Trainer Varaďa: Wollen Heimvorteil bei WM der Eishockeyjunioren nutzen

Foto: ČTK/Ožana Jaroslav

Zwischen Weihnachten und Neujahr steht neben dem Skispringen Jahr für Jahr auch das Eishockey im Rampenlicht des Weltsports. Denn zu dieser Zeit findet immer die Weltmeisterschaft der U20-Junioren statt. Die bevorstehende WM wird vom 26. Dezember bis 5. Januar in Tschechien ausgetragen.

Foto: ČTK/Ožana Jaroslav

Die Weltmeisterschaft der Unter-Zwanzigjährigen (U20) ist schon seit ewig das große Schaufenster für die Zukunft des Eishockeys. Denn dort können die zahlreichen Scouts, die Trainer und auch die Zuschauer in der Regel die Stars von Morgen bestaunen. Das tschechische Eishockey, das bis zum Ende der Nuller Jahre noch relativ erfolgreich war, hat aber nur noch sehr wenige davon. Das belegen auch die Zahlen: Die zwei einzigen WM-Titel gewann Tschechien in den Jahren 2000 und 2001, die letzte Medaille – eine bronzene – im Jahr 2005. Da kommt es dem Pucksport des Landes gerade recht, dass die 44. U20-WM vor heimischem Publikum stattfindet.

Die Titelkämpfe der Top-Division in dieser Altersklasse werden im mährischen Ostrava / Ostrau und im schlesischen Třinec ausgetragen. In der Gruppe B, die in Ostrau gastiert, spielt auch die tschechische Mannschaft. Ihre Gegner aber haben es in sich: Es sind – in der Reihenfolge der Spiele – Russland, Deutschland, die USA und Kanada. Angesichts dieser Konkurrenz ist selbst Tschechiens U20-Nationaltrainer Václav Varaďa allenfalls zweckoptimistisch:

Václav Varaďa (Foto: ČTK/Ožana Jaroslav)
„Natürlich wäre es toll, wenn wir eine Medaille holen könnten im WM-Turnier dieser Altersklasse, in der wir nun schon jahrelang nicht überzeugt haben. Der Weg dorthin allerdings ist sehr schwer, wenn ich mir nur unsere Gruppengegner anschaue. Deswegen ist ein guter Start ins Turnier im Match gegen Russland äußerst wichtig. Doch ich glaube an meine Spieler, sie werden ihr Bestes geben, damit wir Erfolg haben.“

Der große Außenseiter in dieser Gruppe ist die deutsche Mannschaft, die erst bei der vergangenen WM in die Top-Division aufgestiegen ist. Trainer Varaďa zeigt dennoch Respekt vor dem Team des Nachbarlands:

„Natürlich ist uns nicht entgangen, dass die Deutschen fünf, sechs sehr gute Spieler in ihren Reihen haben. Es sind Cracks, die in den zurückliegenden Jahren in Runde eins oder zwei zu einem NHL-Team gedraftet wurden. Ganz besonders hervorheben muss man dabei Verteidiger Moritz Seider, der im Farmteam der Detroit Red Wings zu den Besten zählt. Er ist für die WM nominiert worden. Deutschland ist ein unberechenbarer Widersacher. Mit ihrer kämpferischen Mentalität werden die deutschen Spieler jedem Gegner das Leben schwer machen.“

Foto: ČTK/Ožana Jaroslav
Auf der anderen Seite ist Václav Varaďa angetreten, um das tschechische Junioreneishockey endlich aus der Talsohle herauszuführen. Dazu greift er schon im Vorfeld auch mal psychologisch in die Trickkiste:

„Es ist etwas ganz Besonderes, eine Weltmeisterschaft vor eigenem Publikum zu spielen. Ich erinnere mich noch an die U17-WM, die seinerzeit in Ostrau und Frýdek-Místek ausgetragen wurde. Einen Monat vor Beginn des Turniers hat mich der damalige Nationaltrainer Vladimír Vůjtek angerufen und mir mitgeteilt, dass er mich in den WM-Kader berufen wird. Am letzten Spieltag der Juniorenliga vor dem Championat habe ich mich aber am Knöchel verletzt, so dass ich absagen musste. Es hat mich ziemlich gewurmt, dass ich beim Titelkampf nicht dabei sein konnte. Deshalb gehe ich davon aus, dass alle Akteure, die ich in den vorläufigen Kader berufen habe, einschließlich der Ersatzspieler, auch unbedingt zur WM wollen.“

Und der 43-Jährige, der als Profi zweimal Weltmeister wurde sowie zehn Jahre in der NHL gespielt hat, will den Heimvorteil natürlich ausreizen:

„Ich denke, dass uns die Zuschauer enthusiastisch unterstützen werden. Das spürt man bereits beim Kartenverkauf zu den Gruppenspielen unserer Mannschaft. Alle Tickets sind nahezu restlos vergriffen. Ich hoffe, dass die Besucher dann auch packende Begegnungen mit schnellem Eishockey, viel Elan und Begeisterung zu sehen bekommen. Ich wünsche mir, dass die Stimmung so toll sein wird wie bei der WM der behinderten Eishockeyspieler in diesem Jahr in Ostrau. Das wünsche ich mir für meine Spieler, doch ich spüre schon, dass wir auf die Unterstützung der Fans zählen können.“

Filip Zadina (Foto: ČTK/AP/Jose Juarez)
Akteure wie Martin Nečas oder Filip Zadina, die heute schon in der NHL spielen, standen bei der vergangenen WM noch im Kader der tschechischen U20-Mannschaft. Diesmal aber muss Trainer Varaďa ohne solche Jungstars auskommen. Deshalb setzt er auf eine andere Lösung:

„Das Team wird anders sein als im Vorjahr. Es wird auch nach anderen Kriterien zusammengestellt sein. Entscheidend ist dabei nicht, wer die Kapitänsbinde trägt oder wer die stellvertretenden Kapitäne sind. Die Leader in der Mannschaft werden sich auf dem Eis herauskristallisieren. Alle anderen müssen zum Teamwork beitragen und etwas Nützliches für die Mannschaft leisten.“

Auf Nachfrage eines Journalisten gibt Varaďa schließlich doch zu verstehen, dass er in seinem Team wenigstens einen festen Baustein hat:

„Wenn ich einen Spieler nennen soll, dann ist es Torhüter Lukáš Dostál. Er wird für unser Team eine eminent wichtige Rolle spielen. Wenn er meine Vorstellungen erfüllt, wird er sehr lange Einsatzzeiten bei diesem Turnier bekommen.“

Und der Trainer begründet seine Meinung auch:

„Lukáš hat bei der vergangenen WM ein hervorragendes Turnier absolviert. Und er spielt momentan eine phantastische Saison in Finnland, sein Gegentor-Durchschnitt liegt unter zwei Treffern pro Spiel. Dank seiner Leistungen steht er bereits auf dem Sprung in die A-Nationalmannschaft unseres Landes. Er ist der Unterschiedsspieler in unserem Team, und wir bauen darauf, dass er dies auch mit seinen Leistungen untermauert.“

Derzeit absolvieren Varaďa und seine Auserwählten ihr zweites Trainingscamp in der WM-Vorbereitung. Die endgültige Nominierung seines Kaders wird der Coach am 23. Dezember bekanntgeben. Dann aber bleibt nicht mehr viel Zeit, denn schon drei Tage später erfolgt der WM-Auftakt mit der Partie gegen Russland.


Uwe Krupp: Ich ziehe den Hut vor Jágr, dass er immer noch spielt

Uwe Krupp (Foto: Markus Klemenschitz, Wikimedia CC BY-SA 3.0 DE)
Die höchste Eishockey-Spielklasse in Tschechien, die Extraliga, ist in dieser Saison von einer ganz besonderen Erwärmung erfasst, dem Jágr-Fieber. Denn der tschechische Superstar Jaromír Jágr, der seine glanzvolle NHL-Karriere im Winter 2018 beendet hat, ist immer noch aktiv. In dieser Saison spielt er für den Aufsteiger Rytiří Kladno, bei dem er zugleich der Mehrheitseigner ist. Und überall, wo er mit seinen Rittern antritt, sind die Hallen ausverkauft – seinetwegen. Ende November empfing Jágr mit seinem Team den Liga-Spitzenreiter Sparta Prag mit dem deutschen Trainer Uwe Krupp. Nach der Begegnung, die die Gäste mit 4:2 gewannen, führte Radio Prag International mit Krupp das folgende Gespräch:

Herr Krupp, Sie trainieren das zweite Jahr in Folge das Team von Sparta Prag in der tschechischen Liga. Heute haben Sie jedoch zum ersten Mal in Kladno gespielt. Das hiesige Eisstadion ist sozusagen das Wohnzimmer von Superstar Jaromír Jágr. Wie haben Ihnen das Spiel, die Stimmung und das ganze Drumherum hier heute gefallen?

„Kladno ist natürlich ein Traditionsstandort in Tschechien. Die Atmosphäre war super, wir spielten vor ausverkauftem Haus und die Zuschauer feuerten ihre Mannschaften auch ständig an. Es war spannend und eng bis zum Schluss mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Der Torhüter von Kladno hat sehr gut gehalten, also insgesamt ein wirklich gutes Eishockeyspiel.“

War es etwas Besonderes für Sie, einmal hinter die Kulissen des Ortes zu schauen, an dem ein Star wie Jágr groß geworden ist?

„Ich bin vor langer, langer Zeit schon einmal in Kladno gewesen, und zwar als kleiner Kerl von zwölf oder dreizehn Jahren. Damals habe ich hier für eine Woche bei der Familie Pospíšil gewohnt. Ich kann mich noch ein bisschen an Kladno erinnern. Und wie ich schon sagte: Es ist ein guter Standort, die Bedingungen sind gut, und Jaromír Jágr macht hier einen guten Job. Er ist nicht nur das Aushängeschild des Vereins, sondern der Name schlechthin.“

Jaromír Jágr (Foto: Ondřej Tomšů)
Was sagen Sie zu seinen Leistungen? Er ist mittlerweile 47, doch er geht immer noch voran für seine Mannschaft…

„Er ist natürlich ein Ausnahmespieler, ganz klar. Ich glaube, dass er nach wie vor eine große Rolle spielt in seiner Mannschaft. Man muss einfach den Hut davor ziehen, dass er immer noch spielt.“

Sie selbst haben ja viele Jahre in der NHL gespielt und dabei bestimmt auch einige Male gegen Jaromír Jágr. Wie waren diese Duelle? Haben Sie dazu noch irgendwelche Erinnerungen?

„Ich habe gerne gegen ihn gespielt. Seinerzeit war er Stürmer bei den Pittsburgh Penguins, zusammen mit Mario Lemieux bildete er eines der gefährlichsten Angriffsduos der Liga. In den Zweikämpfen mit den beiden konnte man sich messen und sehen, was man drauf hat.“

Waren die Spiele gegen ihn für Sie eine Art Gradmesser?

„Ganz eindeutig Ja. Denn ich habe fast jeden Wechsel gegen dieses Duo gespielt, und da musst du bestehen. Und das haben mein Verteidigerkollege und ich dann auch meistens gemacht.“

Gibt es vielleicht nicht doch eine bestimmte Episode aus dieser Zeit?

„Bei einem Match der Islanders mit den Pens im Nassau Colosseum von Long Island musste ich gegen beide in einer 2:1-Situation bestehen, und das schon ab der roten Linie. Ich hatte die knifflige Aufgabe eigentlich ganz gut gelöst, denn einer der beiden war schon hinter die Torlinie gekommen. Doch die Scheibe ist geflattert, und so haben sie trotzdem noch das Tor gemacht.“

Autor: Lothar Martin
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