Von der Donau bis zum Zürichsee – tschechische Kultur im Sommer

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Ob in Wien, Wurz, Waldmünchen oder Zürich - überall lässt sich in diesen Sommermonaten ein Stück tschechische Kultur finden.

Der erste Kulturtipp führt an die Donau nach Wien. Von hier aus kann man eine architektonische Reise in die Tschechische Republik unternehmen, im Speziellen in die Region Mähren. Denn ab dem 23. Juli zeigt der Wiener Städtische Versicherungsverein die Architektur-Ausstellung „Mähren, Bauten, Menschen, Wege“. Wohin die architektonische Reise führt, veranschaulicht Kurator Adolph Stiller:

„Über die Jahre hinweg haben wir festgestellt, dass es vor allem in Südmähren verschiedene Stadtensembles gibt, die einzigartig in ihrem Bestand, aber auch in ihrer architektonischen Qualität sind. Des Weiteren haben wir beobachtet, dass es auch viele historische Verbindungen zwischen den Städten in Südmähren und Wien gibt. Für die Ausstellung haben wir deshalb keine planlose oder auch keine enzyklopädische Auswahl getroffen. Im Fokus der Ausstellung stehen unter anderem Slavonice (Zlabings, Anm. d. Red.) oder Třebíč (Trebitsch, Anm. d. Red.). Dabei wandeln wir bei unserem architektonischen Streifzug auch auf den Spuren verschiedener berühmter Persönlichkeiten.“

Weitere Spuren führen nach Příbor / Freiberg, in die Geburtsstadt von Sigmund Freud, oder nach Jihlava / Iglau, in dieser Stadt verbrachte Gustav Mahler den überwiegenden Teil seiner Jugend. Aufbereitet wurde die Schau von tschechischen und österreichischen Architekten, das waren Jan Sapák und Stephan Templ sowie Adolph Stiller selbst. Dafür bereisten die drei Kuratoren selbst die Orte der Ausstellung und dokumentierten fotografisch die einzelnen Stationen. Welche Objekte noch in der Exposition zu finden sind, erläutert Adolph Stiller:

Slavonice  (Foto: CzechTourism)
„Wir haben im Denkmalamt in Prag Fotos aus den Archiven herausgesucht, die zum Teil schon publiziert worden sind oder von deren Existenz wir wussten. Wir haben für die Ausstellung traditionelle Aufnahmen, Archivmaterial, Pläne, Kataster-, Stadt- sowie Einzelpläne zu Gebäuden gefunden. Das ist das visuelle ‚flache‘ Material der Ausstellung. Zusätzlich sind in der Schau auch noch drei bis vier Städtemodelle im Maßstab von eins zu 1000 zu sehen, zum Beispiel von Slavonice oder Telč (Teltsch, Anm.d. Red.). Durch diese dreidimensionalen Modelle ist hier also Architektur im erweiterten Sinn ‚begehbar‘.“

Die Schau ist eine architektonische Reise, angefangen bei der Gotik, über die Renaissance und den Barock bis ins 20. Jahrhundert. Adolph Stiller erklärt, was die tschechische Baukunst im Vergleich zu Deutschland oder Österreich so einzigartig macht:

Was die Eigenständigkeit der tschechischen Architektur anbelangt, ist die hochstehende bauliche Umsetzung, nicht nur der Kirchen und Schlösser, sondern der Stadtfassade, der gesamten Häuserfront an den Hauptplätzen etwas Einzigartiges. Vor allem, weil viele Städte wie zum Beispiel Slavonice und Mikulov (Nikolsburg, Anm. d. Red.) bis heute durch günstige Umstände vollkommen unbeschädigt geblieben sind.“

Zu sehen ist die Exposition über die mährische Baukunst noch bis zum 5. September im Wiener Ausstellungszentrum im Ringturm.


Prager Salonorchester  (Foto: Wurzer Sommerkonzerte)
Der zweite Kulturtipp führt an die tschechisch-deutsche Grenze. Denn in dem kleinen Ort Wurz in der Oberpfalz finden bereits zum 27. Mal Sommerkonzerte statt. Rita Kielhorn ist die Initiatorin und Organisatorin der bereits seit 1988 regelmäßig stattfindenden Musikveranstaltungen:

„In den 1970er Jahren habe ich in der Oberpfalz in Wurz einen alten Pfarrhof erworben. Da kam mir die Idee, dieses Anwesen einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Ich hatte von Anfang an die Vision, über die Musik, die ja bekanntlich keine Grenzen kennt, eine Brücke zu bauen, insbesondere nach Osteuropa. Denn wir waren ja durch den Eisernen Vorhang voneinander getrennt.“

Dabei waren von Anfang an tschechische Musiker sowie Werke tschechischer Komponisten in den Veranstaltungen vertreten. Rita Kielhorn erinnert sich:

„Am beliebtesten waren die Prager Blechbläser, sie treten seit 1992 regelmäßig bei den Wurzer Sommerkonzerten auf. Die Blechbläser sind allgemein in der Oberpfalz sehr beliebt, es besteht gewissermaßen eine musikalische Verbindung zwischen Tschechen und Bayern.“

Auch in diesem Jahr sind im Programm der Wurzer Sommerkonzerte viele Komponisten und Musiker aus Mittel- und Osteuropa vertreten. Den musikalischen Auftakt bildet am 26. Juli das „Prager Salonorchester“:

„Das Prager Salonorchester besteht aus Musikern der großen Prager Orchester. Zu Beginn der diesjährigen Wurzer Sommerkonzerte wird das Ensemble weniger ernste und mehr heitere Musik spielen. Es werden dabei beliebte Melodien aus Wien und Prag zu Gehör gebracht, aber auch Stücke des gebürtigen Pragers Julius Fučík aufgeführt.“

Neben den Kompositionen des Tschechen Fučík werden bei den diesjährigen Wurzer Sommerkonzerten unter anderem auch Stücke von Antonin Dvořák und Karel Komzák gespielt. Bis zum 30. August bietet der alte Pfarrhof noch die Kulisse für internationale Ensembles und Orchester.


Foto: Deutsch-Tschechisches Jonglier- und Gauklertreffen Waldmünchen
Wir bleiben an der tschechisch- bayerischen Grenze: Im Luftkurort Waldmünchen wird die Tradition des Jonglierens gepflegt und das bereits im 20. Jahr. In diesem Sommer findet das deutsch-tschechische Jonglier- und Gauklertreffen vom 28. August bis zum 31. August statt. Mitmachen kann jeder: egal ob Kindergartenkind, Senior, Anfänger oder Profi. Dabei richtet sich das Programm der Jugendbildungsstätte Waldmünchen vor allem an ein jüngeres Publikum. Wie ein solches ‚Gauklertreffens‘ abläuft, erläutert Mitorganisator Tobias Späth:

„Der Fachausdruck unter Jongleuren und Gauklern ist eine sogenannte ‚Convention‘. Das heißt, es kommen viele Artisten und Künstler zusammen, die voneinander lernen wollen. Man trifft sich für ein Wochenende oder für ein paar Tage. Eine Gaukler-Convention beginnt am Anreisetag typischerweise mit einer offenen Bühne, hier zeigen alle Teilnehmer ihr Können und ihre Tricks. Die darauffolgenden Tage sind dann mit Workshops ausgefüllt, hier teilen erfahrene Gaukler ihr Wissen mit den Beteiligten. Wir haben ein ganz buntes Angebot, in jeglicher Richtung.“

Aufgrund der Kooperation mit dem Koffertheater aus Brünn / Divadlo Kufr Brno nehmen auch immer mehr tschechische Teilnehmer an der Gaukler-Freizeit teil. Denn die Waldmünchener Begegnung findet direkt im Anschluss an eine internationale Convention im tschechischen Budišov / Budischau statt. Dabei zählt das Treffen auf deutscher Seite knapp 150 Teilnehmer jährlich, davon reisen auch 30 bis 40 Jugendliche aus Tschechien an. Die Verständigung funktioniert dabei unkompliziert, denn Jonglieren lässt sich am einfachsten mit Händen und Füßen zeigen. Für das Erlernen der Tricks und Techniken sind in diesem Jubiläumsjahr besondere Gäste geladen:

„Der Haupt-Instruktor ist in diesem Jahr Günter Klingler, er ist einer der Mitinitiatoren des Jongleur- und Gauklertreffens. In diesem Jahr ist er in Waldmünchen als Lehrer beteiligt und wird auch beim internationalen Gauklertreffen in Budišov dabei sein. Auf ihn freuen wir uns am allermeisten. Des Weiteren werden sich auch viele ehemalige Teilnehmer des Waldmünchener Treffens in diesem Jahr als Lehrer engagieren. Denn einige haben als Jugendliche ihr Handwerkszeug in unseren Sommerkursen gelernt und sind nun Profis.“

Den alljährlichen Abschluss des deutsch-tschechischen Gauklertreffens bildet der öffentliche Show-Abend. Hier zeigen für knapp zwei Stunden Anfänger, jugendliche Show-Business-Einsteiger und Profis ihr Können. Am Samstag, den 30. August um 20. 30Uhr findet diese Veranstaltung in der TV-Halle in Waldmünchen statt.


Die letzte Station des Kulturüberblicks führt in die Schweiz. Hier sind die Liebhaber tschechisch-slowakischer Klänge am 26. Juli im Herzen von Zürich zur „Czech it out Party“ eingeladen. An diesem Abend legen in der Zürcher Kaufleuten Lounge DJ Binka, Mr. Chrixx und Beccy die größten tschechischen und slowakischen Hits der vergangenen Jahrzehnte auf.

Autor: Theresa Arlt
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