„Teufelsbraten“ Jan Zabystřan: Tschechiens Ski-Überraschung als Olympiahoffnung
Er ist den Ergebnissen nach in dieser Saison einer der besten Skirennfahrer im deutschen Männer-Team. Das mag paradox klingen, weil Jan Zabystřan nämlich Tscheche ist. Doch seit vergangener Saison trainiert er zusammen mit der Mannschaft des DSV. Und durch seinen Weltcup-Sieg in Gröden im Dezember avancierte Zabystřan auch zu den tschechischen Olympiahoffnungen.
Auf der berühmten Saslong in Gröden holte Jan Zabystřan kurz vor Weihnachten den Sieg im Super-G. Er ist damit der erste Tscheche, der bei einem Alpinski-Weltcup gewonnen hat. Selbst die Kommentatoren bei Eurosport waren außer sich und nannten Zabystřan einen „Teufelsbraten“. Plötzlich gehört auch der 28-Jährige zum erweiterten Favoritenkreis für die Speed-Disziplinen bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo.
Allerdings werden die Abfahrtsrennen der Männer in Bormio ausgetragen, und die Piste dort gehört nicht zu den beliebtesten von Jan Zabystřan. Dennoch sagte der 1,91 Meter große Modellathlet, als er Ende Januar seine Olympiakleidung in Empfang nahm:
„Ich fahre selbstverständlich zu Olympia, um das beste Ergebnis zu erzielen. Und das bedeutet Medaillen. Aber dafür müssen viele Dinge zusammenkommen: perfekte Ski, gute äußere Bedingungen und meine innere Einstellung. Wenn alles klappt, ist ein gutes Ergebnis möglich, wie die aktuelle Saison gezeigt hat.“
Eine weitere Top-Ten-Platzierung gelang Zabystřan in dieser Saison allerdings bisher nicht. Zweimal fuhr er noch – ebenfalls im Super-G – auf Platz 14: in Wengen in der Schweiz sowie im US-amerikanischen Beaver Creek.
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Tschechische Skirennfahrer müssen allgemein mit schwierigen Bedingungen kämpfen. Im eigenen Land gibt es nur Mittelgebirge, die Alpen sind jedoch einige Stunden Fahrtzeit entfernt. Und beim hiesigen Skiverband besteht für die Speed-Disziplinen keine Infrastruktur. Deswegen hat sich der Verband mit dem DSV abgesprochen. Jan Zabystřan trainiert bereits die zweite Saison zusammen mit den deutschen Skifahrern und erläutert:
„Für mich ist das insgesamt gut. Denn ich bin nur mit meinem Servicemann unterwegs, der aus Polen kommt. Wir treffen uns dann in Prag und fahren zum Training. Dort ist alles bereits vorbereitet. Es ist ein großes Team, mit vielen Trainern, Physiotherapeuten sowie Ärzten. Obwohl Letztere etwas weiter entfernt sind, ist die Betreuung wirklich hervorragend.“
In der Regel würde in Österreich trainiert, schildert Zabystřan, und von dort kämen auch die meisten Coaches im deutschen Team.
Die ihn kennen, beschreiben den Tschechen als akribischen Arbeiter, der selbst bis spät in die Nacht zusammen mit seinem Servicemann an den Details feile. In Verbindung mit dem professionellen Umfeld von deutscher Seite scheint das nun Früchte zu tragen. Allerdings schränkte ihn bis vor ein paar Jahren noch etwas Weiteres enorm ein. Jan Zabystřan kämpfte lange damit, dass er stotterte. Das nagte an seinem Selbstbewusstsein. Er habe beispielsweise bei Pressekonferenzen fast kein Wort herausbekommen, gesteht er…
„Das war unglaublich schwer. Bei den Rennen habe ich mir gedacht: ‚Was mache ich, wenn ich etwa gewinne oder gut abschneide? Dann muss ich doch Interviews geben.‘ Davor habe ich mich paradoxerweise am meisten gefürchtet. Das Reden war für mich der größere Stressfaktor als das Skifahren“, so Zabystřan.
Doch spezielle Übungen und erstaunlicherweise auch der Wechsel zum deutschen Team haben ihm seinen Aussagen nach geholfen. Denn er habe sich nicht mehr um alles selbst kümmern müssen, so Jan Zabystřan. Die Medienauftritte nach dem Sieg in Gröden brachte er jedenfalls mit Bravour über die Bühne. Und wer weiß, vielleicht ist er ja auch bei Olympia wieder ein von den Journalisten gefragter Sportler. Zabystřan wird dort dreimal an den Start gehen: am Samstag bei der Abfahrt, am Montag kommender Woche in der Team-Kombination sowie zwei Tage später im Super-G.
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