„Wahrheit in Bewegung“ – Konferenz über Medien und den Ukraine-Krieg

Der Krieg gegen die Ukraine als eine Herausforderung für die Sicherheit – dies stand im Fokus einer Konferenz, die am Donnerstag in Prag vom öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk veranstaltet wurde.

Russland führt seit mehr als drei Jahren Krieg gegen die Ukraine. Der öffentlich-rechtliche Tschechische Rundfunk (ČRo) geht in seinen Sendungen auf Russlands Aggression ausführlich ein. Zudem veranstaltet er schon im zweiten Jahr eine Konferenz mit internationalen Gästen zum Thema Ukraine-Krieg. Diesmal trug sie den Titel „Pravda v pohybu“ (Wahrheit in Bewegung). Josef Pazderka ist Chefredakteur des Nachrichtensenders Český rozhlas Plus und einer der Konferenzveranstalter. Zum Motto erläuterte er:

Josef Pazderka | Foto: Jiří Šeda,  Tschechischer Rundfunk

„Die Thematik zur Ukraine befindet sich derzeit in einer großen Bewegung. Wir konzentrieren uns bei der Konferenz auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Zweitens interessiert uns eine kritische Debatte nicht nur über die Ukraine selbst, sondern auch über die Welt. Ich denke, Donald Trump stellt eine harte Herausforderung dar.“

Pazderka zufolge sollte die Konferenz zur Kultivierung der Debatte über die Ukraine beitragen, um diese auf kritischer Vernunft sowie Fakten und nicht auf Mythen und Desinformationen zu stützen.

Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba konnte nicht persönlich in Prag erscheinen, er nahm online an der Konferenz teil. Kuleba äußerte sich zu den vergangenen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in Istanbul.

Dmytro Kuleba | Foto: Jiří Šeda,  Tschechischer Rundfunk

„Es war wichtig, Trump zu zeigen, dass seine Bemühungen geschätzt werden, die Vertreter der beiden Seiten an einen Tisch zu bringen. Kiew sowie Moskau sind so seinem Zorn entgangen. Das Treffen hatte jedoch keine Chance auf Erfolg in Bezug auf die Möglichkeit, einen Schritt Richtung Waffenstillstand zu machen. In dieser Hinsicht war es also unwichtig.“

Kuleba ist eher skeptisch bezüglich der Möglichkeit, Fortschritte bei eventuellen künftigen Verhandlungen zu erreichen. Der ukrainische Ex-Außenminister ist davon überzeugt, dass der russische Machthaber Putin keinen Grund sieht, um etwas an seiner Taktik zu ändern. Die westlichen Länder üben auf Russlands Präsidenten laut Kuleba keinen starken Druck aus. Dadurch könne Putin in Russland in Ruhe seine Armee aufbauen und mit der Propaganda die ukrainische Gesellschaft spalten. Die Moskauer Diplomatie werde jegliche Verhandlungen vereiteln, so der Ex-Außenminister. Die USA und insbesondere Donald Trump spielen nach seiner Meinung eine zweideutige Rolle:

Foto: Jiří Šeda,  Tschechischer Rundfunk

„Eines ist an Trumps Herangehen gut: Er versuchte den Status quo zu ändern. Die Art, wie er das gemacht hat, hat seine ursprünglichen Vorhaben jedoch untergraben. Bildlich ausgedrückt: Er nutzte die ganze Peitsche gegen die Ukraine und schenkte Russland den gesamten Zucker. Damit nahm Trump den beiden Seiten die Motivation übereinzukommen.“

Laut Dmytro Kuleba könnten nur eine starke Reduzierung der Einnahmen vom Erdölverkauf Russlands oder aber eine Patsituation an der Kriegsfront Putin zu Änderungen bewegen.

Die Konferenz befasste sich am Donnerstag auch mit der Rolle von Informationen im Kriegskonflikt. Kuleba erwähnte in diesem Zusammenhang die Länder Mitteleuropas:

„Eine Schwäche der Ukraine sehe ich darin, dass wir keine klare und wirksame Strategie entwickelt hatten, um mehr Menschen in Mitteleuropa auf unsere Seite zu bringen. Bei allen Wahlen – in Ungarn, der Slowakei oder Polen,und in Tschechien kommen die Parlamentswahlen auch näher – wird die Ukraine als ein spaltendes Element genutzt: Die eine Seite betont die Notwendigkeit der Unterstützung für die Ukraine, und die andere ist dagegen. Daran hätten wir schon vor vielen Jahren arbeiten sollen.“

Peter Pomerantsev | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Unter den Gästen der Konferenz waren außerdem die britischen Journalisten Peter Pomerantsev und Misha Glenny. Er sehe die Situation in Mitteleuropa nicht so schwarz, wie aus den Erklärungen von Kuleba scheinen konnte, äußerte Glenny. Und Pomerantsev betonte, es sei notwendig, demokratische Medien zu haben, die sich nicht fürchten, auch mit Emotionen und Traumata zu arbeiten.

Autoren: Martina Schneibergová , Tomáš Havlín | Quelle: Český rozhlas
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