Grabkammer des Leibarztes: Tschechische Ägyptologen machen einzigartigen Fund

Ausgrabungen in Abusir (Foto: ČT24)

Vor einem Monat hat die tschechische Ägyptologie 100 Jahre ihres Bestehens gefeiert. Ein paar Wochen später haben die tschechischen Ägyptologen einen wertvollen Fund vorgestellt: In Abusir entdeckten sie das Grab eines einflussreichen Arztes aus dem Dritten Jahrtausend vor Christi Geburt.

Ausgrabungen in Abusir (Foto: ČT24)
Die tschechischen Ägyptologen haben in der Welt einen guten Ruf. Seit einigen Jahren arbeiten sie an den Ausgrabungen in Abusir, etwa zwölf Kilometer südlich von Kairo. Sie legen dort eine große Grabstätte frei, in der hohe Würdenträger in der zweiten Hälfte des Alten Ägyptischen Reiches bestattet wurden. Anfang der Woche informierten sie darüber, dass sie das Grab eines bedeutenden Arztes aus der Fünften Dynastie gefunden haben. Das Grab des Arztes ist 21 auf 24 Meter groß, seine Mauern sind bis zu vier Meter hoch und die Tür ist mit Inschriften und Titeln des Arztes verziert. Miroslav Bárta leitet das Institut für Ägyptologie der Prager Karlsuniversität und auch das Team der tschechischen Archäologen in Abusir:

Miroslav Bárta (Foto: Jan Sklenář, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Der Arzt hieß Schepseskafanch. Aus dem Dritten Jahrtausend vor Christi Geburt gibt es bislang nur wenige Belege über so hoch gestellte Ärzte. Er war der Oberarzt von Ober- und Unterägypten, Priester des Sonnengottes Re und ein Vertrauensmann des Pharaos. Seine Titel zeugen davon, dass er eine außerordentlich wichtige Stellung hatte und eine besonders enge Beziehung zum Herrscher pflegte. Er war derjenige, der den Herrscher berühren durfte. Das war ein großes Privileg. Er kümmerte sich auch um dessen körperlichen und geistigen Zustand.“

In der altägyptischen Zivilisation stand die Medizin auf einem sehr hohen Niveau. Ärzte seien damals sehr gebildete Menschen gewesen, sagt Miroslav Bárta. Schepseskafanch war aber nicht nur Arzt, sondern auch Priester. Denn in komplizierten Fällen griffen die ägyptischen Ärzte zur Magie.

Abusir (Foto: Archiv des Instituts für Ägyptologie der Prager Karlsuniversität)
Die Grabstätte ist die einzige bekannte einer Ärztefamilie aus dem Dritten Jahrtausend vor Christi Geburt in Ägypten. Sie sei wichtig für viele allgemeine Erkenntnisse, sagt der Experte:

„Bei den Forschungen müssen wir historische, naturwissenschaftliche sowie archäologische Kenntnisse kombinieren. Die Erkenntnisse über Familien, deren Mitglieder bedeutende historische Persönlichkeiten waren, stellen einen wichtigen Beitrag zum Wissen über das Leben in Altägypten dar.“

Das Gebiet von Abusir wurde Jahrzehnte lang nicht erforscht, sagt Bárta. Egal wo man dort heutzutage zu graben beginne, mache man bestimmt einen Fund. Die Erfolge der tschechischen Archäologen in Ägypten seien aber das Resultat der Arbeit von einigen Generationen von Ägyptologen, so der Experte:

„Das lässt sich nicht innerhalb einer Grabungssaison oder von einem einzigen Experten bewältigen. Das tschechische Institut für Ägyptologie bemüht sich seit Jahrzehnten, Grundlagenforschung auf Spitzenniveau zu betreiben. Die wirkliche Bedeutung des neuesten Fundes wird sich erst in einigen Monaten zeigen, wenn die vielen gefundenen Artefakte ausgewertet sind. Wir haben dort Keramik sowie viel naturwissenschaftliches Material gefunden. Auf eine zweimonatige archäologische Saison folgen zwei Jahre, in denen die Funde dann noch untersucht werden.“

Die archäologische Grabung in Abusir ist derzeit das größte Projekt tschechischer Wissenschaftler im Ausland, an ihr beteiligen sich Forscher aus mehreren Fachbereichen.