Tschechien und Österreich kooperieren bei Vergabe von Schengen-Visa

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Der tschechische Vizeaußenminister Jiří Schneider und der österreichische Staatssekretär Reinhold Lopatka haben am Freitag in Prag ein Abkommen über die gemeinsame Schengen-Vertretung unterzeichnet. Das bedeutet, dass die beiden Nachbarländer einander im konsularischen Bereich künftig vermehrt unterstützen wollen – insbesondere bei der Ausstellung von Visa an Bürger von Drittstaaten.

Reinhold Lopatka und Jiří Schneider (Foto: Archiv des Außenministeriums der Tschechischen Republik)
Wenn Ende Juni in Prag die Basketball-WM der unter 19-Jährigen beginnt, dann werden die Spieler aus dem Senegal ein Einreisevisum der österreichischen Botschaft in Dakar in der Tasche haben. Ab sofort nämlich werden dort auch Visumanträge für Reisen nach Tschechien bearbeitet. Umgekehrt unterstützt die tschechische Seite Österreich in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Die Praxis der gegenseitigen Vertretung bei der Vergabe von Schengen-Visa habe sich bewährt, sagt Staatssekretär Reinhold Lopatka. Künftig könnte die Zusammenarbeit daher noch weiter intensiviert werden:

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„Entweder bilateral mit Tschechien, oder auch mit dritten Staaten. Beides ist im Interesse der Steuerzahler, weil man Kosten spart, wenn man gemeinsame Aufgaben konzentrieren kann. Und genau das ist angedacht.“

Für Lopatka ist das Abkommen ein sichtbares Zeichen für die guten nachbarschaftlichen Beziehungen. In der Öffentlichkeit würden hauptsächlich kontroverse Themen wie zum Beispiel die Diskussion um das Kernkraftwerk Temelín wahrgenommen. Dabei, so Lopatka, ziehen Prag und Wien gerade auf EU-Ebene häufig an einem Strang:

„Wir hatten zum Beispiel für unsere Position, keine Waffen nach Syrien zu liefern, massive Unterstützung von tschechischer Seite. Und auch beim mehrjährigen EU-Finanzrahmen hat Tschechien als Nicht-Nettozahler durchaus österreichische Positionen unterstützt.“

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Außerdem haben beide Länder eine Reihe gemeinsamer Wirtschaftsinteressen. So ist Tschechien nach wie vor das wichtigste Investitionszielland österreichischer Unternehmen. Nicht nur im Zusammenhang mit dem bevorstehenden EU-Beitritt Kroatiens bieten sich daher vor allem auf dem Westbalkan neue Möglichkeiten für gemeinsame Strategien:

„Momentan sind rund 3000 österreichische Firmen an tschechischen Unternehmen beteiligt. Die Chancen, die auf dem Westbalkan bestehen, wollen wir in Kooperation nützen“, so Lopatka.



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Mit dem neuen Visa-Vertretungsabkommen wurde die Zusammenarbeit beider Länder also wieder um eine Facette reicher. Die Beziehungen auf der täglichen Arbeitsebene, die sind jedoch bereits jetzt häufig besser als ihr Ruf:

„Tschechien hat bisher nur in drei Staaten Diplomaten entsandt, die im Außenamt des jeweiligen Partnerlandes voll in die Arbeit eingebunden sind: in die USA, nach Frankreich und nach Deutschland. Österreich ist jetzt das vierte Land: Im Herbst wird bei uns in der Europaabteilung ein tschechischer Diplomat mitarbeiten. Das zeigt die gute Zusammenarbeit und auch das gegenseitige Vertrauen.“