Holocaust-Gedenktag: Tschechien erinnert an Befreiung von Auschwitz vor 80 Jahren
Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum 80. Mal. Am zentralen Gedenkakt wird auch Präsident Petr Pavel teilnehmen. Aber ebenso in Tschechen finden anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags zahlreiche Veranstaltungen statt.
Über eine Million Menschen wurden in Auschwitz ermordet, meist handelte es sich um Juden. Von den 50.000 internierten Tschechen und Slowaken überlebten etwa 6000. Einer von ihnen war Miloš Dobrý. An seine Ankunft in dem Konzentrations- und Vernichtungslager im Dezember 1943 erinnerte er sich vor mehreren Jahren für das Zeitzeugenarchiv Paměť národa:
„Es war Nacht, als der Zug anhielt. Die Türen gingen auf, Scheinwerfer waren direkt auf uns gerichtet. Überall waren SS-Leute mit bellenden Hunden. Wir mussten aus dem Wagen herausspringen. Ich war noch jung, 20 Jahre, sprang und blieb stehen. Aber viele Leute konnten sich nicht auf den Beinen halten oder verletzten sich dabei. Es wurden dann die Hunde auf sie losgelassen, oder sie wurden an Ort und Stelle erschossen.“
1944 wurde Dobrý ins KZ-Außenlager Schwarzheide gebracht. Kurz vor Kriegsende überlebte er den Todesmarsch aus dem Lager. Später studierte er und engagierte sich im Rugbysport, außerdem setzte er sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus ein. Dobrý starb 2012.
Zu den Auschwitz-Überlebenden aus Tschechien zählte auch Hana Hnátová. Wie gelang es ihr, die Folter in Auschwitz und weiteren Lagern auszuhalten? Daran erinnerte sie sich 2021 – ein Jahr vor ihrem Tod – im Gespräch für Radio Prag International:
„Ich habe daran geglaubt, dass die Alliierten siegen müssen. Ich war immer überzeugt, dass das Gute gewinnen müsse, nicht das Schlechte. Ich habe einen starken Willen und habe ihn genutzt. Manchmal war es wirklich nicht einfach zu überleben, aber wir haben es geschafft. Ich bin froh, dass ich den Frieden erlebt habe und sehr dankbar. Hoffentlich sind alle Leute so vernünftig, dass sie gut überlegen, was unsere Zukunft erfordert.“
An das Leid in den Konzentrationslagern und den Völkermord der Nationalsozialisten wird jedes Jahr am 27. Januar gedacht – dem internationalen Holocaust-Gedenktag. Am offiziellen Gedenkakt in Auschwitz nimmt in diesem Jahr auch Tschechiens Präsident Petr Pavel teil – neben weiteren Staats- und Regierungschef aus aller Welt, darunter ebenso Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Bundeskanzler Olaf Scholz (beide SPD).
Am morgigen Dienstag hält Pavel die Eröffnungsrede bei einem Gedenkakt im Spanischen Saal auf der Prager Burg. Erwartet werden dabei auch die Reden von tschechischen Holocaust-Überlebenden.
Bereits am Montag finden aber überall im Land schon kleinere Veranstaltungen statt. In Mladá Boleslav / Jungbunzlau werden auf dem Burghof die Namen von NS-Opfern verlesen. Im südböhmischen Volyně / Wolin findet am Abend in der Synagoge eine Veranstaltung statt, die genau 80 Minuten dauert – in Erinnerung an die Befreiung von Auschwitz vor eben genau 80 Jahren. In Terezín / Theresienstadt gibt es einen Lichterumzug zum jüdischen Friedhof. Anschließend tritt im Museum des ehemaligen Konzentrationslagers, in dem 150.000 Menschen inhaftiert wurden, das Disman-Rundfunk-Kinderensemble auf. Zum Besten gibt es die Inszenierung „A bolelo nebe“. Grundlage dafür boten Briefe, Tagebucheinträge und Gedichte von und über Kinder im Konzentrationslager Theresienstadt.