Corona-Krise: 96 Prozent aller Firmen verzeichnen Verluste

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Fast alle Firmen Tschechiens vermelden in der Corona-Krise Einnahmeausfälle. Die staatliche Hilfe ist für sie oft nicht effektiv.

Verluste verzeichnen Firmen quer über alle Wirtschaftszweige hinweg. In einer Mitgliederumfrage der Initiative „Firmy sobě“ (zu Deutsch etwa: Firmen für sich, Anm. d. Red.) gaben 96 Prozent der Befragten an, wegen der Corona-Krise weniger Einnahmen zu haben. Bei mehr als der Hälfte (53 Prozent) sanken die Umsätze um mehr als 70 Prozent. Eine baldige Schließung erwägen 11 Prozent der befragten Unternehmen.

Die Initiative „Firmy sobě“ gründete sich mit Ausbruch der Corona-Krise. Sie will die Position kleiner und mittlerer Firmen bei der Aushandlung von staatlichen Hilfsmaßnahmen stärken. Bisher haben sich ihr etwa 8800 Unternehmen angeschlossen. Die meisten sind mit den staatlichen Hilfsprogrammen und ihrer Ausführung wenig bis gar nicht zufrieden. 44 Prozent bewerten die Unterstützung als „unzureichend“.

Martin Pejša (Foto: Archiv von „Firmy sobě“)

Dazu tragen die strengen Bedingungen bei, mit denen der Staat seine Finanzhilfen verbindet. Martin Pejša, der Leiter von „Firmy sobě“, erläutert: „Eine der vielen Bedingungen ist es, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr im Plus gewesen sein muss. Einige Firmen haben aber letztes Jahr Investitionen in ihre Weiterentwicklung getätigt. Sie haben dadurch negative Bilanzen und werden dafür jetzt bestraft. Durch das Vorgehen unserer Regierung sind tschechische Firmen im europäischen Vergleich benachteiligt.“

Pejša bewertet die staatlichen Hilfsprogramme als ineffektiv: „Bei meiner eigenen Firma kann ich das mit der Situation in Deutschland und der Schweiz vergleichen, wo wir Zweigstellen haben. In der Schweiz haben wir einen staatlich unterstützten Kredit aufgenommen, ähnlich dem COVID-Programm in Tschechien. Der Antrag war in drei Minuten ausgefüllt und das Geld nach zwei Stunden da. In Deutschland konnten wir innerhalb von zwei Tagen Kurzarbeit einführen. In Tschechien haben wir mit dem Ausfüllen eines ellenlangen Formulars mehrere Tage verbracht und nach einem Monat dann erfahren, dass wir nichts bekommen.“

Laut Pejša ist es demnach kein Wunder, dass 27 Prozent der befragten Firmenchefs über einen Verkauf ihres Unternehmens nachdenken.