: Torhüter Ondřej Kolář. Doch Kolář ist mit seinen Top-Leistungen am laufenden Band ein würdiger Nachfolger von Souček. Das belegen auch diese Spitzenwerte: Der Keeper hielt in 23 von 31 Begegnungen seinen Kasten sauber, und mit ihm im Gehäuse bekam Slavia lediglich zehn Gegentore. Bei seiner Ehrung dankte Kolář vor allem dem Trainer und seinen Assistenten:

Ondřej Kolář (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Wenn ich diesen Trainern nicht begegnet wäre, wer weiß, wo ich jetzt wäre. Ich habe ihnen alles zu verdanken in meiner bisherigen Karriere. Und wenn mir jemand vor Jahren gesagt hätte, dass ich einmal Champions League spielen und Titel holen würde, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt.“

Der 25-Jährige spielt darauf an, dass er bis Januar 2018 eigentlich nur für den Verein seiner Geburtsstadt Liberec / Reichenberg gespielt hat – und dazwischen sogar zwei Saisonhälften auf Leihbasis für den Zweitligisten aus Varnsdorf. Kurz vor ihm war aber bereits Trainer Trpišovský mit seinem gesamten Betreuerteam von Liberec zu Slavia Prag gewechselt. Und als eine seiner ersten Amtshandlungen ließ der Coach dann den von ihm geschätzten Torwart in die Hauptstadt nachkommen. Denn Trpišovský wusste schon damals, dass Ondřej Kolář besondere Stärken hat:

Jindřich Trpišovský (Foto: ČTK / Radek Petrášek)

„Ondřej ist genauso wie Tomáš Souček ein atypischer Spieler. Also ein Unterschiedspieler, wenn man so will. Das größte Thema für uns wird nun sein, dass wir Ondřej möglichst halten wollen. Wenn wir uns nach einem gleichwertigem Ersatz umschauen müssten, wäre das ein Problem. Denn Torhüter, die einen solch unorthodoxen Stil pflegen, gibt es kaum in Europa. Oder aber man kann ihn nicht bezahlen.“

Wie schwierig es ist für einen tschechischen Spitzenverein, seine besten Spieler langfristig zu halten, hat erst die diesjährige Saison gezeigt. In der Winterpause wechselte nämlich mit Souček der Kapitän und Kopf von Slavia zu West Ham United in die englische Premier League. Auch deshalb war Kolářs Sieg in der Umfrage dann konkurrenzlos, obwohl Souček mit nur einer halben Saison im Trikot von Slavia Prag noch Zweiter wurde. Auf den Plätzen drei und vier folgten mit Nicolae Stanciu und Petr Ševčík noch zwei weitere Slavia-Spieler. Dies verdeutlicht die Überlegenheit der Hauptstädter in dieser Saison. Und Jindřich Trpišovský, der zum zweiten Mal in Folge zum Trainer der Saison gekürt wurde, sieht in seinem Einzelsieg ebenso einen Spiegel des mannschaftlichen Erfolgs:

Nicolae Stanciu (Foto: YouTube Kanal TV Slavia)

„Über die Auszeichnung mit dieser Trophäe bin ich sehr erfreut, doch ich sehe sie – wie ich in der Vergangenheit schon einmal gesagt habe – als eine weitere Trophäe für Slavia. Denn ich weiß, wie viele Leute um mich herum daran ihren Anteil haben. Deshalb bin froh, dass wir zusammen auch den Titel gewonnen haben.“

Schließlich rundete Slavia das Erfolgsjahr noch mit einer dritten Einzeltrophäe ab: Der Rumäne Nicolae Stanciu wurde zum besten ausländischen Spieler der Saison gekürt.

Autor: Lothar Martin
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