Vorbereitung ohne Hindernisse – Čech hofft auf EM-Medaille

Petr Čech (Foto: ČTK)

Noch gut eine Woche bleibt Zeit für die Vorbereitung. Dann wird es ernst, denn die tschechischen Fußball-Nationalspieler müssen bereits am Eröffnungstag der Europameisterschaft ran. Im ersten Spiel treffen sie auf die Russen. Im Folgenden alles Wichtige über das tschechische Team und den Stand der Vorbereitungen.

Tschechien gewann gegen Israel mit 2:1 (Foto: ČTK)
Das tschechische Wort „pohoda“ ist das Schlüsselwort. Pohoda ist schwer zu übersetzen, es steht für Ruhe, Harmonie und Gelassenheit. Genau so verläuft nach Aussagen aller Beteiligten bisher die Vorbereitung des tschechischen Nationalteams auf die EM. Anders als bei den Deutschen gab es bisher keine Pleite in den Testspielen zu verdauen und auch keine gänzlich misslungene Saison zu verdrängen wie die der Bayern-Spieler. Den EM-Test am Samstag gegen Israel gewann Tschechien mit 2:1. Und so fand Nationaltrainer Michal Bílek - entsprechend seinem unaufgeregten Naturell - am Ende des Trainingslagers in Österreich auch nur Worte der Gelassenheit:

„Wir haben die Spieler getestet, die Tests waren gut. Insgesamt war das Trainingslager hervorragend, auch wenn es am Anfang etwas geregnet hat. Wir hatten allen Komfort, den wir erwartet haben. Ich denke, die Spieler haben sich gut gefühlt, auch wenn sie von einigen Trainingseinheiten logischerweise etwas müde waren. Manche sind das vielleicht auch jetzt noch. Aber wir haben noch Zeit, um zu regenerieren.“

Daniel Pudil (Foto: ČTK)
Erstmals hatte sich die tschechische Nationalmannschaft nicht in Seefeld in Tirol vorbereitet. Das Trainingslager wurde vielmehr in Bad Waltersdorf in der Steiermark aufgeschlagen, weit weg von den Alpen und nahe am Burgenland. Der Grund für die Wahl des kleinen Kurorts ist eher kurios: Ein Sponsor hatte einen Großteil des Aufenthalts finanziert.

Nach Prag zurückgekehrt, gab Bílek am Dienstag dann den endgültigen EM-Kader bekannt. Wichtigste Stützen sind der ehemalige Bundesliga-Profi Tomáš Rosický, Torwart-Routinier Petr Čech vom FC Chelsea und Stürmer Milan Baroš, der Torschützenkönig der EM 2004. Auch die Auswahl des Kaders stand im Zeichen von möglichst wenig Unruhe. Bílek hatte schon vor dem Trainingslager aussortiert und nur 25 Spieler nach Österreich mitgenommen. Bei Ersatztorhüter Tomáš Grigar stand zudem bereits fest, dass er nicht mitkommt nach Polen und in die Ukraine. So gab es nur eine einzige offene Personalie. Bereits am Montag wurde das kleine Geheimnis gelüftet: Defensivspieler Daniel Pudil vom italienischen Klub aus Cesena muss seine Sachen packen. Stattdessen darf Mittelfeld-Talent Vladimír Darida von Viktoria Pilsen mit. Auf ihn hält Bílek große Stücke:

Michal Bílek (Foto: ČTK)
„Er ist psychisch und fußballerisch stark, kombinationsfreudig, beweglich und hat einen großen Aktionsradius. Er sucht den Abschluss, spielt gute Standards und hat einen harten Schuss. Er hat Übersicht, dem Jungen gehört die Zukunft.“

Der 21 Jahre alte Darida hatte den Nationaltrainer beim Sieg gegen Israel im Vorbereitungsspiel beeindruckt. Hauptgrund ist jedoch, dass Spielmacher Tomáš Rosický an einer Wadenverletzung laboriert. Darida ist sozusagen zweiter Backup für Rosický nach seinem Pilsner Teamkollegen Daniel Kolář.

Tomáš Rosický (Foto: ČTK)
Rosický konnte bis Montag nur individuell trainieren. Am Dienstag nahm er in Prag an der Pressekonferenz zum EM-Kader teil. Dort gab er sich optimistisch:

„Es geht voran, jeden Tag wird es besser. Heute habe ich bestimmte Übungen des Mannschaftstrainings mitgemacht. Alles ist auf einem guten Weg.“

Nicht klar ist indes, ob Rosický schon zum letzten Testspiel vor der EM am Freitag auflaufen wird. Tschechien empfängt dann das ungarische Team in der Prager Generali-Arena. Trainer Bílek würde gerne schon mit der Startformation für die erste Europameisterschaftsbegegnung antreten. Doch das ist nicht entscheidend.

„Für uns ist entscheidend, dass Rosický beim EM-Auftakt gegen Russland in optimaler Verfassung ist. Das Spiel in Prag ist zwar die Generalprobe und ich würde gerne mit der stärksten Formation antreten. Aber das Wichtigste ist einzig und allein seine Gesundheit und Fitness“, so Bílek.

Petr Čech (Foto: ČTK)
Tomáš Rosický steht also unter Beobachtung, er ist nun sozusagen die Wade der tschechischen Nation.

Ganz anders steht es um Torhüter Petr Čech. Auch er hatte am Samstag beim Test gegen Israel pausiert. Doch das lag nicht an einer Verletzung, sondern weil noch das Champions-League-Finale gegen die Bayern und eine unglaublich lange und schlauchige Saison in seinen Knochen steckte. Wie lässt sich das nun aber abschütteln?

„Wichtig ist immer, im Rhythmus zu bleiben. Ich habe in der Saison 65 offizielle Spiele absolviert. Diesen Rhythmus habe ich in mir. Es geht nur darum, das auf den richtigen Moment auszurichten. Müdigkeit spüre ich natürlich auch, aber sie kommt von mangelndem Schlaf und vor allem vom vielen Reisen. Ich bin froh, dass das nun in normale Bahnen kommt und ich Zeit für die Vorbereitung habe“, sagte Petr Čech in der vergangenen Woche.

Foto: ČTK
Den Champions-League-Sieg bezeichnete der 30-jährige Schlussmann als starke Motivationshilfe für die EM. Die Euphorie wolle er wieder spüren, sagte Čech. Außerdem verwies er auf die Europameisterschaft 2004, bei der er debütiert hatte:

„Wir bereiten uns auf die EM vor, auf ein großes Turnier, das ich noch nie gewonnen habe. In Portugal sind wir ins Halbfinale gekommen, dann hatten wir gegen Griechenland großes Pech. Letztlich haben wir deswegen das Finale nicht erreicht und sind Dritte geworden. Ich denke, die Motivation ist, bei der EM möglichst weit zu kommen und vielleicht noch einmal eine Medaille zu gewinnen.“

Milan Baroš (Foto: ČTK)
Die Vorrundengruppe A von Tschechien gilt der Stärke nach als ausgeglichen. Manche sagen auch, es sei die leichteste EM-Gruppe. Gegner sind Co-Gastgeber Polen, Russland und Griechenland. Die Schützlinge von Trainer Bílek werden nicht als Favoriten gehandelt. Denn neben Čech, Rosický und Baroš finden sich keine Stars im Kader. Im Vergleich zu früheren Aufgeboten sind viele Spieler aus der tschechischen Liga dabei: insgesamt acht.

Und so kann das Team ohne besonderen Erfolgsdruck nach Polen aufbrechen. Ex-Nationalspieler Vladimír Šmicer ist Manager der Nationalmannschaft. Bei der Pressekonferenz am Dienstag erläuterte er das weitere Programm des Teams:

Vladimír Šmicer (Foto: ČTK)
„Wir fahren am Sonntag los, und zwar etwas untraditionell mit dem Zug, weil Breslau ja nicht so weit entfernt ist. Die Mannschaft wird sich dann in Breslau auch vorbereiten, wo am Freitag kommender Woche gegen Russland die erste EM-Partie ansteht. Wir freuen uns schon jetzt sehr darauf. Am 12. Juni spielen wir dann gegen Griechenland und im letzten Gruppenspiel am 16. Juni gegen Polen. Ich glaube fest, dass das Turnier für uns aber noch weiter gehen wird.“

Es klingt alles nach viel Ruhe und Vertrauen. Ja, wenn nicht mitten im Trainingslager noch ein Problem bekannt geworden wäre. Im Hotel Monopol in Breslau, wo das tschechische Aufgebot während der Vorrunde untergebracht wäre, wurde im April Legionellen-Gefahr ausgemacht. Das hat den Fußballverband alarmiert. Er hat eine gemeinsame Kontrolle von polnischen und tschechischen Hygienikern veranlasst. Die Ergebnisse sollen erst am Samstag vorliegen. Was aber, wenn sie nicht positiv sind? Dann wären mehrere Szenarien denkbar, sagt Šmicer. So könnte das tschechische Team auch in Prag bleiben und würde zu den Spielen ins rund 300 Kilometer entfernte Breslau jeweils fliegen.

Autor: Till Janzer
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