Tschechiens Fußballer nach Krimi gegen Polen nun gegen Ronaldo & Co.

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Die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine geht in die entscheidende Phase. Am Dienstagabend stehen die acht Mannschaften fest, die im K.-o.-System den neuen Europameister ermitteln werden. Und zur Riesenfreude der Fans in Tschechien ist ihr Nationalteam bereits unter ihnen. Denn in einem wahren Krimi behielten die Tschechen im „Endspiel der Gruppe A“ am Samstag in Breslau gegen Co-Gastgeber Polen mit 1:0 die Oberhand und schafften als Gruppen-Erster den Einzug ins Viertelfinale.

Robert Lewandowski und Michal Kadlec (Foto: ČTK)
Vor der Begegnung zwischen Polen und Tschechien war klar: Die Hausherren müssen das Spiel gewinnen, um im Rennen zu bleiben, die Tschechen dürfen es auf keinen Fall verlieren. Die Brisanz dieser Partie stand dem tschechischen Nationalspieler und Bundesligaprofi Michal Kadlec auch nach dem Abpfiff noch im Gesicht geschrieben:

„Die Polen hatten gegenüber den Medien erklärt, dass heute das Spiel ihres Lebens sei. Für uns war es das auch, aber wir haben nicht so viel geredet, sondern auf dem Platz dann Leistung gezeigt.“



Tomáš Sivok und Robert Lewandowski (Foto: ČTK)
Und was für eine tolle Leistung das tschechische Team gezeigt hat! Nach vorsichtigem Beginn, bei dem sich die Tschechen von den Polen etwas zu sehr in die Defensive drängen ließen, wurden sie ab der 30. Spielminute immer stärker und drückten dem Spiel nun ihrerseits den Stempel auf. Nachdem Polens Keeper Tytoń Mitte der zweiten Halbzeit noch einen gefährlichen Kopfball von Sivok parieren konnte, gab es in der 72. Minute dann diese Situation:

Petr Jiráček trifft zum 1:0 für Tschechien (Live-Kommentar)



Petr Jiráček trifft zum 1:0 für Tschechien (Foto: ČTK)
Fürwahr, die Situation in der Gruppe A hatte sich durch die gleichzeitige 1:0-Führung der Griechen im Parallelspiel inzwischen so zugespitzt, dass Tschechien die favorisierten Russen überflügelt hatte und nun auf einmal mit den Hellenen in Richtung Viertelfinale marschierte. Sollten die Tschechen aber noch den Ausgleich kassieren, wären sie wieder draußen gewesen. Und kurz vor dem Abpfiff wurde es tatsächlich noch einmal eng:

Michal Kadlec rettet mit Kopfballabwehr auf der Torlinie den Sieg (Live-Kommentar)

Kadlec konnte sein Glück danach noch gar nicht fassen:

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„Mir war gar nichts klar in dem Moment, ich wollte einfach den Ball irgendwie wegköpfen und dann gucken, was passiert. Danach wurde gleich abgepfiffen, das war natürlich super. Denn die Hauptsache ist, wir haben gewonnen und sind eine Runde weiter. Und dazu haben alle mitgeholfen.“

Das 1:0 gegen Polen und das Weiterkommen nach der Vorrunde sei wirklich ein Sieg der gesamten Mannschaft, unterstrich auch Kapitän Tomáš Rosický:

Tomáš Rosický (Foto: ČTK)
„Wir wissen, dass wir keine Super-Mannschaft sind, aber im heutigen Fußball kann man Spiele nur als Team gewinnen. Schauen Sie nur auf die Holländer, die haben Probleme, weil sie zu viele Egoisten haben. Dieses Problem haben wir nicht, denn alle bei uns wissen, weshalb wir hier sind. Teamgeist und Zusammenhalt, das sind unsere Stärken.“

Rosický selbst war wegen seiner Verletzung an der Achillessehne gar nicht mit von der Partie. Ein Ausfall, der nur schwer zu kompensieren war. Im Städtischen Stadion von Breslau spielten die Tschechen zudem gegen eine rot-weiße Wand von 35.000 Fans aus Polen an. Kadlec sah in diesen Widrigkeiten im Nachhinein aber kein Problem:

Pawel Brozek und David Limberský (Foto: ČTK)
„Ich glaube, wir können mit solchen Situationen umgehen. Wenn wir unter Druck stehen, ist das für uns besser, als wenn die Erwartungen hoch sind. Und wir haben es wieder gepackt. Wir haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind und an einem Strang ziehen.“

Gerade weil die Mannschaft so phantastisch funktioniere, könne man sich jetzt auch so richtig freuen, fügte der Verteidiger von Bayer Leverkusen gut gelaunt hinzu:



Grzegorz Wojtkowiak und Milan Baroš (Foto: ČTK)
„Es ist schwer Worte zu finden, nach solch einem Spiel. In mir stecken noch so viele Emotionen, aber es ist natürlich ein unbeschreibliches Gefühl, dass wir weiter dabei sind. Wir hätten uns das nicht träumen lassen, und wenn, dann eher als Gruppen-Zweiter, denn die Russen haben wir vorne gesehen. So fahren die Russen jetzt nach Hause, die uns im ersten Spiel mit 4:1 ganz klar geschlagen haben. So ist Fußball, was soll man dazu noch sagen!“

Zu guter Letzt zieht Kadlec mit einem verschmitzten Lächeln noch eine vielversprechende Parallele zu den tschechischen Vize-Europameistern von 1996:

Jakub Blaszczykowski und Petr Čech (Foto: ČTK)
„Ja schade, wir wollten es so machen wie 1996. Aber das ist nicht ganz so aufgegangen, denn das damalige Team war Zweiter, wir aber sind Gruppen-Erster. Vielleicht soll das heißen, dass wir noch ein Stück weiterkommen als 1996…“

Dazu müssen die Tschechen aber erst einmal ihren nächsten Gegner Portugal schlagen, der am Donnerstag in Warschau auf sie wartet.

Autor: Lothar Martin
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