18 Grad im Wohnzimmer: Tschechische Regierung erwägt Temperaturregulierung beim Heizen

Im Falle eines Energienotstandes soll in tschechischen Haushalten, Bürohäusern, aber auch in Kliniken weniger geheizt werden. Die sieht der Entwurf einer Regierungsanordnung vor.

Gebäude des Industrieministeriums | Foto: Gampe,  gemeinfrei

Ähnlich wie in Deutschland, wird das Thema auch in Tschechien heiß debattiert: Das hiesige Ministerium für Industrie und Handel hat vorvergangene Woche vorgeschlagen, im Falle einer verminderten Energieproduktion weniger zu heizen. So will sich die Regierung gegen einen möglichen Gaslieferstopp aus Russland wappnen und die Bevölkerung auf eventuell nötig werdende Einsparungen vorbereiten.

In Wohnungen, Büros oder auch Hotelzimmern mit Zentralheizung solle die Temperatur dann von dem derzeitigen angenommenen Standard um zwei Grad Celsius gesenkt werden, erläutert Ministeriumssprecher Vojtěch Srnka:

„In privaten Wohnzimmern beträgt die vorgeschlagene Grenze 18 Grad Celsius. Diese soll auch für Büros gelten. In Klassenzimmern empfehlen wir eine Begrenzung auf 19 Grad Celsius.“

In größeren öffentlichen Räumlichkeiten und Schalterfilialen soll die Standardtemperatur zudem von 18 auf 15 Grad Celsius fallen. Für Arztpraxen ist eine Regulierung von 24 auf 20 und in Krankenhauszimmern von 22 auf 20 Grad vorgesehen. Im Unikrankenhaus Hl. Anna in Brno / Brünn könne man sich darauf schnell einstellen, so Kliniksprecher Jiří Erlebach in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Die Temperaturen werden zentral reguliert, entweder durch die Belüftungssysteme oder direkt an den Heizkörpern. Darum sollten die Vorgaben für uns kein Problem sein.“

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Des Weiteren würde die Notfallregelung auch Pflege- und Wohneinrichtungen für Senioren betreffen. Die Zimmer sollten dann auf maximal 20 Grad Celsius geheizt werden, die Dusch- und Baderäume allerdings auf einige Grad weniger. Jiří Horecký, Präsident des Verbandes der Sozialdienstleister, hält dieses Vorhaben für unrealistisch:

„Senioren nehmen Temperaturänderungen sensibler wahr, und ihnen ist schneller kalt. Natürlich kann man dem vorübergehend mit etwas wärmerer Kleidung entgegenwirken, und um ein Grad kann die Raumtemperatur durchaus gesenkt werden. Aber drei oder vier Grad weniger, wie es der Entwurf vorsieht, sind nicht möglich.“

Der Entwurf des Industrie- und Handelsministeriums bezieht sich auf Kohle- und Gasheizungen sowie auf Zentralanlagen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Das stößt auf die Kritik der Opposition. Laut Ex-Ressortleiter Karel Havlíček (Ano) sollten nicht Privathaushalte, sondern vielmehr die Industriebetriebe auf andere Heizressourcen umstellen. Und weiter meint der stellvertretende Parteivorsitzende:

„Völlig verkehrt herum geregelt ist außerdem, dass nicht der Nutzer einer Wohnung die Umsetzung garantieren muss, sondern ihr Besitzer. Wie soll der Wohnungsinhaber kontrollieren, ob die Mieter nicht mehr als erlaubt heizen?“

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Laut den bisherigen Plänen des Ministeriums soll die Einhaltung der Vorgaben von der Staatlichen Energieinspektion kontrolliert werden. Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten) versuchte aber erst jüngst, die öffentliche Diskussion zu beruhigen und versicherte, dass niemand in die Privathaushalte kommen und die Temperatur kontrollieren werde.

Zum Thema arbeiten nun auch andere Ressorts ihre Stellungnahmen aus. Dann wird ein gemeinsamer Entwurf dem Legislativrat der Regierung vorgelegt. In Kraft treten würde eine verabschiedete Regierungsanordnung nur im Falle des Energienotstands.

Autoren: Daniela Honigmann , Anna Horáčková , Kryštof Šimek
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