Tschechien weist Agentin des russischen Geheimdienstes GRU aus

Natallia Sudliankowa

Natallia Sudliankowa, Journalistin und Unternehmerin aus Belarus, hat vor 25 Jahren in Tschechien Asyl bekommen. Weil sie offenbar für den russischen Geheimdienst arbeitet, muss sie das Land nun innerhalb eines Monats verlassen.

Die tschechische Regierung hat am Mittwoch die nationale Sanktionsliste ergänzt. Sie wird gegen Russland geführt, seit dessen Truppen in der Ukraine einmarschiert sind. Die beiden Personen, die sich in Tschechien nun künftig nicht mehr aufhalten dürfen, sind mutmaßlich Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU: die belarussische Journalistin Natallia Sudliankowa sowie ihr leitender Offizier Alexej Schawrow. Dazu sagte Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten) vor der Presse:

„Beide Personen, die wir in die Sanktionsliste aufgenommen haben, stellen ein Risiko oder sogar eine Gefahr für die Sicherheit unseres Landes dar.“

Natallia Sudliankowa | Foto: Šárka Ševčíková,  Tschechischer Rundfunk

Der Regierungschef stützt sich bei dieser Aussage auf Erkenntnisse des tschechischen Inlandsgeheimdienstes BIS. Demnach ist die 60-jährige Sudliankowa seit vielen Jahren eine wichtige Verbindungsperson des GRU in Tschechien. Der russische Dienst wird hierzulande vor allem verdächtigt, 2014 ein Munitionslager im ostmährischen Vrbětice in die Luft gesprengt zu haben. Darauf verwies am Mittwoch auch Außenminister Jan Lipavský (parteilos), auf dessen Antrag hin die Sanktionsliste erweitert wurde:

„Es war der GRU, der zwei tschechische Staatsbürger durch seinen staatlichen Terrorismus in Vrbětice ermordet hat. Es gibt zudem den begründeten Verdacht, dass der Brandanschlag auf Linienbusse in Prag-Klíčov 2024 auch von Russland aus koordiniert wurde. Allgemein lauten die Informationen, dass Russland im gesamten vergangenen Jahr mindestens 100 verschiedene Sabotageversuche in ganz Europa verübt hat.“

Sudliankowa sei direkt aus Russland bezahlt worden, informierte Lipavský weiter. In den vergangenen Jahren habe sie als Agentin mehrere Zehntausend Euro in Kryptowährungen verdient. Innenminister Vít Rakušan (Stan) fügte erläuternd hinzu, dass es sich dabei um ein anschauliches Beispiel für die hybriden Formen ausländischer Einflussnahme in Tschechien handle. Für solche Fälle sei hierzulande die Einführung eines neuen Straftatbestandes geplant, der aktuell von der Opposition allerdings blockiert werde, so Rakušan:

Vít Rakušan | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Wenn diese Rechtsreform schon jetzt gelten würde, dann müssten wir hier nicht nur über eine Ausweisung sprechen. Sondern dann ginge es um die strafrechtliche Verantwortung von Natallia Sudliankowa und mögliche Ermittlungen wegen einer Straftat, die eben als Tätigkeit und Arbeit für eine ausländische Macht definiert wäre.“

Wie die Frau vor 25 Jahren nach Tschechien gekommen ist, beschreibt Artur Janoušek, Investigativreporter des Tschechischen Rundfunks:

„In Belarus handelte sie einst mit Aktien und war zum Beispiel auch in leitender Position bei der Investitionsfirma Fiko tätig. Wegen angeblicher finanzieller Ungereimtheiten wurde aber die Polizei auf Sudliankowa aufmerksam, und darum floh sie 1999 nach Tschechien. Hier behauptete sie, dass sie als eine der führenden Personen der belarussischen Opposition vom Lukaschenka-Regime verfolgt werde. Und im Dezember 1999 bekam sie tatsächlich Asyl.“

Artur Janoušek | Foto: Matěj Skalický,  Vinohradská 12 / Tschechischer Rundfunk

Im Folgenden arbeitete Sudliankowa in Prag als Chefredakteurin zweier Zeitschriften und zeitweise auch in der belarussischen Redaktion von Radio Free Europe. In den Medien trat sie zudem als Expertin für das Geschehen in Russland und Belarus auf. Nach der Annexion der Krim 2014 äußerte sie sich etwa im Sender Radiožurnál des Tschechischen Rundfunks:

„Auf der einen Seite gibt es Informationen, dass russische Soldaten in der Ukraine sind. Auf der anderen Seite heißt es, dass die russische Armee die Grenze nicht überschritten hat. Da steht eine Behauptung gegen eine andere. Unser Ziel ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und auf keinen Fall in eine hasserfüllte propagandistische Rhetorik zu verfallen.“

Natallia Sudliankowa hat nun einen Monat Zeit, um Tschechien zu verlassen. Ihr Ehemann und die drei gemeinsamen Kinder dürfen hingegen bleiben. Das hierzulande angelegte Vermögen der Familie kann aber eingefroren werden.

Auf der tschechischen Sanktionsliste stehen aktuell neun Personen sowie zwei Unternehmen.

Autoren: Daniela Honigmann , Adéla Burešová | Quelle: Český rozhlas
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