Gemeinsam innovativ: Tschechiens Premier Fiala in Indien

Vibrant Gujarat Global Summit

Der tschechische Premier, Petr Fiala (Bürgerdemokraten), hat am Donnerstag seinen zweitägigen Besuch in Indien beendet. Vor allem ging es dabei um die Weiterführung der strategischen Zusammenarbeit im Bereich Technik und Innovationen. Aber auch als Handelspartner und weltpolitischer Verbündeter spielt das asiatische Land eine wichtige Rolle für Tschechien.

Gemeinsam mit Premier Petr Fiala reisten auch führende tschechische Wissenschaftler nach Indien. Die Ausrichtung seines Besuchs beschrieb der Regierungschef am Dienstag dann auch wie folgt:

Petr Fiala spricht auf dem Vibrant Gujarat Global Summit in Gandhinagar  (Indien) | Foto: Ajit Solanki,  ČTK/AP

„Ich werde mich auf jene Bereiche konzentrieren, die für die beiderseitige Zusammenarbeit in Zukunft wichtig sind. Das sind die digitalen Technologien, Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Nanotechnologie und überhaupt die medizinische Forschung.“

Ein Beispiel für den bereits bestehenden wissenschaftlichen Austausch ist die Kooperation der Technischen Universität in Prag (ČVUT) mit der privaten Universität für Technik und Medizin in Jaipur. Dort wird derzeit ein Zentrum für Künstliche Intelligenz, Robotik und Kybernetik gebaut, das nach dem tschechischen Professor Vladimír Mařík benannt ist. Der Namensgeber sagte dazu im öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (ČT):

Vladimír Mařík | Foto: Luboš Vedral,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Bereits in diesem Jahr kommen die ersten akademischen Mitarbeiter zu uns. Ich denke, dass es schon in zwei bis drei Jahren einen normalen Austausch geben wird.“

Ab diesem Sommer sollen tschechische Experten an der Universität Jaipur Vorträge halten, und im Gegenzug werden indische Wissenschaftler zeitweise in Tschechien arbeiten. Darauf folge dann ein Austauschprogramm für Studenten, so Mařík.

Auch die Wirtschaft ist in die tschechisch-indischen Forschungsprojekte eingebunden. So eröffnete der Automobilhersteller Škoda vor fünf Jahren in dem asiatischen Land ein Innovationszentrum. Um diese Aktivitäten noch weiter auszubauen, haben Premier Fiala und sein indischer Amtskollege Narendra Modi am Mittwoch eine gemeinsame Erklärung über eine strategische Partnerschaft im Bereich Innovationen unterschrieben. Zuvor hatte der tschechische Regierungschef beim Vibrant Gujarat Global Summit, Indiens wichtigstem internationalem Wirtschaftsforum, eine Rede gehalten. Was das asiatische Land zu bieten hat, beschrieb Martin Hříbek vom Institut für Asienstudien an der Prager Karlsuniversität in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Petr Fiala und Naréndra Módí | Foto: Regierungsamt der Tschechischen Republik

„Für tschechische Unternehmen ist Indien tatsächlich das, was es sein will – nämlich eine wichtige und akzeptablere Alternative zu China. Indien motiviert ausländische Firmen dazu, dort zu produzieren. Sie sollen ihre Fertigungssektoren sowohl für den indischen als auch für weitere asiatische Märkte in das Land verlegen. Indien will also ein Produktionszentrum für ganz Asien sein.“

Der Exportumsatz Tschechiens nach Indien beträgt laut Premier Fiala aktuell etwa 25 Milliarden Kronen (eine Milliarde Euro). Seine Erwartungen für die Zukunft formulierte er während der Reise gegenüber Reportern des Tschechischen Rundfunks:

„Indien bietet ein großes Potential und die Aussicht, den Handel noch deutlich auszubauen. Ich denke, dass wir innerhalb einiger Jahre auf einen Umsatz von 100 Milliarden Kronen kommen können.“

Dies wären dann umgerechnet vier Milliarden Euro. Ein Bereich, der dazu beitragen könnte und für den beide Premiers eine engere Zusammenarbeit beschlossen haben, ist die Kernkraft. Indien will sich laut Fiala an der Entwicklung kleiner modularer Reaktoren beteiligen, an denen Tschechien arbeitet. Und ein deutliches Wachstumspotential bestehe in Indien außerdem für die tschechische Rüstungsindustrie, meint Asienexperte Hříbek:

„Einen guten Ruf haben in Indien etwa Tatra-Fahrzeuge, die zu Hunderten, vielleicht zu Tausenden von der indischen Armee genutzt werden. Tschechische Firmen sind zudem an der Raketenindustrie in Indien beteiligt, als Zulieferer verschiedener Komponenten. Gerade in dieser Zeit, in der sich Indien aus der Abhängigkeit von der russischen Rüstungsindustrie befreien will, entstehen Möglichkeiten, die auch tschechische Unternehmen nutzen können.“

Dem entspricht eine Äußerung Fialas bei der Rede vor dem Wirtschaftsforum am Mittwoch. Er sagte, dass Tschechien infolge des Krieges in der Ukraine zuverlässige demokratische Partner in der Welt suche und Indien dabei eine wichtige Rolle spiele.

Autoren: Daniela Honigmann , Marek Jaromír | Quellen: Český rozhlas , Česká televize
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