Studie untersucht Spätfolgen nach einer Covid-19-Erkrankung

Foto: Marco Verch, Flickr, CC BY 2.0

Das neuartige Coronavirus befällt hauptsächlich die Lunge. Doch es schädigt auch andere Organe, und das kann möglicherweise zu langfristigen Folgen führen. Eine Studie der Universitätsklinik im Brünner Stadtteil Bohunice und der Masaryk-Universität in Brno / Brünn will diesen nachgehen.

Test auf das Coronavirus (Foto: HM Treasury, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

„Wir haben uns beide einem Test auf das Coronavirus unterzogen, und dieser war jeweils positiv. Meine Frau musste zwei Wochen lang im Krankenhaus behandelt werden, danach ist sie genesen. Bei mir war der Verlauf nicht so schwer, aber die Erkrankung hat zwei Monate lang gedauert.“

Pavel Bouda und seine Frau leben im Kreis Südmähren. Sie sind zwei von insgesamt 653 Menschen aus der Region, bei denen Covid-19 offiziell bestätigt wurde. Obwohl der Krankheitsverlauf bei beiden unterschiedlich war, werden sie sich an einer Studie der Universitätsklinik in Brünn-Bohunice beteiligen können. Die Ärzte wollen 100 bis 200 Menschen im Alter ab 16 Jahren ein Jahr lang beobachten. Der Kardiologe Martin Radvan erklärt, was die Freiwilligen erwartet. Neben der Blutentnahme handle es sich um nicht invasive Untersuchungen, sagt er:

Martin Radvan (Foto: Milan Kopecký, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

„Bei der Untersuchung der Lungen atmet man ganz normal, und wir messen das Lungenvolumen sowie die Geschwindigkeit beim Ein- und Ausatmen. Wir wollen auch messen, wieviel Bindegewebe in der Leber entsteht. Die Patienten werden zudem eine Serie von Fragebögen ausfüllen. Dadurch wollen wir feststellen, ob zum Beispiel eine Depression bei ihnen auftritt oder eine posttraumatische Belastungsstörung, wie sie bei den SARS- und MERS-Epidemien beschrieben wurde.“

Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Organe nach einer Erkrankung an Covid-19 langfristig beeinträchtigt sein können. Bereits jetzt stellen die Ärzte bei den an sich genesenen Patienten der Lungenkrankheit unterschiedliche Folgen fest. Unklar ist jedoch, wie eng diese tatsächlich mit der Erkrankung zusammenhängen:

Foto: Pete Linforth, Pixabay / CC0

„Ab und zu kommt ein Patient, der im März oder im April erkrankt war. Er fühlt sich immer noch nicht ganz wohl und hat den Eindruck, dass er nicht so leistungsfähig sei wie vor der Erkrankung. Wir wollen feststellen, ob das nur sein Gefühl ist, oder ob es bei ihm tatsächlich etwa Lungennarben beziehungsweise Veränderungen am Herzen oder an der Leber gibt.“

Lungenärzte und Kardiologen, aber auch Neurologen wollen erforschen, wie das Coronavirus die Gesundheit von Patienten beeinflusst. Die Freiwilligen sollen sich drei Untersuchungen innerhalb eines Jahres unterziehen. Martin Radvan:

„Die Studie wird in jedem Fall erfolgreich sein. Wenn wir feststellen, dass die Patienten an Folgeerscheinungen leiden, ist das genauso von grundlegender Bedeutung wie wenn wir feststellen, dass sie keine Komplikationen haben und keine Nachpflege nötig ist.“