Strenger Epidemiologe anstatt „Superstar“: Wechsel an der Spitze des Gesundheitsministeriums

Roman Prymula, foto: ČTK / Michal Krumphanzl

Bis zuletzt hat Premier Babiš an ihm festgehalten, doch nun ist Gesundheitsminister Adam Vojtěch aus freien Stücken zurückgetreten. Der Schritt kommt nicht unerwartet. Allerdings überrascht der Zeitpunkt, denn in Tschechien ist die zweite Corona-Welle gerade auf dem Vormarsch. Nun soll der Epidemiologe Roman Prymula zum Nachfolger werden. Er gilt als Mann für harte Maßnahmen.

Adam Vojtěch (Foto: ČTK / Vít Šimánek)

Am Montagmorgen trat Adam Vojtěch vor die Presse. Doch es ging nicht um eventuelle neue Schritte zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

„Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, mein Amt als Gesundheitsminister niederzulegen. Dem Premier habe ich mein Rücktrittsgesuch bereits überreicht“, so der parteilose Minister.

Drei Jahre lang leitete Vojtěch das Gesundheitsministerium. Als er das Amt übernahm, schien ein bisschen Glamour auf das Ressort zu fallen.

Denn 2005 nahm der gebürtige Südböhme an der zweiten Staffel von „Tschechien sucht den Superstar“ teil. Da überzeugte er nicht nur am Mikrophon, sondern bekam wegen seines Aussehens auch noch den Spitznamen „tschechischer Ken“.

Foto: ČTK / Kateřina Šulová

Zugleich studierte der junge Mann damals Jura. Letztlich entschied sich Adam Vojtěch gegen eine Karriere in der Musik und ging in die Politik. Warum er nun sein Amt niedergelegt hat, deutete der Minister in seiner Rede ebenfalls an:

„Ich bin ins Gesundheitsministerium mit der Aufgabe gekommen, konzeptionelle Änderungen durchzusetzen. Doch die Corona-Epidemie verhindert nun, dies zu Ende zu führen.“

Adam Vojtěch ließ durchblicken, dass ihn die Rolle des Corona-Ministers ermüdet hat. Wahr ist auch, dass er als Nicht-Fachmann schon vor Ausbruch der Epidemie in der Kritik stand. Das hat sich in den letzten Monaten noch verstärkt. Und aktuell muss Tschechien einen massiven Anstieg der Corona-Zahlen bewältigen. Petr Hartman ist Kommentator des Tschechischen Rundfunks:

Foto: ČTK / Vít Šimánek

„Wir waren mehrfach Zeugen dessen, wie Minister Vojtěch zum Watschenmann wurde für bestimmte Dinge, die er aber gar nicht verschuldet hatte. Es zeigte sich auch, dass er seine Meinungen häufig nicht durchsetzen konnte.“

So etwa Ende August, als Vojtěch eine strengere Maskenpflicht vorschlug, aber von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) zurückgepfiffen wurde.

Nun soll der Epidemiologe Roman Prymula sein Nachfolger werden. Als Fachmann dürfte er nicht das Problem haben, dass seinen Worten nicht geglaubt wird. Bevor er 2016 als Staatssekretär ans Gesundheitsministerium wechselte, war er sieben Jahre lang der Chef des Uniklinikums in Hradec Králové / Königgrätz. In den ersten Wochen der Coronakrise hatte Prymula eine herausragende Stellung. So leitete er zu Beginn etwa den Corona-Krisenstab. Letztlich stolperte er aber darüber, dass er noch keine Sicherheitsüberprüfung für seinen Posten als Staatssekretär hatte. Unklar ist, inwieweit es Konflikte oder Kompetenzstreitigkeiten gab zwischen ihm und Minister Vojtěch. Doch Premier Babiš hielt so viel von Prymula, dass er ihn zum Regierungsbeauftragten für medizinische Forschung machte. Dabei erwarteten schon damals viele Beobachter, dass er Adam Vojtěch auf dem Ministerposten ablösen würde. Nun also erst rund vier Monate später. Dazu der Politologe Daniel Kroupa im Tschechischen Fernsehen:

Roman Prymula und Miloš Zeman (Foto: Archiv von Jiří Ovčáček)

„Herr Prymula hat sich in der ersten Phase der Pandemie bewährt. Er genießt eine große Anerkennung in der Öffentlichkeit. Und er wirkt sehr entschieden – im Gegensatz zum kränklichen und etwas verschlafen wirkenden Minister Vojtěch. Außerdem gefällt er auch Staatspräsident Zeman. Deswegen kann man davon ausgehen, dass dieser die Ernennung sofort vollzieht.“

Der tschechischen Öffentlichkeit ist Roman Prymula allerdings auch mit sehr unsensiblen und kontroversen Aussagen im Gedächtnis geblieben. So behauptete er im März in einem seiner zahlreichen Interviews, dass man sich auf zwei Jahre geschlossene Grenzen einstellen müsse. Da wurde Prymula dann sogar von Premier Babiš gerügt.