Wochenschau

Nach dem Hochwasser in Südböhmen

Der tschechische Senat kam am Sonntag zu seiner außerordentlichen Sitzung zusammen, um die Gesetze zu verabschieden, die für eine schnelle Beseitigung der Folgen der Hochwasserkatastrophe erforderlich sind. Einleitend ehrten die Senatoren mit einer Schweigeminute das Andenken der Hochwasseropfer. Der Staatliche Wohnentwicklungsfonds darf nicht nur beim Bau eines neuen Hauses, sondern auch beim Kauf von bereits fertigen Häusern und Wohnungen eine Subvention gewähren.

Nach dem Hochwasser in Südböhmen
Der tschechische Senat kam am Sonntag zu seiner außerordentlichen Sitzung zusammen, um die Gesetze zu verabschieden, die für eine schnelle Beseitigung der Folgen der Hochwasserkatastrophe erforderlich sind. Einleitend ehrten die Senatoren mit einer Schweigeminute das Andenken der Hochwasseropfer. Der Staatliche Wohnentwicklungsfonds darf nicht nur beim Bau eines neuen Hauses, sondern auch beim Kauf von bereits fertigen Häusern und Wohnungen eine Subvention gewähren. Die Senatoren billigten die entsprechende Gesetzesnovelle.

505 Gemeinden in 31 Bezirken wurden vom Hochwasser betroffen, das das Gebiet der Tschechischen Republik vor zwei Wochen heimsuchte. Vom Hochwasser wurden einige Stadtteile der Hauptstadt Prag und weitere sieben Landkreise betroffen. Darüber informierte am Dienstag das Ministerium für die Regionalentwicklung. Am stärksten war der Südböhmische Landkreis betroffen, wo 171 Gemeinden überflutet waren. Die vollständigen Angaben über die Zahl der vom Hochwasser heimgesuchten Menschen stehen noch nicht zur Verfügung. Gesamte Hochwasserschäden wurden bislang auch noch nicht beziffert. Versicherungsunternehmen rechnen damit, dass ihren Klienten Schäden im Gesamtumfang von ca. 20 Mrd. Kronen entstanden sind.

Die Menschen sind offensichtlich nicht imstande, das Hochwasser zu verhindern. Sie können jedoch die Folgen dieser Katastrophen einschränken. Davon ist Präsident Václav Havel überzeugt, der am Mittwoch an der Regierungssitzung teilnahm. Neben Überflutungen sprach der Präsident mit den Ministern auch über die Europäische Union und den NATO-Gipfel, der im November in Prag stattfinden wird. Während seines überhaupt ersten Besuches auf der Sitzung des neuen Kabinetts sprach der Staatspräsident beispielsweise über den Charakter der Sanierung der vom Hochwasser betroffenen Gebiete.

Das Kabinett hat auf seiner Mittwochsitzung vor allem über die Möglichkeiten diskutiert, woher finanzielle Mittel für die Sanierung der Hochwasserschäden zu schöpfen und wie diese Mittel zu verteilen sind. Premier Vladimir Spidla zufolge erwägt das Kabinett eine Sondersteuer für Besserverdienende. Sollte der Vorschlag der Regierung verabschiedet werden, würden Steuerpflichtige mit einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Kronen (33.000 Euro) jährlich rund 50.000 Kronen (1.700 Euro) mehr Abgaben zahlen als derzeit.

Karlsbrücke in Prag, Foto:CTK
Die berühmte Karlsbrücke in Prag ist am Mittwochvormittag um 10 Uhr nach zweiwöchiger Schließung wieder für den Besucherverkehr freigegeben worden. Wegen des Hochwassers war das historische Bauwerk am frühen Morgen des 13. Augusts gesperrt worden. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Steinbrücke aus dem Jahre 1357 sei nach Meinung der Statiker von der Rekordflut nicht beschädigt worden. EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen hat die Hochwasserschäden in Prag bei einem Rundgang am Donnerstag als "schockierend" bezeichnet. "Das Ergebnis der Überschwemmungen ist tief bewegend, obwohl ich vor kurzem in Dresden und insofern emotional vorbereitet war", sagte Verheugen bei einem Ortstermin im Stadtteil Karlín. In diesem am schlimmsten betroffenen Viertel der Hauptstadt hatten etwa 25.000 Bewohner ihre Wohnungen verlassen müssen. Viele harren immer noch in Notunterkünften aus. Das Maß der Zerstörung unterstreiche nur, dass die Europäische Union sich auch für den Beitrittskandidaten Tschechien verantwortlich fühle, unterstrich der für die Erweiterung zuständige Kommissar. Vor seinem Rundgang hatte Verheugen der Prager Regierung EU-Hilfsmittel in Höhe von 58 Millionen Euro zugesagt.

Ministerpräsident Vladimír Spidla hatte nach dem Treffen mit Verheugen das Ausmaß der bisher bekannten Hochwasserschäden in Tschechien mit einer Gesamthöhe von umgerechnet 3,3 Milliarden Euro angegeben. Sein Kabinett will zur Deckung der Kosten unter anderem die Steuern für Treibstoff und Tabak erhöhen. Laut Spidla sei wiederum noch nicht entschieden, für welche Projekte die EU-Mittel verwendet werden.

Die katastrophalen Überschwemmungen der zurückliegenden Tage haben auch eine helle Seite, und das ist die "außerordentliche" Verbesserung der Beziehungen zu Österreich, aber auch zu den anderen Nachbarstaaten, erklärte der tschechische Außenminister Cyril Svoboda am Donnerstag in Prag vor Journalisten. Gleichfalls am Donnerstag hat sich auch der Vorsitzende des österreichischen Nationalrats, Heinz Fischer, positiv zu den tschechisch-österreichischen Beziehungen geäußert.

Im Alter von 74 Jahren ist am Samstag, 24.8., der tschechische Maler, Graphiker und Buchillustrator Vladimir Komarek gestorben. Der Künstler wurde seit einigen Wochen auf der Intensivstation des Krankenhauses im nordböhmischen Semily behandelt. Komarek war einer der bekanntesten tschechischen bildenden Künstler. Bekannt und beliebt waren nicht nur seine Kunstwerke, sondern auch sein Humor und seine Erzählkunst.